Steuerreform: Union lehnt 10-Milliarden-Entlastung als unzureichend ab
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die geplanten Reformen der Einkommensteuer durch die Bundesregierung stoßen innerhalb der Unionsfraktion auf deutliche Ablehnung. Während das Kabinett Entlastungen für Bürger vorsieht, formiert sich in den Reihen von CDU und CSU eine Oppositionsbewegung, die die Maßnahmen als unzureichend kritisiert. Berichte aus der ersten Septemberhälfte 2026 verdeutlichen die wachsende Kluft zwischen den Regierungsplänen und den Forderungen der Opposition.
Der Kabinettsentwurf zur Einkommensteuerreform
Die Bundesregierung verfolgt mit dem sogenannten Klingbeil-Entwurf das Ziel, die Steuerzahler in den Jahren 2027 und 2028 um insgesamt 10 Milliarden Euro zu entlasten.
Laut Unterlagen vom 8. September 2026 sieht der Plan vor, den Grundfreibetrag im Jahr 2027 auf 12.564 Euro und im Folgejahr auf 12.900 Euro anzuheben. Für Familien mit zwei Kindern und mittlerem Einkommen würde dies eine jährliche Entlastung von rund 600 Euro bedeuten.
Flankierend dazu soll das Kindergeld im Jahr 2027 auf 267 Euro und 2028 auf 272 Euro steigen. Auch die Kinderfreibeträge sind mit 10.056 Euro beziehungsweise 10.236 Euro für diese Zeiträume festgesetzt.
Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag soll zudem von 1.230 Euro auf 1.430 Euro angehoben werden. Die Grenze für den Spitzensteuersatz würde demnach leicht von 69.878 Euro auf 70.600 Euro steigen.
Zur Gegenfinanzierung von 5 Milliarden Euro sieht der Entwurf jedoch Einschnitte vor. So soll der Handwerkerbonus von bisher 20 Prozent (maximal 1.200 Euro) auf 15 Prozent (maximal 900 Euro) sinken. Die Pauschalsteuer für Mini-Jobs würde von 2 Prozent auf 5 Prozent steigen.
Zudem plant die Regierung eine Verschärfung bei hohen Einkommen: Eine Reichensteuer von 45 Prozent soll bereits ab 250.000 Euro greifen, während eine neue Stufe von 47 Prozent ab 280.000 Euro eingeführt werden soll, wovon schätzungsweise 140.000 Personen betroffen wären.
Wachsender Widerstand innerhalb der CDU/CSU-Fraktion
In der Unionsfraktion hat sich laut Berichten vom 10. September 2026 eine Gruppe von rund 20 Abgeordneten formiert, die den Plänen die Zustimmung verweigern will. Besonders deutlich fiel die Ablehnung in der Arbeitsgruppe Landwirtschaft aus, deren zwölf Mitglieder die geplante Zuckersteuer geschlossen ablehnen.
Der Kabinettsentwurf sieht 10 Milliarden Euro Entlastung über 2027 und 2028 vor — doch der Bund der Steuerzahler weist darauf hin, dass der unzureichende Abbau der kalten Progression die Steuerzahler 2027 mit mindestens 6 Milliarden Euro zusätzlich belastet. Unser kostenloser Report ordnet die geplanten Änderungen bei Grundfreibetrag, Kindergeld und Pauschbetrag ein und zeigt, wie Sie Ihre eigene Steuerlast nachrechnen. Kostenlosen Steuer-Report jetzt anfordern
In vertraulichen Sitzungen sei es zudem zu massiver Kritik an der Koalitionsspitze gekommen, wobei Vorwürfe des Wortbruchs laut wurden, da Steuererhöhungen ursprünglich im Koalitionsvertrag ausgeschlossen worden waren.
Die AG Finanzen der Unionsfraktion forderte in einer Stellungnahme vom 9. September 2026 den vollständigen Abbau der kalten Progression. Der bisherige Regierungsentwurf sieht für das Jahr 2027 lediglich einen Teilabbau vor, was von Finanzpolitikern wie dem CSU-Abgeordneten Dorn als unzureichend bezeichnet wurde. Er bewertete die Reformpläne als zu geringfügig.
Arbeitnehmerflügel mahnt Entlastungen an
Auch der CDA-Vorsitzende Dennis Radtke äußerte in Berichten vom 8. und 9. September 2026 scharfe Kritik. Er forderte mindestens den vollen Ausgleich der kalten Progression für das Jahr 2027 und warnte vor einem massiven Vertrauensverlust bei der Arbeitnehmerschaft. Radtke verwies in diesem Zusammenhang auf das historisch schlechte Abschneiden der CDU in Sachsen-Anhalt.
Als alternative Finanzierungsvorschläge nannte der CDA-Chef den Verzicht auf die dritte Stufe der Mütterrente, was Einsparungen von 5 Milliarden Euro generieren könnte.
Zudem schlug er Kürzungen bei Subventionen vor und verwies auf das Volumen von 78 Milliarden Euro an Staatshilfen gemäß dem aktuellen Subventionsbericht. Auch eine Reform der Erbschaftsteuer sowie der Verzicht auf Wohngeldkürzungen wurden von ihm als Gegenmaßnahmen ins Spiel gebracht.
Kritik von Interessenvertretern und Experten
Der Bund der Steuerzahler schloss sich der Kritik an. Präsident Reiner Holznagel erklärte am 8. September 2026, dass die geplanten 10 Milliarden Euro Entlastung faktisch kaum Auswirkungen hätten, da die kalte Progression nicht konsequent bekämpft werde. Er wies darauf hin, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer weiterhin 53 Cent von jedem verdienten Euro an die öffentlichen Kassen abgebe.
Die Union fordert den vollständigen Abbau der kalten Progression, der Regierungsentwurf sieht für 2027 nur einen Teilabbau vor — nachverhandelt wird bereits. Wer heute eine Gehaltserhöhung plant, sollte wissen, was davon nach der geplanten Reform übrig bleibt. Unser Report liefert eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Steuerlast-Berechnung und fünf Ansatzpunkte gegen die kalte Progression. Steuerlast selbst berechnen — Report anfordern
Durch den unzureichenden Abbau der kalten Progression entstünde den Steuerzahlern im Jahr 2027 eine zusätzliche Belastung von mindestens 6 Milliarden Euro.
Die Union signalisierte bereits die Absicht, den Entwurf nachverhandeln zu wollen. Seitens der Regierungsspitze wurde jedoch betont, dass jede weitere Entlastung gegenfinanziert werden müsse, wobei Steuererhöhungen bei der Erbschaft oder höhere Spitzensteuersätze abgelehnt werden.
