Telemedizin: Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein vernetzen Kliniken
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deZur Sicherung der ambulanten und stationĂ€ren Patientenversorgung setzen Landkreise in Deutschland vermehrt auf neue Steuerungsgruppen und regionale Gesundheitsnetzwerke. Ziel der Initiativen ist es, Akteure aus Medizin, Verwaltung und Pflege eng miteinander zu verknĂŒpfen, um die medizinische Grundversorgung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen flĂ€chendeckend aufrechtzuerhalten.
Die Notwendigkeit ĂŒbergreifender Strukturen betonte Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KassenĂ€rztlichen Vereinigung Nordrhein, auf der Herbsttagung der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung in Berlin. Er forderte Kooperationsstrukturen von der kommunalen Ebene bis zur Bundesebene und verwies dabei auf die Erwartungen an das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz.
Der stellvertretende KBV-Vorsitzende Stephan Hofmeister wies auf Daten des Zentralinstituts fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung hin, wonach die Mehrheit der Praxen nicht ausreichend auf Krisen vorbereitet sei.
Zudem mahnte Almut Nolte vom SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr an, dass die regulĂ€re Versorgung krisenfest aufgestellt sein mĂŒsse, da im Ernstfall hohe Patientenzahlen ĂŒber lange ZeitrĂ€ume bei gestörter Infrastruktur drohten.
Kommunale AnsÀtze und neue Versorgungsmodelle
Empfehlungen fĂŒr vernetzte Lösungen kommen auch vom Deutschen Verein fĂŒr öffentliche und private FĂŒrsorge e.V. Die Organisation spricht sich fĂŒr integrative SozialrĂ€ume aus, in denen bereichsĂŒbergreifende Gesamtstrategien, generationenĂŒbergreifende Begegnungsorte sowie gestĂ€rkte Planungs- und Steuerungsprozesse etabliert werden sollen.
In den Regionen existieren bereits praktische Förder- und Kooperationsmodelle: Der Landkreis OsnabrĂŒck unterstĂŒtzt die örtliche Struktur ĂŒber ein seit 2016 bestehendes Förderprogramm. Seit dessen EinfĂŒhrung wurden rund 1,8 Mio. Euro Fördermittel ausgezahlt, womit 48 Niederlassungen von Ărztinnen und Ărzten sowie eine zweite Apothekenförderung realisiert werden konnten.
Neue Wege in der PrimÀrversorgung erproben die Krankenkassen AOK Rheinland/Hamburg und AOK Nordost mit dem Projekt NAVIGATION in Berlin und Hamburg. Auf einem Fachtag an der Berliner Charité mit rund 200 Teilnehmenden forderten die Kassen, PrimÀrversorgungszentren als regulÀre Versorgungsform gesetzlich zu verankern.
Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben eine AbsichtserklĂ€rung fĂŒr ein gemeinsames Telemedizinnetzwerk unterzeichnet â zunĂ€chst fĂŒr KrankenhĂ€user, perspektivisch auch fĂŒr Rettungsdienste und den ambulanten Sektor. Wer als Klinik-IT oder Gesundheitsmanager die eigene Anbindung vorbereiten will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die entscheidenden Schritte zu Schnittstellen, Rollen und Finanzierung. Leitfaden Telemedizin-Netzwerkaufbau jetzt anfordern
Gefordert wurden unter anderem feste VergĂŒtungen fĂŒr Praxisteams statt Einzelleistungsabrechnungen, Budgets fĂŒr Koordination und PrĂ€vention sowie eine stĂ€rkere Strukturfinanzierung fĂŒr benachteiligte Regionen.
Digitale Vernetzung und Klinikreformen
ErgĂ€nzend zu regionalen Steuerungsgruppen soll die digitale Vernetzung Versorgungsdefizite ausgleichen. Auf einer Tagung in Schwerin betonte GesundheitsstaatssekretĂ€rin Sylvia Grimm, dass digitale Lösungen insbesondere in dĂŒnn besiedelten FlĂ€chenlĂ€ndern mit Ă€lterer Bevölkerung und FachkrĂ€ftemangel Expertise verfĂŒgbar machen mĂŒssten.
Am 15. September 2026 unterzeichneten Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein eine AbsichtserklĂ€rung fĂŒr ein gemeinsames Telemedizinnetzwerk, das zunĂ€chst KrankenhĂ€user und kĂŒnftig auch Rettungsdienste sowie den ambulanten Sektor einbinden soll.
Auf Bundesebene beriet der Bundestag am 8. Oktober 2026 in erster Lesung das Gesetz fĂŒr Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). WĂ€hrend Regierungsvertreter digitale BedarfsprĂŒfungen und den Ausbau der elektronischen Patientenakte anfĂŒhrten, Ă€uĂerten ĂrzteverbĂ€nde wie die BundesĂ€rztekammer und die KBV Bedenken hinsichtlich einer Ausweitung kassenĂ€rztlicher Datenauswertungen.
Die Mehrheit der Praxen ist laut Erhebungen des Zentralinstituts fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung nicht ausreichend auf Krisen vorbereitet â und der Bundeswehr-SanitĂ€tsdienst warnt, dass die Regelversorgung selbst krisenfest aufgestellt sein muss. Diese Checkliste zeigt Ihnen, wo Ihre Praxis oder Klinik heute LĂŒcken hat und welche Vorkehrungen sich sofort nachholen lassen. Checkliste Krisenvorsorge jetzt sichern
Parallel dazu treiben die BundeslÀnder ihre Krankenhausplanungen voran. Am 9. Oktober 2026 stellte der saarlÀndische Gesundheitsminister Magnus Jung einen Plan vor, der den Kliniken im Rahmen der 2024 beschlossenen Bundesreform spezifische Leistungsgruppen zuweist und zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll.
Auch in Sachsen-Anhalt wird die Zuweisung der Leistungsgruppen zum 1. Januar 2027 wirksam. Nach Angaben des dortigen Ministeriums erhielten 625 von 769 AntrĂ€gen sachsen-anhaltischer Kliniken Zustimmung, wĂ€hrend 144 AntrĂ€ge vom Medizinischen Dienst als nicht erfĂŒllt eingestuft wurden.

