Stress, Deutschland

Stress in Deutschland: Fast ein Viertel der Erwachsenen ist stark belastet

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
RKI-Daten, kommunale Erhebungen und Jugendstudien zeigen psychische Belastungen durch Einsamkeit, digitale Reize und Zukunftssorgen.
Ein leerer Stuhl in einem minimalistisch eingerichteten Raum vor einem Fenster mit Blick auf eine Stadt bei DĂ€mmerung. Illustration mit AI erstellt.

Fast ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leidet unter einer erhöhten Stressbelastung. Dies zeigen reprÀsentative Erhebungen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Den Daten zufolge sind Frauen sowie junge Erwachsene im Alter von 18 bis 29 Jahren besonders stark von diesen Belastungen betroffen.

Zudem spielen die jeweiligen Bildungsvoraussetzungen eine messbare Rolle beim individuellen Stressempfinden. Bereits im Jahr 2024 stuften 37,7 Prozent der 18- bis 29-JĂ€hrigen ihr psychisches Wohlbefinden als niedrig ein, wĂ€hrend dieser Wert ĂŒber alle Erwachsenengruppen hinweg bei 28,2 Prozent lag.

Einsamkeit und regionale Belastungsfaktoren

Die bundesweiten Tendenzen spiegeln sich auch auf kommunaler Ebene wider. Eine Untersuchung des Instituts aproxima fĂŒr die Stadt Jena ergab, dass jede fĂŒnfte befragte Person psychisch stark belastet ist. Unter den 18- bis 29-JĂ€hrigen trifft dies sogar auf fast jede dritte Person zu, wobei Stress und Einsamkeit besonders hĂ€ufig als auslösende Faktoren genannt werden.

Zudem bewertet in der Jenaer Erhebung nur etwa die HĂ€lfte der Befragten die fachĂ€rztliche Versorgung positiv. Neben sozialen Unterschieden bei Bildung, Arbeit und Einkommen wirken auch Umweltfaktoren: So fĂŒhlen sich 24 Prozent im Sommer sehr stark durch Hitze belastet, und fast die HĂ€lfte schlĂ€ft bei hohen Temperaturen schlecht.

Bei ungĂŒnstigen sozialen Voraussetzungen liegt der Anteil der stark Hitzebelasteten bei 32 Prozent, verglichen mit 14 Prozent bei den gĂŒnstigsten Voraussetzungen.

EinsamkeitsgefĂŒhle sind in der jĂŒngeren Generation weit verbreitet. Laut einer Befragung der Statistik Austria gaben 12 Prozent der 18- bis 34-JĂ€hrigen an, sich in den vergangenen Wochen immer oder meistens einsam gefĂŒhlt zu haben; jĂŒngere Menschen sind demnach hĂ€ufiger betroffen als Ă€ltere JahrgĂ€nge.

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Im Einsamkeitsreport 2024 der Techniker Krankenkasse gaben 59 Prozent der Befragten an, sich schon einmal einsam gefĂŒhlt zu haben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes machen Single-Haushalte in Deutschland mittlerweile gut 42 Prozent aus.

Eine im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung an 317 jungen Erwachsenen weist darauf hin, dass bereits kleine UmfĂ€nge an körperlicher AktivitĂ€t genĂŒgen können, um die negativen Auswirkungen von Einsamkeit abzumildern.

Digitale ReizĂŒberflutung und ZukunftsĂ€ngste

Neben sozialen Faktoren trĂ€gt auch die stĂ€ndige Vernetzung zum Stressempfinden bei. Eine reprĂ€sentative Befragung der IU Internationalen Hochschule aus dem Jahr 2026 zeigt, dass 81 Prozent der Befragten mindestens ein- bis zweimal pro Stunde auf ein digitales GerĂ€t blicken, selbst wenn keine Benachrichtigung vorliegt. 44 Prozent beschrieben ihren Kopf als dauerhaft im Bereitschaftsmodus, wĂ€hrend sich 56 Prozent wĂŒnschten, hĂ€ufiger offline zu sein.

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Die Auswirkungen digitaler Nutzung stehen auch im Fokus der Wissenschaft: Am 2. November 2026 widmet sich eine BĂŒrgervorlesung am Uniklinikum Erlangen dem Einfluss digitaler Medien auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Gleichzeitig belasten ökonomische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen die jĂŒngere Generation. In der Shell-Jugendstudie unter rund 2.500 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 12 bis 25 Jahren Ă€ußerten 81 Prozent Angst vor einem Krieg in Europa. 67 Prozent sorgten sich vor der wirtschaftlichen Lage und steigender Armut, 64 Prozent vor Umweltverschmutzung und 63 Prozent vor dem Klimawandel.

Angst vor AuslÀnderfeindlichkeit gaben 58 Prozent an, vor Zuwanderung 34 Prozent und vor Arbeitslosigkeit oder dem Fehlen eines Ausbildungsplatzes 35 Prozent.

Eine Erhebung von Civey und dem Sozialverband Deutschland zeigte zudem, dass 30 Prozent der 18- bis 29-JĂ€hrigen durch Wohnkosten in ihrer Wohnortwahl und 16 Prozent in ihrer Familienplanung beeinflusst wurden. Um Betroffene bei der StressbewĂ€ltigung zu unterstĂŒtzen, setzt beispielsweise die AOK Bayern auf einen KI-gestĂŒtzten PrĂ€ventionskurs zur Reflexion des individuellen Stresserlebens.

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