Stress, Alltag

Stress im Alltag: Studie mit 164 Personen zeigt, wie Handlungsfähigkeit schützt

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Smartphone-Daten zeigen: Wer sich Herausforderungen gewachsen fühlt, berichtet von geringerem Stressempfinden.

Studie: Wahrgenommene Handlungsfähigkeit geht mit weniger Stress einher
Ein minimalistischer, leerer Raum mit einfallendem Tageslicht und langen Schatten auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Ob eine Situation als belastend wahrgenommen wird, hängt maßgeblich davon ab, wie die betroffene Person die Lage bewertet und welche Bewältigungsmöglichkeiten sie für sich sieht. Eine im Fachjournal PLOS Digital Health veröffentlichte Untersuchung analysierte diesen Mechanismus anhand von 2.908 Smartphone-Alltagsmessungen bei 164 Personen (DOI: 10.1371/journal.pdig.0001716).

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Stress vor allem dann entsteht, wenn eine Situation als besonders relevant eingestuft wird, während gleichzeitig die wahrgenommenen eigenen Ressourcen knapp sind.

Umgekehrt erwies sich das Gefühl der eigenen Handlungsfähigkeit sowohl im Vergleich zwischen verschiedenen Personen als auch im tageszeitlichen Verlauf ein und derselben Person als der stärkste Faktor, der mit geringerem Stressempfinden einherging.

Subjektive Kontrolle als zentraler Schutzfaktor

Die Erfassung über mobile Endgeräte ermöglichte es, psychische Reaktionen direkt im Alltag abzubilden. Die Daten belegen, dass nicht allein äußere Anforderungen das Stressniveau bestimmen, sondern das Zusammenspiel aus zugeschriebener Bedeutung und empfundener Kompetenz.

Fühlten sich die Studienteilnehmenden den gestellten Herausforderungen gewachsen, fiel das Stressempfinden deutlich geringer aus. Fehlte hingegen dieses Gefühl der Handlungsfähigkeit, stieg die Belastung bei als wichtig eingestuften Ereignissen sprunghaft an.

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Dass Belastungen im Alltag weit verbreitet sind, zeigen auch Erhebungen aus dem Nachbarland Österreich: Laut Angaben des ORF im Rahmen eines thematischen Schwerpunkts gaben 70 % der dortigen Bevölkerung an, sich häufig gestresst zu fühlen. Dauerhafte Belastungszustände können demnach Blutdruck und Herzfrequenz erhöhen und langfristig das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkte und Herzrhythmusstörungen steigern.

Steigende Belastung durch Angst und depressive Symptome

Die Einordnung individueller Stressreaktionen gewinnt vor dem Hintergrund globaler und nationaler Gesundheitsdaten zunehmend an Bedeutung. Dem Bericht „Global Health Estimates 2000–2023“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 2. Oktober 2026 zufolge stieg die altersstandardisierte Krankheitslast zwischen 2019 und 2023 durch Depressionen weltweit um etwa 20 % und durch Angststörungen um fast 45 %. Beide Störungsbilder verursachten im Jahr 2023 gemeinsam rund 110 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre.

In Deutschland zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Aus Umfragedaten des Robert Koch-Instituts (RKI) geht hervor, dass im Jahr 2024 rund 22 % der Erwachsenen über depressive Symptome berichteten. Der Anteil ambulanter Diagnosen depressiver Störungen lag 2023 bei etwa 17 %.

Zudem bewerteten 2024 rund 28 % der befragten Erwachsenen ihr psychisches Wohlbefinden als eher schlecht, während nur rund 11 % es als eher gut einschätzten; die Auswertung der Daten für das Jahr 2025 steht noch aus.

Symptome traten laut dem RKI besonders häufig bei jüngeren Erwachsenen und jungen Frauen auf. Der Psychiater Andreas Meyer-Lindenberg schätzt, dass jährlich etwa 30 % der Bevölkerung in Deutschland eine behandlungsbedürftige, diagnostizierbare psychische Erkrankung aufweisen.

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Prävention und professionelle Hilfe

Zur Stärkung der psychischen Widerstandskraft stehen im Versorgungssystem diverse Instrumente bereit. Gesetzliche Krankenkassen verzeichnen bundesweit nahezu 50.000 Präsenzkurse sowie etwa 2.500 Onlineangebote speziell im Bereich des Stress- und Ressourcenmanagements.

Insgesamt existieren mehr als 120.000 zertifizierte Präventionskurse, die neben Stress auch Bewegung, Ernährung und Suchtmittelkonsum abdecken und je nach Krankenkasse anteilig bezuschusst werden.

Mediziner weisen darauf hin, dass Depressionen und Angststörungen gut behandelbar sind. Bei anhaltenden oder stark ausgeprägten Beschwerden sei eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung erforderlich.

Faktoren wie regelmäßige Bewegung, ausreichender Schlaf und eine feste Tagesstruktur können den Genesungsprozess unterstützen, ersetzen eine professionelle Behandlung jedoch nicht. Bei akuter Selbstgefährdung stehen der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 sowie die psychiatrische Notfallversorgung zur Verfügung.

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