TCM-Boom: China plant Ausbau bis 2030 für 190 Millionen Touristen
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 11:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die chinesische Regierung investiert massiv in die Modernisierung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ein neuer Entwicklungsplan bis 2030 soll die Infrastruktur ausbauen und ausländische Patienten anlocken.
Modernisierungskurs im Fünfjahresplan
Der Staatsrat hat im Juli 2026 einen nationalen Entwicklungsplan für die TCM verabschiedet. Das Dokument deckt den Zeitraum 2026 bis 2030 ab und wurde unter anderem von der Nationalen TCM-Administration und der Reformkommission NDRC herausgegeben. Ziel ist ein Dienstleistungssystem, das die gesamte Lebensspanne der Patienten abdeckt.
Ein Kernpunkt: medizinische Durchbrüche bei schweren Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen, Krebs sowie Nieren- und Infektionskrankheiten. Gleichzeitig soll die internationale Ausstrahlung der TCM wachsen – durch kulturellen Austausch und den Aufbau überseeischer Zentren.
Yang Kexin vom Wangjing Hospital betonte die Bedeutung von Innovation und wissenschaftlicher Forschung. Nur so werde die TCM global anschlussfähig.
Markt auf Wachstumskurs
Die Branche boomt bereits. 2025 verzeichneten TCM-Einrichtungen rund 1,82 Milliarden Patientenbesuche. Die Bettenkapazität in öffentlichen TCM-Krankenhäusern lag bei 0,82 Betten pro 1.000 Einwohner. Rund 96 Prozent der sekundären und tertiären öffentlichen Krankenhäuser verfügten über spezialisierte TCM-Abteilungen.
Auch der Tourismus profitiert. 2025 kamen über 150 Millionen internationale Besucher nach China – 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihre Gesamtausgaben lagen bei über 130 Milliarden US-Dollar. Für 2030 prognostizieren Experten 190 Millionen Gäste und Ausgaben von mehr als 150 Milliarden US-Dollar.
Preisvorteil als Trumpf
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Ein entscheidender Faktor für den Medizintourismus: die Kosten. Schätzungen zufolge liegen medizinische Behandlungen in China bis zu zehnmal niedriger als in westlichen Industrienationen. Eine Gallenblasenoperation in Shenzhen kostete weniger als 2.000 US-Dollar – in den USA sind es rund 10.000 US-Dollar.
Im März 2026 führte China Maßnahmen ein, um Hürden für internationale Patienten abzubauen. Dazu gehören verbesserte Visaverfahren, mehrsprachige Apps und optimierte Steuerrückerstattungen. Traditionsreiche Kliniken wie die 1650 gegründete Fang Hui Chun Tang in Hangzhou bieten inzwischen englische Beschilderungen und globale Zahlungsoptionen.
High-Tech trifft auf Jahrtausende altes Wissen
Die Modernisierung zeigt sich auch bei Traditionsmarken wie Tong Ren Tang in Peking. Das Unternehmen kombiniert klassische Diagnoseverfahren mit Virtual-Reality-Displays und KI-gestützten Gesundheitskabinen. Neben Akupunktur, Moxibustion und Tuina-Massagen gewinnen Lifestyle-Produkte wie Kräutergetränke und TCM-Kosmetik an Bedeutung – besonders bei jungen Touristen.
Am Peking Union Medical College Hospital (PUMCH) treiben Ärzte die Integration von TCM und westlicher Medizin voran. Wu Qunli, Direktor der TCM-Abteilung, erklärte Mitte Juli 2026, dass kombinierte Diagnoseverfahren bei chronischen Leiden, Schlafstörungen und in der Krebstherapie Vorteile böten.
Europa zieht nach
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Während China seine Position als Ursprungsland der TCM festigt, wächst auch in Europa das Interesse. Portugal ist bisher das einzige EU-Land, das die TCM per Gesetz als eigenständigen Gesundheitsberuf anerkennt. Rund 6.000 Therapeuten praktizieren dort in über 200 Kliniken.
Doch der Wettbewerb in Asien ist hart. Südkorea lockte 2025 über zwei Millionen internationale Medizintouristen an. Der globale Markt für Medizintourismus wurde 2024 auf über 100 Milliarden US-Dollar geschätzt – bei jährlichen Wachstumsraten zwischen 15 und 25 Prozent.
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