StĂŒrze, RKI-Studie

StĂŒrze im Alter: RKI-Studie zeigt 46,7 Prozent Betroffene ĂŒber 80

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine RKI-Erhebung zeigt hĂ€ufigere StĂŒrze bei Hochbetagten und benennt Medikamente, Depressionen sowie Sehprobleme als Risikofaktoren.
Ein heller, barrierefreier Flur in einer Pflegeeinrichtung mit stabilen HandlÀufen an der Wand. Illustration mit AI erstellt.

StĂŒrze im fortgeschrittenen Lebensalter zĂ€hlen zu den gravierendsten Gesundheitsrisiken fĂŒr Ă€ltere Menschen und ziehen hĂ€ufig den Verlust von SelbststĂ€ndigkeit nach sich. Wissenschaftliche Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin veranschaulichen das Ausmaß dieses Problems.

In der im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichten Untersuchung „Gesundheit 65+" untersuchte ein Forschungsteam um die Epidemiologin Giselle Sarganas die HĂ€ufigkeit von StĂŒrzen sowie maßgebliche Risikofaktoren bei Seniorinnen und Senioren.

Hohe Sturzquoten bei hochbetagten Menschen

Die Untersuchung basiert auf einer Erhebung mit einer Laufzeit von Juni 2021 bis April 2023. Insgesamt nahmen 3.694 Senioren teil, darunter mehr als 1.700 Personen im Alter von ĂŒber 80 Jahren.

Bereits die Auswertung der Basisbefragung verdeutlichte ein erhebliches Sturzgeschehen: 38,1 Prozent der ĂŒber 80-JĂ€hrigen gaben an, in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einen Sturz erlitten zu haben. Fast ein Viertel der Betroffenen, genau 24,2 Prozent, berichtete von zwei oder mehr StĂŒrzen im selben Zeitraum.

Im weiteren Verlauf intensivierte sich dieser Trend. Bei einer Nachbefragung ein Jahr spĂ€ter stiegen die Werte in dieser Altersgruppe nochmals deutlich an: 46,7 Prozent der Hochbetagten berichteten von mindestens einem Sturzereignis, wĂ€hrend 33,6 Prozent angaben, zwei- oder mehrmals gestĂŒrzt zu sein.

Anzeige

StĂŒrze, Schwindel oder Verwirrtheit können im Alter auch durch die tĂ€gliche Medikation ausgelöst werden. Der kostenlose PDF-Ratgeber zur Priscus-Liste informiert Sie ĂŒber riskante Wirkstoffe und zeigt sichere Alternativen auf, ĂŒber die Sie mit Ihrem Arzt sprechen können. Kostenlosen Medikamenten-Ratgeber hier anfordern

Einfluss von Vorerkrankungen und Medikamenten

Neben der reinen HĂ€ufigkeit widmete sich das RKI-Team den Faktoren, die das Sturzrisiko begĂŒnstigen. Einen maßgeblichen Stellenwert nahmen dabei sogenannte FRID-PrĂ€parate ein – Arzneimittel, die das Sturzrisiko erhöhen (Fall-Risk-Increasing-Drugs). Die Einnahme solcher Medikamente ging mit einem um 93 Prozent gesteigerten und damit fast doppelt so hohen Sturzrisiko einher.

Unter den FRID-Klassen erwiesen sich Diuretika mit einem Anteil von 37,9 Prozent als am weitesten verbreitet, gefolgt von Opioiden mit 11,9 Prozent. Alphablocker machten 9 Prozent aus, wĂ€hrend Antidepressiva auf 8,8 Prozent und Antiepileptika auf 8,1 Prozent kamen. GefĂ€ĂŸerweiternde Mittel wurden von 5,3 Prozent eingenommen.

DarĂŒber hinaus identifizierte die Datenerhebung weitere gesundheitliche BegleitumstĂ€nde mit starkem Einfluss:
* Adipositas steigerte das Risiko um das 2,29-Fache.
* Depressionen fĂŒhrten zu einem 2,17-fachen Risiko.
* Eine diagnostizierte Mehrfacherkrankung war mit einer Verdopplung des Sturzrisikos verbunden.
* SehbeeintrÀchtigungen erhöhten die Wahrscheinlichkeit um 85 Prozent.
* Bei Harninkontinenz zeigte sich ein Zuwachs um 79 Prozent.
* GedÀchtnisprobleme gingen mit einer Steigerung um 71 Prozent einher.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema SturzprĂ€vention befasst, sollte auch die Bedeutung der körperlichen StabilitĂ€t nicht unterschĂ€tzen. Dieser kostenlose Trainingsplan zeigt Ihnen 7 gezielte Übungen, mit denen Sie in wenigen Minuten tĂ€glich Ihre Muskelkraft und Sicherheit im Alltag stĂ€rken können. Kostenlosen Trainingsplan gegen Muskelabbau herunterladen

Ergebnisse der gemeinsamen Risikofaktoranalyse

Da chronische Beschwerden im Alter hĂ€ufig parallel auftreten, prĂŒfte das Forschungsteam die EinflĂŒsse zusĂ€tzlich in einer gemeinsamen statistischen Analyse. Bei dieser zusammenfassenden Betrachtung blieben mehrere Faktoren weiterhin statistisch signifikant: So war Harninkontinenz mit einem Risikoplus von 65 Prozent assoziiert, Depressionen mit 61 Prozent und SehbeeintrĂ€chtigungen mit einem Anstieg um 41 Prozent.

Die Einnahme sturzerhöhender Medikamente verzeichnete in dieser kombinierten Modellrechnung ein erhöhtes Risiko von 59 Prozent, lag damit jedoch knapp unter der Schwelle der statistischen Relevanz. Die Ergebnisse unterstreichen gleichwohl das komplexe Zusammenspiel aus körperlichen EinschrÀnkungen, chronischen Leiden und medikamentösen Behandlungen bei der Beurteilung von Sturzgefahren in der Altersmedizin.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70443425 |