TikTok, Refresh“

TikTok und „Algo Refresh“: Tausende Nutzer erhielten Placebo-Schutz

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 02:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de

New Yorks Klageakten beschreiben Tests mit einer Rücksetzfunktion, die Feeds unverändert ließ und Nutzern dauerhaften Schutz suggerierte.

TikTok soll Nutzern wirkungsloses Sicherheitsfeature vorgespielt haben
Ein minimalistischer, leerer Raum mit strukturierten Betonwänden und weichem Lichteinfall, der eine sterile und isolierte Atmosphäre schafft. Illustration mit AI erstellt.

Der Bundesstaat New York wirft der Video-Plattform TikTok vor, Tausenden Nutzern ohne deren Wissen eine nicht funktionierende Placebo-Version des Sicherheitsfeatures „Algo Refresh“ ausgespielt zu haben. Betroffen waren laut behördlichen Angaben auch Kinder und Jugendliche. Die entsprechenden Vorwürfe gehen aus Gerichtsakten hervor, die am 7. Oktober 2026 nach richterlicher Anordnung teilweise entsiegelt und öffentlich gemacht wurden.

Tests zielten auf Verweildauer und Werbeeinnahmen

Das Feature „Algo Refresh“ wurde konzipiert, um Nutzern die Möglichkeit zu geben, ihren Empfehlungsalgorithmus eigenständig zurückzusetzen. Auf diese Weise sollten Kontoinhaber riskanten Inhalten und psychisch belastenden Dauerschleifen – etwa Beiträgen zu Essstörungen oder Suizidgedanken – entkommen können.

In den entsiegelten Dokumenten heißt es jedoch, dass die Inhaltsauswahl bei einer internen Testgruppe trotz aktivierter Funktion völlig unverändert blieb.

Die Nutzer wähnten sich folglich in dem Glauben, ihre Feeds bereinigt zu haben, erhielten aber weiterhin dieselben Vorschläge. Zudem habe das Unternehmen Nutzer darüber getäuscht, dass der Vorgang eine dauerhafte und nicht bloß eine temporäre Rücksetzung bewirke.

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Den Klageakten zufolge führte TikTok diese Experimente im Jahr 2023 wiederholt an Tausenden Personen durch. Ziel der Versuche sei es gewesen, die Verweildauer der Nutzerschaft und die damit verbundenen Werbeeinnahmen zu analysieren.

Intern stieß das Vorgehen offenbar auf Vorbehalte: Ein für digitales Wohlbefinden zuständiger Produktmanager des Unternehmens warnte damals davor, dass eine solche Placebo-Gruppe den Grundsätzen von Algorithmus-Transparenz und Nutzerkontrolle widerspreche. TikTok-Sprecher Nathaniel Brown erklärte auf Anfrage, das Unternehmen teste regelmäßig neue Produkte und Funktionen.

Wachsender Druck durch US-Bundesstaaten

Die neuen Anschuldigungen ergänzen eine Klage der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James, die ursprünglich im Jahr 2024 eingereicht worden war. Die erweiterten Vorwürfe datieren auf Ende August 2026 und wurden nun zugänglich, wenngleich viele Dokumente des laufenden Verfahrens weiterhin geschwärzt oder vollständig unter Verschluss sind.

Das Verfahren in New York ist Teil einer breiteren juristischen Auseinandersetzung in den USA. Über zwei Dutzend US-Bundesstaaten werfen TikTok vor, die Plattform vorsätzlich suchtfördernd gestaltet und die Öffentlichkeit bezüglich der eigenen Sicherheitsmaßnahmen in die Irre geführt zu haben.

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Im Rahmen eines ersten Vergleichs mit einem Bundesstaat stimmte das Unternehmen im September 2026 einer Zahlung von bis zu 300 Mio. US-Dollar an Alabama sowie verbindlichen Anpassungen für Minderjährige zu.

Zudem verwiesen Medien auf frühere Vorgänge: Einem Bericht von Bloomberg aus dem Juni zufolge hatte ein separates Experiment zuvor bei 15 Mio. US-Nutzern eine Schutzfunktion deaktiviert; in New York verstarb ein Jugendlicher später nach dem Konsum von Beiträgen zu Selbstverletzung und Suizid.

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