Temperaturschock: 20 Grad unter Bäumen, 60 Grad auf Pflaster
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 15:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Sommer werden heißer – und Städte reagieren: Mit neuen Förderungen, digitalen Karten und mehr Grün. Ein Überblick.
Tirol fördert Sonnenschutz an Gebäuden
Das Land Tirol hat Ende Juli 2026 seine Wohnbauförderung erweitert. Gefördert wird jetzt gezielt außenliegender, elektrisch betriebener Sonnenschutz wie Raffstores und Rollläden. Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth betont den Vorrang passiver Maßnahmen: Sie senken den Energieverbrauch für aktive Kühlsysteme. Die Förderung gilt für Neubauten und Sanierungen.
Wien: Hitzeschutz trifft Denkmalschutz
Ein Balanceakt: In Wien müssen Sonnenschutz und historische Fassaden harmonieren. Die Stadt veröffentlichte im Juli 2026 einen Leitfaden für außenliegenden Sonnenschutz an Gründerzeithäusern. Rollläden, Markisen oder Außenjalousien müssen präzise auf Architektur, Farbe und Material abgestimmt sein. In Schutzzonen ist eine Bauanzeige bei der Baupolizei nötig.
Experten raten zur Kombination mit Dämmung und Nachtlüftung. Ein Vorzeigeprojekt: die Sanierung von fünf Häusern der Werkbundsiedlung in Hietzing. Dort kühlt Erdwärme die Räume im Sommer.
Kühle Wege sind wichtiger als kühle Orte
Die BTU Cottbus-Senftenberg zeigt in ihrem Projekt „Hitze in der Stadt“: Kühle Wegeverbindungen zu Nahverkehr oder Supermärkten sind für die Bevölkerung relevanter als einzelne kühle Rückzugsorte. Diese Erkenntnisse fließen in Empfehlungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ein.
Düsseldorf und Linz machen den Straßenraum fit
In Düsseldorf wurden an der Remscheider Straße Baumscheiben vergrößert und Flächen teilentsiegelt. Im August 2026 folgen Arbeiten am Kolpingplatz mit speziellem Baumsubstrat und neuen Regenwasserleitungen.
Die Temperaturen in Städten steigen – unter Bäumen bleiben Oberflächen bei 20 Grad, während Pflasterflächen auf bis zu 60 Grad aufheizen. Mit den richtigen Maßnahmen können Sie Ihr Zuhause und Ihre Wege deutlich kühler gestalten. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie. Jetzt Hitzeschutz-Leitfaden anfordern
Linz setzt auf eine schwedische Pflanzmethode: Mykorrhiza-Pilze und spezielle Mulchschichten helfen Pflanzen, mit weniger Wasser auszukommen. Stadträtin Eva Schobesberger nennt das Projekt „Linz blüht auf“ essenziell für eine klimafitte Stadt.
20 Grad unter Bäumen – 60 Grad auf Pflaster
Die Wirkung von Vegetation ist messbar. Mitte Juli 2026 erstellte ein Landschaftsarchitekt in Überlingen Wärmebilder aus der Luft. Das Ergebnis: Unter alten Bäumen zeigten Oberflächen etwa 20 Grad Celsius. Unbeschattete Pflasterflächen heizten sich auf bis zu 60 Grad auf.
Heidelberg und Augsburg setzen auf digitale Helfer
Heidelberg hat eine Task-Force Hitzeschutz unter Oberbürgermeister Eckart Würzner gegründet. Zum Sofortprogramm gehören mobile Klimageräte für Kitas und Wasser-Tankstellen. Eine „Kühle Karte“ zeigt Bürgern schattige Orte.
Augsburg veröffentlichte im Juli 2026 eine interaktive Karte mit Parks, Kirchen, Trinkwasserbrunnen und kühlen Gebäuden. Gesundheitsreferent Martin Schenkelberg weist auf die besonderen Gefahren für Risikogruppen hin.
Politik und Forschung fordern mehr Tempo
Der Klimaforscher Marc Olefs von GeoSphere Austria lobt bestehende Klimafahrpläne. Doch er kritisiert die fehlende Dekarbonisierungspflicht für den Gebäudebestand. Als Vorbild nennt er Frankreich mit Registern für gefährdete Personen. Eine ökosoziale Steuerreform hält er für zentral.
Wer in der Stadt wohnt, kennt das Problem: aufgeheizte Straßen und fehlende kühle Rückzugsorte. Dabei gibt es einfache Lösungen – von außenliegendem Sonnenschutz bis zur Begrünung von Balkon und Terrasse. Holen Sie sich die praktische Checkliste für Ihren persönlichen Hitzeschutz. Checkliste für kühle Stadtwohnungen sichern
Der Vorsitzende der Linken, Luigi Pantisano, forderte Ende Juli 2026 einen 5-Punkte-Hitzeschutzplan. Dazu gehören ein Hitze-Kurzarbeitergeld für Außenarbeitsplätze und verbindliche Standards in der Arbeitsstättenverordnung. Kühle Schutzräume sollen innerhalb von 15 Minuten fußläufig erreichbar sein. Öffentliche Schwimmbäder müssten ausgebaut werden.
Eine Fachbuchautorin für Garten- und Balkongestaltung rät auch zu privaten Lösungen: Pergolen, Sonnensegel und gezielte Begrünung schaffen kleinteilige Schutzräume.
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