Taiwan-Studie: Fitness-Test zeigt 61 Prozent geringeres Sterberisiko
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deKliniken, Mediziner und Wissenschaftler weisen verstärkt darauf hin, dass der Prozess des Alterns maßgeblich durch einfache Gewohnheiten im Alltag und gezielte Programme beeinflusst werden kann.
Konzepte, die eine medizinische Diagnostik mit Bewegung, Ernährung und Entspannung kombinieren, gewinnen dabei an Bedeutung. Forschungsergebnisse belegen, dass die genetische Veranlagung nur einen Bruchteil des Alterungsprozesses bestimmt, während der Lebensstil den weitaus größeren Hebel darstellt.
Lebensstil wiegt schwerer als genetische Voraussetzungen
In seinem Fachbuch verweist Friedrich Reuter darauf, dass lediglich 10 bis 20 Prozent des Alterns genetisch determiniert seien, während der überwiegende Teil von der individuellen Lebensführung abhängt.
Auch bei Informationsveranstaltungen wie der Reihe MOVE³LIFE wird betont, dass tägliche Faktoren wie Muskelkraft, vollwertige Ernährung, ausreichender Schlaf und Stressbewältigung entscheidend sind, um dem altersbedingten Muskelabbau entgegenzuwirken.
Gleichzeitig warnen Fachleute vor überzogenen Versprechungen des Marktes. Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, stellte klar, dass das Altern keine Krankheit sei.
Für Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine oder experimentelle Peptide, die als vermeintliche Verjüngungsmittel vertrieben werden, gebe es keinen belastbaren Nachweis einer lebensverlängernden Wirkung beim Menschen.
Wissenschaftlich fundiert seien dagegen eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf das Rauchen, geringer Alkoholkonsum, soziale Teilhabe, Impfungen sowie regelmäßige Bewegung in Form von Ausdauer-, Kraft- und Gleichgewichtsübungen.
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Auch die Krebsforscherin Hanna Heikenwälder unterstrich in öffentlichen Diskussionen, dass zwar Biomarker messbar seien, es aber keine Pillen gegen das Altern gebe und allein Bewegung sowie gesunde Ernährung den Organismus wirksam schützen.
Wissenschaftliche Belege für den Nutzen von Bewegung
Den Nutzen zielgerichteter körperlicher Aktivität untermauern mehrere klinische Erhebungen. Die LIFE-Studie, an der mehr als 1.600 körperlich eingeschränkte und zuvor wenig aktive Personen im Alter von 70 bis 89 Jahren teilnahmen, zeigte, dass strukturierte Programme die Selbstständigkeit erhalten können. Bei etwa jedem 19. Teilnehmenden gelang es dadurch, den Verlust der Gehfähigkeit abzuwenden.
Eine am Penn State College of Medicine durchgeführte randomisierte Untersuchung (FAST-2) mit 97 Erwachsenen im Durchschnittsalter von 74 Jahren untersuchte die Effekte eines zwölfwöchigen Miniprogramms. Die Teilnehmenden absolvierten täglich lediglich vier Minuten Training, bestehend aus vier Körpergewichtsübungen zu je 30 Sekunden mit entsprechenden Pausen.
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Nach zwölf Wochen schaffte die Trainingsgruppe beim 30-sekündigen Stuhlaufstehen 4,22 zusätzliche Wiederholungen, hielt den Einbeinstand um 3,57 Sekunden länger und absolvierte den Fünffach-Stuhl-Aufsteh-Test um 2,28 Sekunden schneller als die Kontrollgruppe. Zuvor hatten die Probanden im Schnitt nur 18 Minuten pro Woche trainiert.
Zudem verdeutlichte eine taiwanesische Beobachtungsstudie unter der Leitung von Min-Chen Wu mit 13.423 Menschen ab 65 Jahren den Zusammenhang zwischen Fitness und Langlebigkeit: Das leistungsstärkste Fünftel bei einem umfassenden Fitnesstest wies über einen Nachbeobachtungszeitraum von median sieben Jahren ein um 61 Prozent geringeres relatives Sterberisiko auf als die schwächste Vergleichsgruppe.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Menschen ab 65 Jahren wöchentlich 150 bis 300 Minuten Bewegung von moderater Intensität, ergänzt durch kräftigende Einheiten an mindestens zwei und Gleichgewichtsübungen an mindestens drei Tagen.
Medizinisch begleitete Aufenthalte und lokale Angebote
Auf die Verbindung von Diagnostik und Lebensstil setzen auch spezialisierte Einrichtungen. Die Therme Bad Aibling bietet beispielsweise ein fünftägiges Programm mit Moormassagen, Krafttraining und Einheiten in Qigong oder Yoga an, ergänzt durch ein zwölftägiges Angebot, das eine ärztliche Untersuchung inklusive Pheno-Age-Bestimmung sowie eine sechsmonatige Nachbetreuung umfasst.
Die spanische Klinik Palasiet, die seit 1966 Thalassotherapie praktiziert, setzt auf siebentägige Aufenthalte ab 3.355 Euro pro Person oder zehntägige Kuren. Diese beinhalten Bluttests sowie Untersuchungen zu Herz-Kreislauf, Hormonen und Stoffwechsel, begleitet von Meerwasserbädern bei 35 Grad Celsius, Entspannung und mediterraner Ernährung. Im österreichischen Umhausen bündelt das Hotel Vivea im Herbst spezifische Arthrose-Wochen mit 13 Anwendungen, darunter Radon- und Kältetherapien.
Ergänzend zu stationären Programmen fördern Institutionen den Erhalt der Vitalität im Alltag. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) bezuschusst für Versicherte bis zu zwei zertifizierte Präventionskurse pro Jahr zu mindestens 80 Prozent der Kosten in Feldern wie Ernährung und Bewegung.
Lokale Sportvereine, darunter der Samurai Graben-Neudorf e. V. mit Reha- und Sitzgymnastik, sowie Volkshochschulen leisten mit Vorträgen und Bewegungskursen wie Life Kinetik ebenfalls Beiträge zur Prävention im Alter.
