Tabakerhitzer: Mainzer Studie weist GefĂ€ĂschĂ€den schon nach einer Nutzung nach
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deTabakerhitzer werden von Herstellern oft als weniger schÀdliche Alternative zur herkömmlichen Zigarette beworben. Eine am 27. Oktober 2026 im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlichte Untersuchung der UniversitÀtsmedizin Mainz stellt dieses Narrativ jedoch grundlegend infrage.
Die Forschungsarbeit unter der Leitung von Dr. Lea Strohm und Mitautor Prof. Thomas MĂŒnzel belegt, dass der Konsum erhitzten Tabaks bereits nach einer einzigen Anwendung messbare SchĂ€digungen am Herz-Kreislauf-System sowie auf zellulĂ€rer Ebene hervorruft.
Akute GefĂ€ĂschĂ€den und Belastungen der Blutzellen
FĂŒr die Mainzer Untersuchung wurden 30 gesunde erwachsene Raucher mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren herangezogen. Die Probanden konsumierten ĂŒber eine Zeitspanne von 8 bis 12 Minuten zwei Tabaksticks mittels eines Tabakerhitzers.
Die Messungen zeigten einen unmittelbaren Anstieg des systolischen Blutdrucks um etwa 3 mmHg. Gleichzeitig verringerte sich die GefĂ€Ăfunktion, gemessen an der DilatationsfĂ€higkeit, um 11%. Zudem sank die venöse SauerstoffsĂ€ttigung von etwa 71% auf 46%.
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Neben den hĂ€modynamischen Auswirkungen wiesen die Mainzer Forscher nach der Sitzung oxidativen Stress und DNA-SchĂ€den in Form von DNA-BrĂŒchen an Blutzellen nach. Die beobachteten BeeintrĂ€chtigungen treten somit direkt nach dem Konsum auf und entstehen nicht erst ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume.
Dr. Lea Strohm verwies darauf, dass die Produkte nicht biologisch inert seien; Nikotin schĂ€dige die GefĂ€Ăinnenwand und fördere Atherosklerose. Prof. Thomas MĂŒnzel unterstrich, dass kein nikotinhaltiges Produkt als sicher fĂŒr Herz und GefĂ€Ăe eingestuft werden könne.
Das Autorenteam rĂ€umte als EinschrĂ€nkung ein, dass bisher ausschlieĂlich unmittelbare Effekte analysiert wurden und Langzeitstudien erforderlich bleiben. Angesichts der Resultate fordern die Wissenschaftler strengere Vorgaben, darunter Werbeverbote, AromabeschrĂ€nkungen und Rauchverbote, wie sie fĂŒr herkömmliche Zigaretten gelten.
Analysen zu Schadstoffmengen in KonsumgĂŒtern
Parallel zu den physiologischen Befunden veröffentlichten das Tobacco Hazard Management Policy Committee des sĂŒdkoreanischen Gesundheitsministeriums und die dortige Behörde fĂŒr Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (MFDS) am 29. Oktober 2026 eine umfassende Laboruntersuchung. Analysiert wurden 465 Produkte von 20 Herstellern und Importeuren auf insgesamt 46 Substanzen, darunter 104 Tabakerhitzer, 105 Liquid-E-Zigaretten und 256 Zigaretten.
In sĂ€mtlichen 104 geprĂŒften Tabakerhitzern wurde das Gruppe-1-Karzinogen Formaldehyd mit Werten zwischen 5,4 und 12,1 ”g pro StĂ€bchen gemessen. Das tabakspezifische Nitrosamin NNN fand sich in 87 und NNK in 88 Produkten. Zudem wies ein Tabakerhitzer Benzo[a]pyren mit 3,6 ng pro StĂ€bchen auf.
Da Umweltfaktoren und Konsumgewohnheiten die Gesundheit der GefĂ€Ăe direkt beeinflussen können, ist eine regelmĂ€Ăige Kontrolle der Vitalstoff-Werte ratsam. Erfahren Sie in diesem Gratis-PDF, wie Sie 10 entscheidende Werte kennen und nutzen, um Ihre Fitness langfristig zu erhalten. Hier den Laborwerte-Ratgeber kostenlos sichern
Die gemessenen Nikotinwerte lagen zwischen 0,1 und 1,2 mg, wÀhrend der Teergehalt zwischen 10,3 und 32,0 mg betrug. Bei herkömmlichen Zigaretten wurden Formaldehyd, Benzol, 1,3-Butadien und Cadmium in allen Proben nachgewiesen, bei Nikotinwerten von 0,8 bis 2,6 mg und Teerwerten von 11,7 bis 40,4 mg pro StÀbchen.
In Liquid-E-Zigaretten trat Formaldehyd in 99 von 105 Produkten auf (3,0 bis 83,8 ”g pro Gramm Basisliquid), NNN in zwei und NNK in einem Produkt sowie Arsen in zwei Proben (27,3 bis 28,6 ng/g).
Die sĂŒdkoreanischen Behörden betonten, dass niedrigere Messwerte nicht automatisch eine geringere SchĂ€dlichkeit bedeuteten und Produkte systemisch schwer vergleichbar seien; ab 2027 sollen auch E-Zigaretten mit synthetischem Nikotin getestet werden.
Funktionsweise und juristische Auseinandersetzungen
Tabakerhitzer nutzen Heizklingen, Heizstifte oder Induktion, um Tabak elektronisch auf bis zu rund 350°C zu erwÀrmen. Da keine Verbrennung stattfindet, entstehen weder Flamme noch Asche, sondern ein nikotin- und aromastoffhaltiges Aerosol.
In der EuropĂ€ischen Union sind aromatisierte Varianten infolge einer Anpassung der Tabakproduktrichtlinie untersagt. In Deutschland greift fĂŒr die Sticks die Tabaksteuer in angeglichener Form zu Zigaretten, ergĂ€nzt durch Warnhinweise und Abgabeverbote an MinderjĂ€hrige.
Gleichzeitig wĂ€chst der juristische Druck auf die Hersteller. Nachdem die niederlĂ€ndische Reclame Code Commissie im August 2026 eine KI-Werbekampagne von Philip Morris wegen VerstöĂen gegen Werbeverbote gerĂŒgt hatte, kĂŒndigte die Stiftung Rookpreventie Jeugd unter LungenĂ€rztin Wanda de Kanter eine Anzeige wegen IrrefĂŒhrung an.
Mit UnterstĂŒtzung des Nederlands Kanker Instituut und Antoni van Leeuwenhoek soll das Verfahren Mitte November 2026 an die Staatsanwaltschaft ĂŒbergeben werden. Dem Konzern wird vorgehalten, Risiken zu verharmlosen und unabhĂ€ngige wissenschaftliche Belege auszublenden.
