Stürze, Blutdruckschwankungen

Stürze im Alter: Mehr als ein Viertel der über 65-Jährigen betroffen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Blutdruckschwankungen, Medikamente und Osteoporose erhöhen die Sturzgefahr; langsames Aufstehen und sichere Wohnräume können vorbeugen.
Ein sonnendurchflutetes, minimalistisches Schlafzimmer am frühen Morgen mit einem einfachen Holzbett auf einem Parkettboden. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachleute warnen vor den erheblichen Gefahren, die Stürze für ältere Menschen mit sich bringen. Insbesondere der Moment des Aufstehens erweist sich im Alltag häufig als kritische Phase. Bei Stürzen im Seniorenalter sind vor allem vier Körperregionen von Knochenbrüchen betroffen: Handgelenke, Schultern, Hüften sowie die Wirbelsäule.

Ein exemplarischer Fall eines 75-jährigen Unternehmenschefs verdeutlichte diese Risiken: Nach einem Sturz beim Verlassen des Bettes zog er sich eine Oberschenkelfraktur zu, musste in einem Universitätsklinikum operiert werden, verbrachte etwa eine Woche stationär und war anschließend auf einen Rollstuhl angewiesen.

Ursachen für Gangunsicherheiten und Stürze beim Aufstehen

Klinische Beobachtungen zeigen, dass Stürze besonders häufig beim morgendlichen Aufstehen oder beim nächtlichen Gang zur Toilette auftreten. Als zentrale Ursachen gelten Schwindel infolge von Blutdruckschwankungen oder Diabetes, eine orthostatische Hypotonie sowie eine verzögerte Koordination unmittelbar nach dem Erwachen.

Der Orthopäde Jason Snibbe erläuterte, dass ein plötzliches Aufstehen aus dem Bett oder Sessel einen Blutdruckabfall mit Schwindel auslösen kann, wobei ein bestehender Flüssigkeitsmangel diesen Effekt verstärkt. Zudem nehmen im Alter die Muskelmasse und die Kraft in den unteren Extremitäten ab, während degenerative Veränderungen der Wirbelsäule und Gelenkprobleme die Stabilität beeinträchtigen.

Die Physiotherapeutin Milica McDowell wies darauf hin, dass jüngere Menschen über schnellere Reaktionen verfügen und ihr Gleichgewicht wiederherstellen können, während dieser Vorgang bei älteren Menschen langsamer abläuft.

Einen zusätzlichen Risikofaktor stellen Medikamente dar. Snibbe sowie Dr. Kevin Smidt von Orthopedic ONE betonen, dass Mittel gegen Bluthochdruck, Angstzustände oder Depressionen sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel die Wachheit und Stabilität beeinträchtigen oder Schwindel auslösen können.

Dieses Risiko steigt bei der Kombination mehrerer Präparate weiter an. Fachleute raten Patienten daher, bei Schwindel oder Unsicherheiten den Arzt zu konsultieren und verordnete Medikamente keinesfalls eigenmächtig abzusetzen.

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Osteoporose und besonders gefährdete Knochenregionen

Mit zunehmendem Alter sinkt die Knochenmasse, was zu Osteoporose führen kann. Laut Ärzten der Oblastklinik Iwanowo sind Oberschenkelhals- und Wirbelkörperfrakturen besonders schwerwiegend, da sie die Mobilität und die Selbstständigkeit der Betroffenen langfristig einschränken.

Frauen sind durch den postmenopausalen Knochenverlust oft früher betroffen, teilweise bereits im Alter zwischen 60 und 70 Jahren, während die Anfälligkeit bei Männern später einsetzt. Ab einem Alter von 75 Jahren besteht bei beiden Geschlechtern ein erhöhtes Risiko.

Dr. Rao Yunjhen von der radiologischen Abteilung des Keelung Chang Gung Memorial Hospital erklärte, dass Osteoporose oft symptomlos verläuft. Die Knochenstruktur ähnle einem Schwamm, wodurch bereits leichte Stöße Frakturen nach sich ziehen können.

Bei der DXA-Knochendichtemessung gilt ein T-Wert von minus 1 oder höher als normal, während Werte zwischen minus 1 und minus 2,5 eine niedrige Knochendichte anzeigen. Ein Wert von minus 2,5 oder darunter definiert eine Osteoporose; tritt dabei eine Fragilitätsfraktur auf, spricht die Medizin von einer schweren Osteoporose.

Zu den Hochrisikogruppen zählen neben älteren Personen auch Menschen mit früheren Brüchen nach leichten Stürzen, familiärer Vorbelastung, Untergewicht, Bewegungsmangel sowie Patienten unter langfristiger Steroidbehandlung oder mit rheumatoider Arthritis, Diabetes, Schilddrüsen- und Nierenerkrankungen.

Die Rheumatologin Tatjana Salnikowa ergänzte, dass bei fortgeschrittener Osteoporose bereits ein Sturz aus eigener Körperhöhe, ungeschicktes Bewegen oder das ruckartige Heben von mehr als fünf Kilogramm Gewicht Kompressionsbrüche der Wirbelkörper auslösen kann.

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Präventionsschwerpunkte und Vorgehen nach einem Sturz

Nach Erhebungen der US-Gesundheitsbehörde CDC stürzt jährlich mehr als ein Viertel der Personen über 65 Jahre in den USA. Dennoch wird dieser Vorfall im ärztlichen Gespräch von vielen Betroffenen nicht erwähnt. Laut CDC führt zudem jeder zehnte Sturz bei älteren Erwachsenen zu einer Verletzung, die medizinische Behandlungen erfordert und die Aktivität einschränkt.

Zur Vorbeugung definieren Mediziner drei wesentliche Schwerpunkte: den Erhalt von Knochendichte und Muskelkraft, die sorgfältige Kontrolle chronischer Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Katarakt sowie das bewusste Verlangsamen von Bewegungsabläufen.

Konkret wird geraten, nach dem Aufwachen zunächst Dehnübungen im Bett auszuführen, sich anschließend aufzusetzen und erst nach vollständiger Schwindelfreiheit aufzustehen. In Wohnräumen sollten Gehwege frei geräumt und nachts beleuchtet sein.

Dr. Kevin Smidt empfiehlt Schuhe mit griffigem Profil, besondere Wachsamkeit auf den ersten und letzten zehn Fuß eines Weges sowie den sogenannten Pinguin-Gang mit kurzen Schritten und breitem Stand.

Sollte es dennoch zu einem Sturz kommen, ist bei Bewusstlosigkeit, Kopf- und Nackenschmerzen, sichtbaren Fehlstellungen, offenen Wunden oder der Unfähigkeit zu gehen unverzüglich ärztliche Hilfe hinzuzuziehen. Liegen diese Symptome nicht vor, raten Experten zu einer Beobachtungsphase von 24 bis 48 Stunden sowie zur Anwendung der R.I.C.E.-Methode.

Die weitere therapeutische Versorgung bei Frakturen stützt sich nach Angaben von Dr. Lin Dongyi dreigleisig auf Schmerzkontrolle oder chirurgische Eingriffe, spezifische Osteoporose-Medikamente sowie gezielte Rehabilitation für Muskelkraft und Gleichgewicht.

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