Steuerzahler-Bilanz 2028: Geringverdiener verlieren bis 904 Euro/ Jahr
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundesfinanzministerium will Steuerzahler ab 2027 entlasten – doch die Gegenfinanzierung sorgt für massiven Widerstand. Wirtschaftsverbände und Opposition kritisieren die Pläne als unausgegoren.
Milliardenversprechen mit Ablaufdatum
Der Referentenentwurf sieht für 2027 Entlastungen zwischen 2,9 und 5,2 Milliarden Euro vor. Im Jahr 2028 soll das Volumen auf 7 bis 10,4 Milliarden Euro steigen. Doch Fachleute rechnen nach: Nach Abzug aller Gegenfinanzierungsmaßnahmen bleibt bis 2028 eine Nettoentlastung von nur etwa 4,9 Milliarden Euro übrig.
Das Kindergeld soll 2027 auf 267 Euro steigen, 2028 dann auf 272 Euro. Gleichzeitig plant das Ministerium eine Verschärfung der Reichensteuer: 45 Prozent sollen künftig schon ab 250.000 Euro Einkommen greifen, ab 280.000 Euro drohen 47 Prozent.
Wenn die Inflation die Entlastung auffrisst
Besonders umstritten: Der fehlende Ausgleich der kalten Progression im Jahr 2027. Der Bund der Steuerzahler hatte dafür ein Volumen von rund 8 Milliarden Euro als notwendig erachtet. Ohne diesen Ausgleich rutschen Steuerzahler trotz Lohnerhöhungen in höhere Tarife – ihre reale Kaufkraft bleibt auf der Strecke.
Dazu kommen steigende Sozialabgaben. Finanzwissenschaftler Frank Hechtner hat modelliert, was unterm Strich wirklich bleibt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ein Single mit 3.000 Euro Brutto verliert 2028 rund 9 Euro pro Jahr. Bei 6.000 Euro Brutto sind es 242 Euro – und wer 9.000 Euro verdient, dem fehlen jährlich 904 Euro. Eine Familie mit zwei Kindern und 9.000 Euro Haushaltseinkommen kommt gerade mal auf ein Plus von 44 Euro.
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Wo das Geld herkommen soll
Um die Entlastungen zu finanzieren, kürzt der Entwurf bei Steuervergünstigungen – und das schmerzt:
- Vereine: Der Freibetrag sinkt von 5.000 auf 1.000 Euro. Alles darüber wird komplett steuerpflichtig. Das bringt dem Staat geschätzte 345 Millionen Euro.
- Minijobs: Die Pauschalsteuer steigt von 2 auf 5 Prozent.
- Handwerker: Die Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen fällt von 20 auf 15 Prozent.
- Unternehmensverkäufe: Freibeträge bei Betriebsveräußerungen und Anteilsverkäufen sollen gestrichen werden.
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Opposition spricht von Wortbruch
Die Union wirft Klingbeil vor, sein Versprechen von 10 Milliarden Euro Entlastung pro Jahr zu brechen. Auch die FDP meldet sich kritisch zu Wort. Der Bund der Steuerzahler sieht in den Streichungen eine zusätzliche Belastung für die Bürger.
Experten raten angesichts der komplexen Neuregelungen, die einmonatige Einspruchsfrist bei Steuerbescheiden genau zu beachten. Immerhin: 2024 war etwa jeder pfünfte Bescheid fehlerhaft, knapp 2,8 Millionen Einsprüche hatten Erfolg.
Während Deutschland über Entlastungen streitet, zeigt Österreich, wie es auch anders geht – nur nicht unbedingt besser. Dort fehlen im EU-Vergleich steuerliche Anreize für Wertpapiersparen, während Kursgewinne pauschal mit 27,5 Prozent belastet werden. Unterschiedliche Ansätze, gleiche Probleme: Der private Vermögensaufbau bleibt in beiden Ländern eine Herausforderung.
