SturzprÀvention, Niederlanden

SturzprĂ€vention: In den Niederlanden landet alle fĂŒnf Minuten ein Senior in der Notaufnahme

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 22:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gelderland, Reinach und weitere Kommunen fördern Bewegung mit Seniorengruppen, Trainingsangeboten und stÀdtischen Gesundheitskonzepten.

Kommunale Bewegungsangebote stÀrken SturzprÀvention und Seniorengesundheit
Ein leerer, asphaltierter Weg in einem herbstlichen Stadtpark mit BÀumen und ParkbÀnken am Morgen. Illustration mit AI erstellt.

Kommunale Programme verzeichnen eine anhaltend hohe Nachfrage, wobei körperliche BetĂ€tigung von den Beteiligten als zentrale Maßnahme zur Gesundheitsförderung und SturzprĂ€vention priorisiert wird. StĂ€dte und Gemeinden in verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern setzen verstĂ€rkt auf niedrigschwellige Initiativen, um der Bewegungsarmut im Alltag entgegenzuwirken und altersbedingten Risiken vorzubeugen.

Gezielte SturzprÀvention und Seniorensport im kommunalen Raum

Ein wesentlicher Schwerpunkt der lokalen Maßnahmen liegt auf Ă€lteren Zielgruppen, da MobilitĂ€tseinschrĂ€nkungen und StĂŒrze erhebliche gesundheitliche und finanzielle Folgen nach sich ziehen. In den Niederlanden startet die Provinz Gelderland gemeinsam mit dem Judo Bond Nederland und der Gelderse Sport Federatie das Programm ZekerBewegen.

Der Startschuss fiel am 1. Oktober im Rahmen der SturzprĂ€ventionswoche. Nach Angaben der Initiatoren wird in den Niederlanden alle fĂŒnf Minuten eine Person ĂŒber 65 Jahren nach einem Sturz in einer Notaufnahme behandelt.

Vor diesem Hintergrund vermittelt das Projekt unter dem Leitgedanken, dass jeder Sturz eine Lehre sei, grundlegende Bewegungsmuster zur Reduzierung von Sturzrisiken. Die Provinz verweist in diesem Kontext auch auf die Europameisterschaften im Judo, die vom 14. bis 18. April 2027 im Omnisport Apeldoorn ausgetragen werden sollen.

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Auch in der Schweiz rĂŒckt die PrĂ€vention in den Fokus der Verwaltung. In der Gemeinde Reinach im Kanton Basel-Landschaft trifft sich jeden Dienstagmorgen eine Rollator-Gruppe, zu der ohne vorherige Anmeldung gegen ein Dutzend Seniorinnen und Senioren zusammenkommen.

Die Routen verlaufen auf ebenen Straßen und sehen regelmĂ€ĂŸige Pausen vor. Initiiert wurde das Vorhaben von dem 81-jĂ€hrigen RenĂ© Fasnacht, dem frĂŒheren Leiter des baselstĂ€dtischen Amtes fĂŒr Alterspflege.

FĂŒr Reinach, die zweitgrĂ¶ĂŸte Gemeinde des Kantons, besitzen solche Maßnahmen eine fiskalische Relevanz: Die Kommune zahlt monatlich fast eine halbe Million Franken fĂŒr pflegebedĂŒrftige Seniorinnen und Senioren mit tiefer Einstufung in Alterszentren. Gemeinderat Peter Meier betonte hierzu, dass jeder investierte PrĂ€ventionsfranken einen hohen Mehrwert darstelle.

Der Kanton gehört demnach zu den Regionen mit dem höchsten Altersdurchschnitt in der Schweiz, ĂŒbertroffen nur von Tessin, GraubĂŒnden und Nidwalden. Seit Anfang 2026 vergibt der Ort zudem Altersgutschriften zur UnterstĂŒtzung des selbststĂ€ndigen Wohnens; eine weitere Laufgruppe ist geplant.

In Deutschland ergĂ€nzen lokale Aktionstage diese AnsĂ€tze. Der Landkreis Uelzen richtet zusammen mit dem Kreissportbund und dem DRK-Quartier Ilmenauwiesen am Samstag, den 10. Oktober 2026, einen kostenfreien Aktivtag fĂŒr BĂŒrger ab 65 Jahren aus.

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Vorgesehen sind Übungen zu Koordination, Gleichgewicht und Kraft sowie die Ausgabe von Sportgutscheinen im Wert von 50 Euro, die noch bis zum 31. Dezember 2026 eingelöst werden können. In Lintorf startet die AWO Angerland am 15. Oktober einen weiteren Kurs fĂŒr Senioren-Gymnastik, der ĂŒber zehn Einheiten fĂŒr 35 Euro BewegungsablĂ€ufe und Haltung schulen soll.

Bewegungsimpulse fĂŒr Verwaltungen und Stadtstrukturen

Die Verankerung von Bewegungsthemen betrifft zunehmend auch den kommunalen Arbeitsalltag. Beim 72. Gemeindetag in Salzburg organisierten der FLGÖ und der Fonds Gesundes Österreich einen Workshop unter dem Titel „Fit im Amt".

Die Sportwissenschaftlerin Petra Gajar stellte dort konkrete Übungen vor, darunter die sogenannte Goldene Zwölf mit einer Minute Dehnung vor Ratssitzungen sowie einfache Kniebeugen beim Aufstehen.

FLGÖ-Obmann Reinhard Haider berichtete von einem grĂ¶ĂŸeren Andrang als bei ĂŒblichen Fachtagungen und stellte fest, dass das theoretische Wissen ĂŒber Bewegung meist vorhanden sei, es jedoch primĂ€r an der praktischen Umsetzung fehle.

Österreichs Gemeindebund-PrĂ€sident Johannes Pressl verwies auf eigene Bewegungsgewohnheiten: Neben rund 80.000 Kilometern pro Jahr im Dienstwagen fahre er daheim etwa 4.500 Kilometer mit dem E-Bike.

Auf ĂŒbergeordneter Ebene zertifizieren internationale Netzwerke ganzheitliche Strategien. Rotterdam erhielt als erste niederlĂ€ndische Gemeinde das Zertifikat einer Global Active City und schloss sich damit Standorten wie Buenos Aires, Hamburg und Lausanne an. Die niederlĂ€ndische Stadt definiert vier Handlungsfelder: bewegungsfreundliche Stadtgestaltung, soziale Gesundheit, Spitzensport mit Außenwirkung sowie aktive Unternehmen.

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