Stromkrise-Plattform, Bundesnetzagentur

Stromkrise-Plattform: Bundesnetzagentur steuert Großverbraucher zentral

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 01:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Plattform SiPlaS soll Großverbraucher bei Stromengpässen zentral steuern. Registrierungspflicht ab 8 GWh Jahresverbrauch, Drosselung ab 10 GWh möglich.

Bundesnetzagentur startet digitale Strom-Krisenplattform SiPlaS für Industrie
Moderne digitale Steuerzentrale zur Überwachung der Stromversorgung mit Datenvisualisierungen auf großen Bildschirmen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesnetzagentur hat Ende Juli die Entwicklung einer neuen digitalen Krisenplattform namens „Sicherheitsplattform Strom“ (SiPlaS) angekündigt. Das System soll dazu dienen, große Stromverbraucher im Falle von Versorgungsengpässen zentral zu steuern. Ziel ist es, die Kommunikation und Koordination zwischen Behörden, Netzbetreibern und der stromintensiven Industrie in Krisensituationen signifikant zu verbessern.

Präventive Maßnahmen für die industrielle Stromversorgung

Die Behörde betonte, dass der Aufbau der Plattform bereits seit 2024 erfolgt und rein präventiv zu verstehen sei. Aktuell bestehe keine Strommangellage. Die Plattform dient der Vorbereitung auf mögliche strukturelle Mangellagen sowie lang anhaltende Versorgungsunterbrechungen. Dabei richtet sich das System explizit an die Industrie; Privathaushalte sowie kritische Infrastrukturen sind von den geplanten Maßnahmen nicht betroffen.

Für Unternehmen gelten spezifische Registrierungs- und Handlungspflichten. Betriebe mit einem jährlichen Strombedarf ab 8 Gigawattstunden (GWh) werden zur Registrierung auf der Plattform erfasst. Davon betroffen sind insbesondere Branchen wie die Metall- und Chemieindustrie sowie die Papierherstellung. Im Falle eines Notfalls können Großverbraucher mit einem Jahresbedarf ab 10 GWh rechtlich zu Einsparungen verpflichtet werden.

Mechanismen der Laststeuerung und Sanktionen

Sollte eine Strommangellage eintreten, sieht das Konzept vor, dass die Bundesnetzagentur eine verpflichtende Reduzierung der Produktion anordnen kann. Diese Anordnungen erfolgen mit einem Vorlauf von 24 bis 72 Stunden. Die Dauer einer solchen Drosselung könne sich laut Behördenangaben über einen Zeitraum von mehreren Tagen bis hin zu Wochen erstrecken.

Unternehmen, die einer solchen Reduzierungsanordnung nicht nachkommen, müssen mit harten Konsequenzen rechnen. In diesen Fällen droht die unmittelbare Abschaltung durch die zuständigen Netzbetreiber. Die rechtliche Grundlage für diese Eingriffe bilden das Energiesicherungsgesetz aus dem Jahr 1974 sowie die Elektrizitätssicherungsverordnung von 1982.

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Vorbild aus dem Gassektor und Geheimhaltung

Die Entwicklung der SiPlaS folgt dem Beispiel der Sicherheitsplattform Gas, die bereits seit dem 29. September 2022 besteht und rund 2.500 registrierte Verbraucher umfasst. Dass die Planungen für das Pendant im Stromsektor erst jetzt umfassend bekannt werden, begründete die Bundesnetzagentur mit strategischer Zurückhaltung. Man habe die Details aus Geheimhaltungsgründen zunächst nicht öffentlich kommuniziert, um eine unnötige Verunsicherung der Marktteilnehmer und der Öffentlichkeit zu vermeiden.

Aktuelle Versorgungslage und langfristige Risiken

Trotz der neuen Krisenvorsorge gilt die Stromversorgung in Deutschland derzeit als sehr stabil. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die durchschnittliche Ausfallzeit pro Verbraucher im Jahr 2024 lediglich 11 Minuten betrug. Dennoch warnen Akteure aus der Energiewirtschaft vor zukünftigen Herausforderungen.

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Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Versorgungssicherheit ab dem Jahr 2028 gefährdet sein könnte. Nach Einschätzung des Unternehmens könnte bis zum Jahr 2035 eine gesicherte Kraftwerksleistung von insgesamt 40 Gigawatt fehlen. Die neue Plattform SiPlaS soll in diesem Kontext als digitales Instrument dienen, um auf solche potenziellen Defizite vorbereitet zu sein.

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