Thymian und Rotklee: Kalluskulturen zeigen altersschĂĽtzende Wirkung
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In-vitro-Kalluskulturen von Thymus vulgaris und Trifolium pratense können als biotechnologische Quelle für geroprotektive bioaktive Substanzen dienen. Dies belegen Untersuchungen zur Gewinnung pflanzlicher Wirkstoffe, wie aus Berichten der Staatlichen Universität Kemerowo hervorgeht. Die Forschung eröffnet Möglichkeiten, alterungshemmende und zellschützende Komponenten kontrolliert im Labor herzustellen.
Optimierte Extraktion und hohe Wirkstoffkonzentrationen
Die Gewinnung der bioaktiven Verbindungen erfordert spezifische Prozessbedingungen. Für die Kalluskulturen des Echten Thymians (Thymus vulgaris) erwies sich eine Extraktionsdauer von 4 h bei 50 °C in 70 % Ethanol als optimal. Bei Rotklee (Trifolium pratense) wurden die besten Ergebnisse nach einer Behandlungszeit von 6 h bei 70 °C in 70 % Ethanol erzielt.
Unter diesen Bedingungen konnten signifikante Wirkstoffmengen nachgewiesen werden. Den höchsten gemessenen Gehalt in Thymus vulgaris erreichte Thymol mit 23,580 ± 1,170 mg/ml. Bei Trifolium pratense dominierte das Flavonoid Rutin mit einer Konzentration von 10,05 ± 0,35 mg/ml.
Neben Thymol wurden in den Thymiankulturen Apigenin sowie Gallus-, Chlorogen- und Kaffeesäure als geroprotektiv wirksam eingestuft. In den Extrakten aus Rotklee zählten neben Rutin auch Chlorogen- und p-Cumarsäure zu den als geroprotektiv identifizierten Substanzen.
Die Forschungsarbeiten wurden durch das russische Wissenschaftsministerium Minobrnauki im Rahmen des Projekts FZSR-2020-0006 gefördert und im Jahr 2021 in der Fachzeitschrift Technika i technologija piš?evych proizvodstv (Band 51, Nr. 2, S. 423–432) publiziert.
Zytotoxische Effekte weiterer Heilpflanzenextrakte
In einer weiteren, 2020 im selben Fachorgan veröffentlichten Arbeit (Band 50, Nr. 3, S. 480–492) analysierten Wissenschaftler getrocknete Kallus-, Suspensions- und Wurzelkultur-Biomassen von Heilpflanzen wie Leuzea carthamoides, Rhodiola rosea, Scutellaria baicalensis, Scutellaria andrachnoides, Scutellaria galericulata, Potentilla alba und Vertretern der Gattung Panax.
In In-vitro-Tests senkten diese Extrakte die Überlebensrate von Krebszellen auf 24,8–36,8 %. Die maximale antimikrobielle und zytotoxische Wirkung zeigten dabei Extrakte aus Wurzelkulturen.
Was in Thymian und Rotklee steckt, lässt sich heute im Labor gezielt herstellen: Kalluskulturen liefern Wirkstoffe, die als geroprotektiv gelten. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Pflanzenstoffe im Fokus stehen und wie sie gewonnen werden. Kostenlosen Leitfaden zu geroprotektiven Pflanzenstoffen anfordern
Die mikrobiologische Wirksamkeit wurde an mehreren Teststämmen nachgewiesen, darunter Escherichia coli ATCC 25922, Staphylococcus aureus ATCC 25923, Proteus vulgaris ATCC 63, Pseudomonas aeruginosa ATCC 9027 sowie der Hefepilz Candida albicans ???? 34. Die Autoren leiteten daraus eine grundsätzliche Eignung dieser Rohstoffe für Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel mit antitumoraler, antimikrobieller und antioxidativer Wirkung ab.
Eine zusätzliche Studie der Kemerovo State University, die am 20.03.2019 eingereicht und am 27.11.2025 angenommen wurde, verglich alternative Lösungsmittel zur Wirkstoffgewinnung. Untersucht wurden die technologischen Parameter bei der Extraktion aus Wildpflanzen mittels Quarkmolke im Vergleich zu 80 %igem Spiritus.
Bei den getrockneten Rohstoffen handelte es sich um Lindenblüten (gesammelt Juni–Juli 2010 im Kusbass), Brennnesselblätter (Juni–August 2010 im Rajon Kemerowo) und Oreganokraut (Juli–August 2010 im Rajon Kemerowo). Die ermittelte Schüttdichte lag bei 0,267 für Linde, 0,299 für Brennnessel und 0,256 für Oregano.
Abgrenzung zur traditionellen Anwendung von Thymiantee
Während moderne Zellkulturansätze isolierte Wirkstoffe für therapeutische Zwecke nutzbar machen sollen, ist die klassische Verwendung von Pflanzen wie Thymian primär empirisch geprägt.
Berichten zufolge wirkt Thymiantee (Thymus vulgaris, Thymus serpyllum) gemäß den Monografien der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und der Kommission E traditionell lindernd bei Husten und Symptomen einer Bronchitis.
Zu den bioaktiven Inhaltsstoffen zählen Thymol, Carvacrol, Rosmarinsäure und Flavonoide. Für die Zubereitung werden 1–2 TL getrocknetes Kraut oder 1 EL frischer Thymian in 250 ml heißem Wasser für 5–10 Min. ziehen gelassen.
Viele setzen auf synthetische Antioxidantien, ohne deren Herkunft einordnen zu können. Pflanzliche Zellkulturen bieten einen anderen Weg — nachvollziehbar, dokumentiert, im Labor kontrolliert. Der Leitfaden erklärt, was Kalluskulturen leisten und worauf Sie bei pflanzlichen Extrakten achten sollten. Leitfaden zu pflanzlichen Zellkulturen jetzt sichern
Experten empfehlen gesunden Erwachsenen eine Obergrenze von maximal 2–3 Tassen pro Tag. Bei Schwangerschaft, in der Stillzeit, bei niedrigem Blutdruck, Magengeschwüren, Schilddrüsenerkrankungen oder der Einnahme von Blutgerinnungshemmern wird von einer Einnahme abgeraten. Vor geplanten Operationen sollte die Anwendung zwei Wochen pausieren.
Gleichzeitig weisen Fachberichte darauf hin, dass klinische Belege fĂĽr die Wirkung von reinem Thymiantee begrenzt sind und keine ausreichenden wissenschaftlichen Nachweise fĂĽr dessen Einsatz bei Infektionen, Diabetes, Krebs oder Herzkrankheiten existieren. Dies unterstreicht den Unterschied zwischen traditionellen AufgĂĽssen und standardisierten Extrakten aus der Zellkulturforschung.
