Telemonitoring, Bluthochdruck

Telemonitoring bei Bluthochdruck: Review mit 559.792 Teilnehmern zeigt Wirkung

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Russland, Südkorea und Deutschland entwickeln neue Versorgungsmodelle; Studien zeigen Blutdrucksenkungen durch Telemonitoring.
Ein minimalistisch eingerichteter, heller Behandlungsraum in einer modernen Hausarztpraxis ohne sichtbare Medizintechnik. Illustration mit AI erstellt.

Gesundheitsbehörden und Versorgungsträger in verschiedenen Ländern etablieren zunehmend neue Modelle für die strukturierte und digitale hausärztliche Betreuung von Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck. Der Fokus liegt dabei auf der Entlastung von Praxen, einer engeren Verzahnung von Primärversorgung und Fachdisziplinen sowie dem Einsatz moderner Fernüberwachungstechnologien.

Gesetzliche Weichenstellungen in Russland, Südkorea und Deutschland

In mehreren Staaten zeichnen sich verbindliche Reformen ab, um die kontinuierliche Patientenbegleitung im primärärztlichen Bereich zu verankern. In Russland sieht ein Verordnungsentwurf des Gesundheitsministeriums zur Änderung der Versorgung Erwachsener im Profil Therapie vor, Polikliniken ab dem 1. Januar 2027 mit Medizinprodukten zur Fernübertragung von Daten auszustatten.

Ziel ist das Fernmonitoring bei arterieller Hypertonie und Diabetes. Die Bereitstellung soll als Kann-Vorschrift anhand der Patientenzahlen bemessen werden. Zudem dürfen Haus- und Familienärzte Patienten nach einer Facharztkonsultation künftig auch aus der Distanz betreuen, nachdem entsprechende Mechanismen bereits 2023 und 2024 erprobt wurden.

In Südkorea plant die Gesundheitsbehörde KDCA, 19 bestehende Zentren für Hypertonie- und Diabetes-Registrierung im Übergangsjahr 2027 weiterzuführen und ab 2028 zu integrierten Chroniker-Management-Zentren umzubauen.

Über Ausschreibungen in der ersten Jahreshälfte 2027 sollen ab Juli 2027 weitere Regionen hinzukommen. Das Programm wird von der bisherigen Zielgruppe ab 30 Jahren auf alle Altersstufen ausgeweitet und um das Krankheitsbild der Dyslipidämie ergänzt.

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In Deutschland soll ab Januar 2028 die Hausarztpraxis als verpflichtende erste Anlaufstelle dienen, von der aus Überweisungen zu Fachärzten erfolgen. Das Konzept wird unter anderem in Rheinland-Pfalz im Modellprojekt HÄPPI getestet, das Impfungen, Routine-Hausbesuche durch qualifiziertes Personal sowie digitale Hilfsmittel wie elektronische Rezepte, Krankschreibungen und KI-gestützte Telefonsysteme kombiniert.

Die rheinland-pfälzische Hausärzteverbandsvorsitzende Barbara Römer stellte dazu in Aussicht, dass Hausarztpraxen durch dieses Steuerungsmodell rechnerisch mit zwei bis fünf zusätzlichen Patienten am Tag rechnen dürften.

Telemedizinische Programme und Vernetzung in der Praxis

Flankierend dazu laufen regionale Projekte zur telemedizinischen Begleitung an. In Österreich betreut das Programm HerzMobil NÖ nach einem früheren Start in der Thermenregion seit August 2026 auch Patienten im Weinviertel.

Das Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf versorgt in der Startphase 2026 fünf bis zehn Patienten, peilt für 2027 zwanzig Teilnehmende an und sieht langfristig bis zu 2.000 Patienten jährlich für ganz Niederösterreich vor. Die Teilnehmenden erfassen Blutdruck und Gewicht über bereitgestellte Geräte, die Daten automatisch übermitteln.

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In der Schweiz führten das Ärztenetz Thurgau und der Hausärzteverein St. Gallen die Patienten-App Meine Praxis von eastcare ein, über die Versicherte im Hausarztmodell Laborwerte und Medikationsdaten aus dem Praxissystem einsehen können.

Die Anbindung an das Spital Thurgau ermöglicht zudem den Datenaustausch in Echtzeit. In der chinesischen Provinz Yunnan verknüpfen Behörden die Chroniker-Erstattung und hausärztliche Verträge über zentrale Plattformen und Schnittstellen für Ärzte und Bürger.

Wissenschaftliche Bewertung der Fernbetreuung

Dass digitale Modelle messbare Effekte erzielen können, stützen verschiedene Untersuchungen. Ein in BMC Medicine veröffentlichter Umbrella-Review über 232 Publikationen und 559.792 Teilnehmer belegt mit hoher Evidenzsicherheit, dass Telemonitoring den systolischen Blutdruck bei Hypertonie gegenüber Kontrollgruppen senkte, zeigte aber bei Herzschrittmacher-Patienten keine signifikanten Unterschiede bezüglich Hospitalisierung oder Gesamtmortalität.

Für die Lebensstilintervention 3SLIFE ergab sich nach 24 Monaten eine Verringerung des Hypertonie-Risikos und des diastolischen Blutdrucks. Parallel entwickeln internationale Verbünde wie das IMPACT-MED-Konsortium Rahmenwerke für das koordinierte Monitoring kardiometabolischer Erkrankungen, während Softwarehersteller wie EMPERRA Studien zur Blutzuckersenkung bei insulinbehandeltem Diabetes vorlegen.

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