Stress, Folgen

Stress in Österreich: 70 Prozent fühlen sich häufig belastet – Folgen fürs Immunsystem

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dauerbelastung beeinflusst Abwehrkräfte und Erschöpfung; Fachleute empfehlen Schlaf, Bewegung, ausgewogene Ernährung und klare Arbeitsgrenzen.

Chronischer Stress: Wie Psyche, Immunsystem und Arbeit zusammenwirken
Natürlicher Waldboden mit Moos und Pflanzen als Symbol für biologische Regeneration und Ruhe. Illustration mit AI erstellt.

Dauerhafte seelische Belastungen wirken sich nicht nur auf das seelische Wohlbefinden aus, sondern greifen tief in biologische Abläufe des Körpers ein.

Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, über welche Mechanismen chronischer Stress das Immunsystem beeinträchtigt und Entzündungsprozesse anstoßen kann. Dabei zeigt sich, dass die individuelle Belastbarkeit gegenüber Stress eng mit dem körpereigenen Immunsystem sowie dem Mikrobiom verknüpft ist.

Der Forscher Stefan Reber untersucht diese biologischen Prozesse und geht der Frage nach, welche Schutzmaßnahmen die körperliche Widerstandskraft erhalten können.

Biologische Wechselwirkungen zwischen Psyche und Abwehrkräften

Die Ausmaße des Problems sind beträchtlich: Nach Angaben des ORF gaben 70 Prozent der Menschen in Österreich an, sich häufig gestresst zu fühlen. Hält diese Belastung dauerhaft an, geraten immunologische Regelkreise aus dem Gleichgewicht.

Neben der direkten Immunreaktion rückt dabei zunehmend der Darm in den Fokus der Forschung. Mikrobiomdaten und Laboruntersuchungen belegen immer deutlicher, dass Wechselwirkungen zwischen Darmbakterien und Immunzellen Entzündungsreaktionen im gesamten Körper modulieren können.

Gleichzeitig warnen Mediziner vor einfachen Abkürzungen bei der Stärkung der Abwehrkräfte. Die Hausärztin Melanie Rose weist darauf hin, dass es keinen sogenannten Turbo-Knopf für das Immunsystem gebe.

So verkürze regelmäßig eingenommenes Vitamin C Erkältungen bei Erwachsenen im Durchschnitt lediglich um etwa 8 Prozent – was bei einer einwöchigen Erkrankung ungefähr einem halben Tag entspricht –, während es Infektionen bei gesunden Menschen ohne Mangel nicht verlässlich verhindere. Als wirksame Basismaßnahmen gelten stattdessen ausreichende Stressreduktion, erholsamer Schlaf, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

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Belastungen im Arbeitsalltag und psychische Folgen

Ein wesentlicher Treiber für chronischen Stress findet sich im beruflichen Umfeld. Die Arbeitsorganisation spielt dabei eine zentrale Rolle für die emotionale Erschöpfung.

Zwei wiederholte Befragungsstudien der Universität Bielefeld zeigten, dass sowohl eine Zunahme als auch eine Abnahme sogenannter illegitimer Arbeitsaufgaben mit einer höheren emotionalen Erschöpfung einhergingen als ein gleichbleibendes Aufgabenniveau.

Als mögliche Erklärung führen die Forscher wahrgenommene Unsicherheit an. Nicht nur eine reine Aufgabenüberlastung kann demnach belasten, sondern auch die Unberechenbarkeit bei der Verringerung von Aufgaben.

Experten raten zudem zur Vorsicht bei der Interpretation anhaltender Erschöpfungszustände. Der Psychiater Ulrich Hegerl warnt davor, dass eine anhaltend hohe Arbeitsleistung das Vorliegen einer Depression keineswegs ausschließe.

Der Begriff einer hochfunktionalen Depression stelle keine eigenständige Diagnose dar. Hinter vielen vermeintlichen Burn-out-Fällen stecke tatsächlich eine Depression, wobei eine reine Überlastung in der Regel nicht die Ursache sei.

Studien zufolge erkrankt etwa jeder fünfte bis sechste Erwachsene im Laufe des Lebens an einer Depression, Frauen dabei doppelt so häufig wie Männer. Skandinavische Statistiken weisen zudem darauf hin, dass die Lebenserwartung betroffener Personen im Durchschnitt um rund zehn Jahre verkürzt ist.

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Strukturierte Ansätze zur Entlastung

Um chronischer Überlastung und ihren körperlichen Folgeprozessen vorzubeugen, raten Fachleute zu klaren Grenzen im Tagesablauf. Die Beraterin Lena Wittneben empfiehlt, Aufgaben im Arbeitsalltag eher konsequent zu streichen, anstatt zusätzliche Anforderungen in bestehende Zeitpläne zu pressen.

Da sich die Konzentration meist höchstens etwa 90 Minuten aufrechterhalten lasse, sollten gezielte Fokuszeiten geschaffen und unangenehme Aufgaben in Intervallen von rund 30 Minuten bearbeitet werden.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören zudem das Verkleinern unnötiger Besprechungen, die Vereinbarung fester Kommunikations- und Ruhezeiten sowie die Beachtung grundlegender Bedürfnisse wie Essen, Trinken und ausreichende Bewegung.

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