Tau Robotics: Humanoide reinigen Wohnungen für 30 US-Dollar pro Stunde
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Robotik-Start-up Tau Robotics setzt teleoperierte humanoide Roboter für Reinigungsarbeiten in privaten Haushalten und Büros in San Francisco ein. Der Service wird für 30 US-Dollar pro Stunde je Roboter angeboten, während der Einsatz von zwei Einheiten 60 US-Dollar pro Stunde kostet.
Hinter dem kommerziellen Dienst steht vor allem das Ziel, reale Handlungsdaten für das Training von künstlicher Intelligenz im Bereich der physischen Robotik zu gewinnen.
Datenerfassung im Wohnraum über Teleoperation
Für den Service nutzt Tau Robotics eine Flotte von acht modifizierten humanoiden Robotern des Typs Unitree G1, deren Basispreis vor Anpassungen bei rund 55.000 US-Dollar liegt. Die Maschinen agieren dabei nicht vollautonom.
Stattdessen werden sie von externen Teleoperatoren über Kameras gesteuert, die am Kopf und an den Handgelenken der humanoiden Systeme angebracht sind. Bislang verzeichnete das Unternehmen rund 160 bezahlte Roboterstunden bei knapp 100 Reinigungseinsätzen.
Am 11. Oktober 2026 fand unter anderem ein dokumentierter testlauf in einer Privatwohnung statt. Beim Einsatz in der Wohnung der MarketWatch-Reporterin Christine Ji wurden sämtliche Bewegungen live an Teleoperatoren im Hauptquartier des Unternehmens übertragen.
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Der Reinigungsvorgang ist technisch zwingend an diesen Videozugriff gebunden. Die Geschwindigkeit der Ausführung verdeutlicht den frühen Entwicklungsstand: Das Falten eines Handtuchs nahm rund 4 Minuten in Anspruch, während das Zusammenlegen einer Jeans gut 1 Minute dauerte.
Der Einsatz in realen Wohnräumen soll eine bestehende Lücke schließen, da bislang kaum strukturierte Datensätze für komplexe physische Haushaltsaufgaben existieren. Aus Datenschutzsicht können Kunden im Anschluss an die Reinigung eine Löschung der Daten verlangen.
Erfolgt dies nicht, verbleiben die unverpixelten Aufnahmen zur dauerhaften Modellschulung im System. Räume wie Schlafzimmer und Bäder lassen sich vorab standardmäßig vom Einsatz ausschließen. Das Unternehmen plant bereits weitere Einsätze sowie eine Ausweitung des Dienstes über San Francisco hinaus.
Zunehmender Wettbewerb bei Service-Humanoiden
Der Ansatz, humanoide Systeme im Heimbereich zu etablieren, gewinnt international an Dynamik. 1X Technologies führte 2026 seinen humanoiden Roboter NEO für rund 20.000 US-Dollar ein. Das 66 Pfund schwere System kann Lasten von 55 Pfund tragen und hebt laut Unternehmensführung Gegenstände bis zu 150 Pfund. Der Hersteller beschreibt das Modell als lernfähig und in Teilbereichen wie dem Aufräumen oder Geschirrspülerausräumen als autonom.
Parallel dazu treiben chinesische Anbieter ihre Systeme voran: Astribot vertreibt das Modell T1 ab 18.000 US-Dollar auf dem US-Markt, plant jedoch für komplexere Haushaltsaufgaben den Nachfolger Lumo-2. AiMOGA Robotics, ein Tochterunternehmen der Chery Group, öffnet im Rahmen des Chery International User Summit vom 19. bis 23. Oktober 2026 in Wuhu die weltweiten Vorbestellungen für den Haushaltsbegleiter Mobo.
Das Unternehmen verwies im Vorfeld auf über 3.000 ausgelieferte Einheiten in mehr als 60 Ländern. Plim Robotics erprobt wiederum seinen 80 Kilogramm schweren Roboter mit Fernsteuerungsfunktion bereits seit 2024 im direkten Kontakt mit Angehörigen und Pflegekräften.
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Hoher Bedarf an Trainingsdaten treibt Dienstleister
Um Roboter für Haushaltstätigkeiten zu schulen, greift die Branche auch auf andere Methoden der Datengewinnung zurück. Dienstleister wie Objectways engagieren weltweit Personen, um Haushaltsarbeiten aufzuzeichnen.
In Ländern wie Indien, den Philippinen und Nigeria filmen Hilfskräfte routinemäßige Aufgaben in den eigenen vier Wänden. Eine Beteiligte im indischen Karur verdient beispielsweise rund 120 US-Dollar im Monat, indem sie täglich zwei bis drei Stunden Hausarbeit aufnimmt.
Zugleich etablieren sich neue Geschäftsmodelle für Service-Roboter: Das Start-up Motion sicherte sich unlängst eine Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 2 Millionen US-Dollar, um seine hardwareunabhängige Plattform in Belgien und weiteren europäischen Märkten auszubauen.
