Therapie-Krise, Praxen

Therapie-Krise: 36% der Praxen erwägen Schließung wegen Sparmaßnahmen

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tausende protestieren gegen Honorarkürzungen, während Kommunen mit Modellprojekten und neuen Therapieformen gegensteuern.

Psychotherapie in Deutschland: Proteste und kreative Alternativen
Eine Person sitzt nachdenklich in einem modernen, schwach beleuchteten Wartezimmer und wartet auf einen Termin. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während die Politik mit Sparmaßnahmen droht, entstehen vielerorts kreative Alternativen zur klassischen Therapie.

Proteste gegen geplante Honorarkürzungen

Am 18. Juli gingen in Saarbrücken rund 700 Menschen auf die Straße. Sie protestierten gegen das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG). Die Veranstalter sprachen sogar von bis zu 900 Teilnehmern.

Der Grund: Für 2027 sind Honorarkürzungen von 4,5 Prozent vorgesehen. Hinzu kommt eine Begrenzung der Behandlungskapazitäten durch budgetierte Vergütungstöpfe. Branchenvertreter schlagen Alarm.

Bärbel Heinz, Vorsitzende des Berufsverbandes der Vertragspsychotherapeuten (BVVP), warnt vor den Folgen. Aktuelle Daten zeigen: Rund 36 Prozent der Praxen erwägen eine Schließung. Weitere 43 Prozent der Praxisinhaber sind unentschlossen. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz liegt bereits bei 142 Tagen – und dürfte weiter steigen.

Apotheken als erste Anlaufstelle

Während die Politik bremst, handeln Kommunen. In Gelsenkirchen läuft seit Jahresbeginn ein Modellprojekt: Apotheken fungieren als „Safe-Space“ für psychische Probleme. Die Elisana-Apotheke im Stadtteil Hassel dient als offizielle Beratungs- und Lotsenstelle.

Die Stadt stellte dafür knapp 80.000 Euro bereit. In den ersten Monaten wurden bereits 115 Fälle registriert. Das Angebot wird nun auf das Marienhospital Gelsenkirchen ausgeweitet.

Anzeige

Wer die drohende Schließungswelle abwenden will, findet in diesem kostenlosen Report die wichtigsten Strategie-Hebel – von neuen Einnahmequellen bis zu alternativen Therapieformaten, die Ihre Praxis zukunftssicher machen. Jetzt kostenlosen Strategie-Report anfordern

Auch im Märkischen Kreis tut sich etwas: 13 neue Notfallseelsorger erhielten am 18. Juli ihre Urkunden. Die Ausbildung orientierte sich an Standards der Ruhr-Universität Bochum. In Velbert wurde heute eine neugestaltete Kontaktstelle der Sozialpsychiatrischen Gesellschaft Niederberg (SGN) wiedereröffnet. Sie bietet offene Beratung und Austausch – für Menschen mit und ohne Behinderung.

Kreative Therapieformen: Vom Boot bis zum Wald

Neben der klassischen ambulanten Therapie gewinnen spezialisierte Begleitformen an Bedeutung. In Münster wird die psychosoziale Prozessbegleitung für Opfer von Gewalt- und Sexualstraftaten angeboten – vor, während und nach Hauptverhandlungen.

Noch ungewöhnlicher: Das Bergmann-Klinikum in Potsdam betreibt seit einem Jahr die schwimmende Tagesklinik „Aquamarin“. Auf einem Boot erhalten psychisch erkrankte junge Patienten ambulante Therapien. In Berlin nutzen Therapeuten die „Booty Therapy“ zur Traumaverarbeitung nach sexueller Gewalt. Und der Sozialpsychiatrische Dienst Osnabrück hat für den 24. Juli waldpädagogische Maßnahmen zur Stressbewältigung angekündigt.

Millionen für die Forschung

Anzeige

Während die Politik die Honorarkürzung von 4,5% ab 2026 beschließt, sichern clevere Praxisinhaber bereits ihre Existenz mit alternativen Angeboten. Dieser Report zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Leistungsspektrum erweitern und unabhängig von GKV-Budgets werden. Alternative jetzt entdecken

Die langfristige Sicherung der Versorgungsqualität steht ebenfalls auf der Agenda. Ein mitteldeutsches Forschungscluster mit der Uniklinik Jena sowie den Universitäten Halle-Wittenberg und Magdeburg erhält bis 2030 Fördermittel von rund 130 Millionen Euro. Professor Martin Walter leitet die Arbeiten am Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit. Die Wissenschaftler untersuchen die Entstehung von Depressionen, ADHS und die Folgen einschneidender Erlebnisse.

Der Bedarf an Weiterbildung bleibt hoch. Die Volkshochschule Münster bietet Kurse zu NLP-Practitioner (ab Oktober 2025), Jugendsexualität (März 2026) und Inklusion (April 2026). In Hannover sind für Anfang 2027 Ausbildungsgänge in Manueller Lymphdrainage geplant – ein Zeichen für die wachsende interdisziplinäre Vernetzung im Gesundheitswesen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69810773 |