Stille, SMS

Stille SMS in Thüringen: Polizei ortete Handys mit 15.700 Impulsen

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 08:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Polizei versandte 2025 rund 15.700 Ortungsimpulse; der Verfassungsschutz nutzte die Methode deutlich seltener.

Thüringer Behörden orteten 2025 Tausende Handys per stiller SMS
Eine nächtliche Aufnahme eines Mobilfunkmastes vor einem dunklen Abendhimmel. Illustration mit AI erstellt.

Die Thüringer Polizei und der Thüringer Verfassungsschutz greifen bei ihren Ermittlungen auf verdeckte digitale Ortungsmethoden zurück. Wie aus Antworten des Thüringer Innenministeriums auf Anfragen des Linke-Innenpolitikers Ronald Hande hervorgeht, über die mz.de in einem Bericht vom 09.10.2026 informierte, kommt dabei unter anderem die sogenannte stille SMS zum Einsatz.

Mit diesem technischen Kniff lassen sich Mobiltelefone von Zielpersonen orten, ohne dass die Betroffenen auf ihren Geräten eine Benachrichtigung erhalten.

Tausende Ortungsversuche durch die Polizei

Den Angaben zufolge verschickte die Thüringer Polizei im Jahr 2025 rund 15.700 dieser Ortungsimpulse. Die Beamtinnen und Beamten wandten das Instrument in Dutzenden von Ermittlungsverfahren an. Das Spektrum der Tatvorwürfe reichte dabei von Mord-Vorwürfen über Geldwäsche und schweren Raub bis hin zu Brandstiftung.

Für die technische Abwicklung arbeitet die Polizei mit externen Dienstleistern zusammen. Dabei fielen für den Versand der Nachrichten im Jahr 2025 Kosten von rund 19.200 Euro an. Die Abrechnung erfolgt nach einem Modell, bei dem die ersten 500 SMS in einer monatlichen Grundgebühr enthalten sind und jede darüber hinaus versendete Nachricht einzeln abgerechnet wird.

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Gezielte Maßnahmen beim Landesverfassungsschutz

Auch der Thüringer Verfassungsschutz bediente sich dieses Instruments, setzte es jedoch in deutlich geringerem Umfang ein. Im gesamten Jahr 2025 sowie im ersten Quartal 2026 verschickte der Inlandsgeheimdienst rund 480 stille SMS. Damit wurden insgesamt drei Zielpersonen über fünf Telefonnummern geortet.

Die Vertragskosten für diese Maßnahmen beliefen sich für das Jahr 2025 und das erste Quartal 2026 auf ca. 4.700 Euro, wobei Personalkosten in dieser Summe nicht enthalten sind.

Rechtliche Voraussetzungen und Kritik

Der Einsatz der stillen SMS unterliegt engen juristischen Schranken. Gemäß der Strafprozessordnung (StPO) ist der verdeckte Versand zur Handy-Ortung durch Sicherheitsbehörden rechtlich nur bei Ermittlungen zu Straftaten von erheblicher Bedeutung gestattet.

Da die Mobiltelefone beim Empfang ein Funksignal an die nächste Funkzelle zurücksenden, können die Ermittler Bewegungsprofile erstellen oder den aktuellen Aufenthaltsort bestimmen, ohne dass auf dem Bildschirm ein sichtbarer Vorgang ausgelöst wird.

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Datenschützer sehen die Praxis kritisch und verweisen auf den tiefen Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung sowie auf das Risiko einer weitreichenden Standortüberwachung.

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