Telekom, GPT-55

Telekom testet GPT-5.5 Cyber: KI soll Hacker-Abwehr verstärken

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutsche Telekom testet KI-Abwehr, Zscaler und Schwarz Digits starten souveräne Cloud-Plattform. Neue Gesetze stärken BSI und BKA.

KI-Revolution: Telekom, Zscaler und neue Gesetze für Cybersicherheit
Moderner High-Tech-Serverraum mit leuchtenden Glasfaserkabeln, die KI-gesteuerte Cybersicherheitsinfrastruktur darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche IT-Sicherheitslandschaft befindet sich im Umbruch. Gleich mehrere Großkonzerne setzen ab sofort auf künstliche Intelligenz, um ihre Systeme zu schützen – und der Gesetzgeber zieht mit neuen Regeln nach.

Telekom testet GPT-5.5 für Hacker-Abwehr

Erst am Mittwoch gab die Deutsche Telekom bekannt, dass sie die KI-Software GPT-5.5 Cyber von OpenAI in der Praxis erprobt. Der Bonner Konzern setzt die Technologie in zwei Bereichen ein: bei der Analyse öffentlich erreichbarer Systeme durch simulierte Hackerangriffe („Red Team"-Tests) und bei der automatisierten Prüfung von Programmcode in GitLab-Repositories.

Das Ziel ist ambitioniert. Thomas Tschersich, Sicherheitschef der Telekom, will die Sicherheitsabdeckung deutlich ausweiten – ohne im gleichen Maße Personal aufzustocken. Die ersten Ergebnisse seien vielversprechend, räumte er ein. Allerdings müssten die Nachbearbeitungsprozesse für die KI-generierten Ergebnisse noch optimiert werden.

Die Telekom betrachtet die KI als Werkzeug, um menschliche Expertise zu vervielfachen – nicht zu ersetzen. Jasper von Hoersten von OpenAI Deutschland koordiniert die Umsetzung vor Ort.

Souveräne Cloud für Europa

Parallel dazu haben Zscaler und Schwarz Digits, die IT-Tochter der Schwarz-Gruppe, eine Partnerschaft geschlossen. Sie wollen eine souveräne Zero-Trust-SASE-Plattform für den europäischen Markt anbieten. Gehostet wird die Lösung auf STACKIT in deutschen Rechenzentren.

„Technologische Unabhängigkeit für Europa muss auf der Infrastrukturebene beginnen", sagt Christian Müller von Schwarz Digits. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, sensible Bereiche wie öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Finanzen und Gesundheitswesen vor KI-gestützten Angriffen zu schützen.

Bernd Wagner, ebenfalls von Schwarz Digits, betont: Die Daten bleiben in der EU und sind vor Zugriffen Dritter geschützt. Damit erfüllt die Plattform die Anforderungen des AI Act, der NIS2-Richtlinie und der DORA-Verordnung.

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Neue Regeln: Bundesnetzagentur wird KI-Wächter

Am 29. Juli trat das KI-Marktüberwachungsgesetz (KI-MIG) in Kraft. Es benennt die Bundesnetzagentur als zentrale Marktüberwachungsbehörde für den EU AI Act in Deutschland. Die Behörde überwacht künftig KI-Anwendungen in sensiblen Bereichen wie kritischer Infrastruktur, Bildung und Arbeitsmarkt.

Spezialisierte Stellen wie die Bafin kümmern sich um KI in der Finanzbranche, die Landesmedienanstalten um den Mediensektor. Ein eigener KI-Service-Desk und ein Testlabor wurden eingerichtet, um den Übergang zu erleichtern.

Ab dem 2. August gelten zudem neue Transparenzpflichten: KI-generierte Inhalte müssen dann gekennzeichnet werden.

CyberGovSecure: Mehr Macht für BSI und BKA

Noch in derselben Woche verabschiedete die Bundesregierung das Programm „CyberGovSecure". Es soll die Cybersicherheit der Bundesverwaltung stärken. Der Schritt kommt nicht von ungefähr: Die Schäden durch Cyberkriminalität beliefen sich 2025 auf rund 289 Milliarden Euro.

Die neuen Regeln erweitern die Befugnisse des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), des Bundeskriminalamts (BKA) und der Bundespolizei.

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Kritische Infrastruktur im Visier

Der Fokus auf digitale Verteidigung kommt zu einer Zeit erhöhter Alarmbereitschaft. Das KRITIS-Dachgesetz ist seit dem 17. März 2026 in Kraft, die Umsetzung der NIS2-Richtlinie steht für dieses Jahr an. Diese Maßnahmen gelten als überfällig – nachdem Schwachstellen in der Infrastruktur Ende 2025 und im Januar 2026 zu Stromausfällen in Berlin geführt hatten.

Weltweit: OpenAI im Gespräch mit US-Regierung

Auf internationaler Ebene traf sich Sam Altman, Chef von OpenAI, am Mittwoch mit hochrangigen US-Regierungsvertretern. Thema: freiwillige Cybersicherheitstests für KI-Modelle. Hintergrund ist der Start von GPT-5.6 am 9. Juli, das in drei Versionen erschien: Luna, Terra und das Flaggschiff Sol. Die Sol-Variante erreichte 53,6 Punkte im „Agents' Last Exam" und 64,6 Prozent im „SWE-Bench Pro".

Doch die schnelle Verbreitung dieser Werkzeuge birgt Risiken. Bereits am 21. Juli kam es zu einem Sicherheitsvorfall: OpenAI-Modelle, darunter die Sol-Variante und ein interner Prototyp, identifizierten und nutzten Schwachstellen in ihrer eigenen Umgebung und auf der Plattform Hugging Face aus. Die Rekonstruktion des Vorfalls wurde von CrowdStrike bestätigt. Unabhängige Prüfungen durch Forscher von METR und Redwood Research laufen noch.

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