Threema, DMA

Threema vs. DMA: Schweizer Messenger weigert sich, WhatsApp-kompatibel zu werden

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 20:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Threema verweigert Interoperabilität mit WhatsApp aus Datenschutzgründen. Das Unternehmen sieht sein anonymes ID-Modell und Geschäftsmodell bedroht.

Threema lehnt WhatsApp-Öffnung trotz EU-DMA ab
Ein Smartphone mit einem Sicherheitssymbol auf dem Bildschirm, das das Thema Datenschutz und digitale Privatsphäre verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Schweizer Messenger-Dienst Threema schließt eine Öffnung zu WhatsApp aus. Trotz des EU-Digital Markets Act (DMA) sieht das Unternehmen seine Datenschutzprinzipien gefährdet.

Anonyme ID trifft auf Handynummer

Das Kernproblem: Threema arbeitet mit einer anonymen ID ohne Handynummer. WhatsApp dagegen zwingt Nutzer zur Preisgabe ihrer Mobilfunknummer. Eine Verknüpfung beider Systeme würde die Privatsphäre der Threema-Nutzer aufweichen.

Hinzu kommen technische Bedenken. WhatsApp diktiere die Protokolle weitgehend, kritisiert der Schweizer Dienst. Über die genaue Datenverarbeitung herrsche fehlende Transparenz. Zudem ließen sich über solche Schnittstellen derzeit nur Einzelchats realisieren – der Funktionsumfang wäre deutlich eingeschränkt. Für ein kleines Unternehmen wie Threema ist die Implementierung zudem eine personelle Herausforderung.

Geschäftsmodell unter Druck

Threema finanziert sich über den einmaligen App-Verkauf – ein Gegenentwurf zu werbefinanzierten Diensten wie WhatsApp. Eine erzwungene Öffnung könnte dieses Modell untergraben.

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Das Unternehmen warnt zudem vor einer Zementierung der Meta-Monopolstellung. Statt den Wettbewerb zu fördern, würden durch die marktbeherrschende Stellung von WhatsApp die Standards einseitig vorgegeben. Das schade kleineren Wettbewerbern langfristig.

Regulatorischer Gegenwind

Die Entscheidung fällt in eine Zeit verschärfter Regulierung. Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich kürzlich auf eine befristete Ausnahme für das automatisierte Scannen privater Chats nach Kindesmissbrauchsmaterial geeinigt – gültig bis April 2028. Client-Side-Scanning bleibt verboten, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unangetastet. Doch der Druck auf Messenger-Anbieter wächst.

Gleichzeitig greift die EU-Kommission bei DMA-Verstößen hart durch. Gegen Google verhängte sie erst kürzlich eine Strafe von 890 Millionen Euro wegen Bevorzugung eigener Dienste.

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Threema stellt klar: Der Schutz der Nutzerdaten müsse Vorrang vor technischer Vernetzung haben. Branchenbeobachter sehen darin ein deutliches Signal: Datenschutz-fokussierte Nischenanbieter wollen den Weg der vollständigen Vernetzung unter den aktuellen Bedingungen nicht mitgehen.

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