SuperAger, Außergewöhnliches

SuperAger: Außergewöhnliches Gedächtnis beruht nicht auf Genen

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt: SuperAger haben kein vorteilhafteres Alzheimer-Risikoprofil. Außergewöhnliche Gedächtnisleistung im Alter basiert auf aktiven Schutzmechanismen.

SuperAger: Geistige Fitness trotz genetischer Risikofaktoren
Eine ältere Person mit wachem Ausdruck in einer modernen Bibliothek, die geistige Vitalität im Alter symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Phänomen der sogenannten SuperAger – Personen im Alter von über 80 Jahren, deren Gedächtnisleistung der von 20 bis 30 Jahre jüngeren Menschen entspricht – beruht offenbar nicht auf einem vorteilhafteren genetischen Risikoprofil in Bezug auf Alzheimer. Aktuelle Forschungsergebnisse der University of Chicago, die Ende Juli 2026 in der Fachzeitschrift Alzheimer's Research & Therapy (DOI 10.1186/s13195-026-02124-2) veröffentlicht wurden, zeigen, dass sich diese Gruppe genetisch kaum von kognitiv durchschnittlichen Gleichaltrigen unterscheidet. Die Ergebnisse legen nahe, dass außergewöhnliche geistige Fitness im hohen Alter eher das Resultat aktiver Schutz- und Resilienzmechanismen als das Fehlen von Risikofaktoren ist.

Genetische Vergleichsanalyse liefert keine signifikanten Unterschiede

In der zugrunde liegenden Studie untersuchten Wissenschaftler der University of Chicago 142 SuperAger und stellten ihnen eine Kontrollgruppe von 89 Personen derselben Altersklasse (80+) gegenüber. Ein zentraler Fokus lag dabei auf dem APOE-Gen, das als wesentlicher Indikator für das Alzheimer-Risiko gilt. Die Verteilung der Genvarianten zeigte jedoch keine markanten Abweichungen: Die Risiko-Variante APOE ?4 war bei 16 % der SuperAger und bei 19 % der Kontrollgruppe vorhanden. Die potenziell schützende Variante APOE ?2 wurde in beiden Gruppen bei jeweils 13 % der Probanden nachgewiesen.

Auch die Analyse von drei verschiedenen polygenen Risikoscores (PRS) ergab keine signifikanten Differenzen zwischen den Gruppen. Zudem konnten die Forscher keine Anreicherung seltener genetischer Schutzvarianten bei den SuperAgern feststellen. Die Daten belegen somit, dass SuperAging nicht als die inverse Form des genetischen Alzheimer-Risikos betrachtet werden kann.

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Fokusverschiebung auf aktive Schutz- und Resilienzmechanismen

Da das außergewöhnliche Gedächtnis der SuperAger nicht durch die Genetik erklärt werden kann, rücken biologische und verhaltensbezogene Faktoren sowie zelluläre Schutzmechanismen verstärkt in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtung. Die Forscher der University of Chicago stellten fest, dass SuperAger häufig über sehr aktive soziale Netzwerke verfügen und eine hohe Zufriedenheit in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen angeben.

Ein bemerkenswerter Aspekt der Untersuchung war, dass einige SuperAger trotz bekannten Risikoverhaltens, wie beispielsweise Rauchen, ihre überdurchschnittliche kognitive Leistungsfähigkeit beibehielten. Dies bestärkt die Annahme, dass spezifische Resilienzfaktoren den negativen Einfluss von Risikofaktoren kompensieren können. Neben kognitiven Herausforderungen und regelmäßiger Bewegung werden auch soziale Integration und psychologische Stabilität als entscheidende Komponenten für den Erhalt der Hirngesundheit identifiziert.

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Perspektiven für die zukünftige Forschung

Die Ergebnisse markieren eine Zäsur in der Altersforschung, da sie die Notwendigkeit unterstreichen, über die bloße Risikoanalyse hinaus nach den Ursachen für kognitive Widerstandsfähigkeit zu suchen. Zukünftige Studien der University of Chicago sollen verstärkt Biomarker, neurologische Bildgebungsverfahren sowie detaillierte Lebensstildaten integrieren.

Dabei planen die Wissenschaftler, insbesondere das Zusammenspiel von Schlafqualität, dem individuellen Immunprofil und bildgebenden Verfahren des Gehirns zu untersuchen. Ziel ist es, die komplexen biologischen Prozesse zu entschlüsseln, die es dem Gehirn ermöglichen, den natürlichen Alterungsprozess oder pathologische Veränderungen erfolgreich zu puffern. Die Forschung verschiebt sich damit weg von der reinen Krankheitsvermeidung hin zu einem tieferen Verständnis der aktiven kognitiven Erhaltung im hohen Alter.

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