Tesla FSD in Belgien: Test zeigt Tempoverstöße auf 55 Prozent der 30er-Strecken
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Debatte um die Sicherheit und Regelkonformität von Teslas Fahrassistenzsystem „Full Self-Driving“ (FSD Supervised) in Europa gewinnt an Schärfe. Ein Praxistest der belgischen Organisation Johanna.be/vzw weist auf deutliche Schwächen bei der Einhaltung lokaler Geschwindigkeitsbegrenzungen hin. Gleichzeitig verzögert sich das Verfahren für eine angestrebte EU-weite Zulassung des Systems.
Testergebnisse zeigen systematische Geschwindigkeitsüberschreitungen
Die Organisation Johanna.be/vzw führte vom 20. Juli 2026 ab 17 Uhr bis zum 22. Juli 2026 um 10 Uhr einen Test mit einem Tesla Model 3 durch. An drei Tagen legte das Fahrzeug rund 400 Kilometer in den belgischen Orten Brüssel, Wemmel, Winksele und Zaventem zurück. Dabei handelte es sich um eine lokale, ortsbezogene Überprüfung und ausdrücklich nicht um eine Flottenmessung oder eine behördliche Entscheidung.
Die Auswertung ergab, dass das überwachte System in 55 Prozent der getesteten Brüsseler 30-km/h-Abschnitte das Tempolimit überschritt. In diesen Abschnitten betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 44 km/h. Bei insgesamt 59 Fahrten fuhr das Fahrzeug auf 16 von 29 getesteten Tempo-30-Strecken zu schnell, da einige Abschnitte mehrfach passiert wurden.
In den meisten untersuchten Tempo-30-Zonen wies das System fehlerhafte Tempolimits aus, häufig wurden 50 km/h angezeigt. In manchen Situationen erfassten die Kameras zwar ein Schild mit Tempo 30, auf dem Fahrerdisplay erschienen jedoch 50 km/h. Auch in Wohngebieten traten Verstöße auf: In 42 Prozent beziehungsweise in fünf von zwölf getesteten Wohngebieten überschritt FSD die Begrenzung von 20 km/h.
Auf keinem der sechs überprüften Fahrradstraßen-Abschnitte zeigte das System das vorgeschriebene Limit von 30 km/h korrekt an. In zwei Fällen fuhr der Wagen zu schnell. Videoaufnahmen belegten zudem Versuche, Radfahrer in Fahrradstraßen und Bereichen mit Überholverbot zu überholen, was nach belgischem Recht untersagt ist. Positiv vermerkte die Gruppe jedoch ein vorsichtiges Fahrverhalten gegenüber Fußgängern und Radfahrern.
Reaktionen von Behörden und Herstellerdaten
Johanna.be/vzw meldete die Ergebnisse am 7. September an die niederländische Zulassungsbehörde RDW sowie an die flämische Verkehrsbehörde und forderte einen vorläufigen Entzug der Genehmigung sowie eine Neubewertung. Die RDW kündigte an, den Bericht in ihre Überwachung aufzunehmen.
Der belgische Praxistest zeigt: In 55 Prozent der getesteten Brüsseler Tempo-30-Abschnitte fuhr das überwachte System zu schnell, im Schnitt 44 km/h. Wer FSD in Europa nutzt, sollte wissen, wo die Grenzen liegen. Unser kostenloser Leitfaden fasst die wichtigsten Punkte zusammen. FSD-Tempolimit-Checkliste jetzt anfordern
Die flämische Ministerin, die den Einsatz am 10. Juni 2026 genehmigt hatte, forderte dazu auf, den Bericht ernst zu nehmen. Laut von ihr angeforderten Tesla-Daten ereigneten sich auf knapp 25 Millionen in Belgien gefahrenen Kilometern fünf leichte Unfälle.
Außerhalb von Autobahnen sei das Unfallrisiko laut diesen Herstellerangaben fast zehnmal niedriger als bei menschlichen Fahrern. Ein Sprecher des flämischen Ministeriums betonte, dass die Fahrer weiterhin zu 100 Prozent verantwortlich bleiben.
Tesla selbst äußerte sich gegenüber Reuters nicht. Das Unternehmen gab in einer eigenen Sicherheitsauswertung an, dass Fahrzeuge mit FSD auf mehr als 100 Millionen Kilometern europäischer Fahrleistung 4,1-mal weniger Kollisionen verzeichneten. Die Nutzung des Systems kostet laut dem Bericht 99 Euro monatlich.
Europäische Genehmigung vorerst vertagt
Nachdem die niederländische RDW FSD im April 2026 auf nationaler Ebene genehmigt hatte, führten weitere Staaten Regelungen ein: Belgien, Dänemark, Estland, Slowenien und Tschechien ließen FSD Supervised ebenfalls zu. Insgesamt sieben Mitgliedstaaten übernahmen die niederländische Genehmigung, was rund 53 Millionen Einwohnern und etwa 12 Prozent der EU-Bevölkerung entspricht.
Die EU-weite Zulassung von FSD Supervised ist frühestens im Dezember 2026 möglich — bis dahin bleiben Fahrer zu 100 Prozent verantwortlich, auch wenn das Display ein falsches Tempolimit zeigt. Unser kostenloser Leitfaden erklärt Rechte, Pflichten und den aktuellen Zulassungs-Fahrplan. Rechte und Pflichten bei FSD jetzt nachlesen
Tesla hatte am 1. September noch den 6. Oktober 2026 als möglichen Termin für eine unionsweite Genehmigung genannt. Laut dem Entwurf für die Sitzung des EU-Ausschusses für Kraftfahrzeuge (TCMV) an diesem Tag ist jedoch keine Abstimmung angesetzt, sondern lediglich eine 25-minütige Fortsetzung der Beratungen über den niederländischen Antrag.
Da die darauffolgende Sitzung im Dezember stattfindet, ist ein Votum frühestens im Dezember 2026 möglich. Für eine EU-weite Zulassung ist eine qualifizierte Mehrheit von 15 der 27 Mitgliedstaaten nötig, die mindestens 65 Prozent der Bevölkerung abbilden. Mehrere Länder äußerten zuletzt Bedenken hinsichtlich der Tempoverstöße.
