Toilettenhygiene, Aerosole

Toilettenhygiene: Aerosole steigen 163 cm hoch beim Spülen

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 04:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Flinders-Analyse zeigt die Reichweite von Spülaerosolen und nennt Maßnahmen gegen Keime, Feuchtigkeit und Schimmel im Badezimmer.

Toilettenspülung: Aerosole erreichen Atemhöhe und bleiben lange in der Luft
Ein helles, modernes Badezimmer mit weißen Fliesen und weichem Tageslicht, ohne Personen oder Gegenstände. Illustration mit AI erstellt.

Eine Metaanalyse der Flinders University, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Science of The Total Environment", liefert neue Erkenntnisse darüber, wie weit sich Aerosole beim Spülen einer Toilette ausbreiten können. Für ältere Menschen und ihre Angehörigen ergeben sich daraus praktische Hinweise zur Hygiene im Badezimmer, die sich mit einfachen Mitteln umsetzen lassen.

Aerosole verbreiten sich weiter als vermutet

Der Analyse zufolge steigen beim Spülen erzeugte Aerosole bis zu 163 Zentimeter hoch und breiten sich bis zu 150 Zentimeter horizontal aus. Die Partikel bleiben den Forschenden zufolge mindestens 20 Sekunden in der Luft. Damit gelangen sie laut der Flinders University bis in die sogenannte Atemhöhe erwachsener Personen – also in den Bereich, in dem Menschen typischerweise ein- und ausatmen.

Ein im September 2026 berichteter Befund der gleichen Untersuchung ergänzt, dass größere Spülvolumina mehr Aerosole erzeugen. Diese können den Angaben zufolge Mikroben wie E. coli und Salmonellen enthalten.

Angesichts einer Ausbreitung bis zu 1,5 Meter im Radius empfiehlt die Flinders University mehrere konkrete Verhaltensänderungen: den Toilettendeckel vor dem Spülen zu schließen, wassersparende Spülprogramme zu nutzen und Zahnbürsten möglichst weit von der Toilette entfernt aufzubewahren.

Für Haushalte, in denen ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen leben, kann das geschlossene Spülen mit Deckel eine einfache, aber wirksame Maßnahme sein, um die Verbreitung von Keimen im Badezimmer zu begrenzen – insbesondere dort, wo Zahnbürsten, Handtücher oder andere häufig genutzte Gegenstände in der Nähe der Toilette gelagert werden.

Luftfeuchtigkeit als zweiter Risikofaktor

Neben Aerosolen aus der Toilettenspülung spielt die Luftfeuchtigkeit im Bad eine zentrale Rolle für die Hygiene im häuslichen Umfeld. Empfehlungen zufolge sollte die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen zwischen 40 und 60 Prozent liegen, im Badezimmer zwischen 50 und 70 Prozent – direkt nach dem Duschen kann sie kurzfristig bis auf 80 Prozent steigen. Im Keller gelten Werte zwischen 50 und 65 Prozent als angemessen.

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Um erhöhte Feuchtigkeit abzubauen, werden mehrere Methoden genannt: Durchzug durch Lüften, der Einsatz von Luftentfeuchtern, das Aufstellen von Salz oder Katzenstreu als natürliche Feuchtigkeitsbinder, die Reinigung von Luftschächten sowie der nachträgliche Einbau eines Entlüfters.

Auch das Abziehen der Duschkabine nach dem Duschen wird empfohlen, da dies die Luftfeuchtigkeit im Raum reduziert und sowohl Schimmelbildung als auch Kalkablagerungen vorbeugt.

Schimmelbekämpfung in Fugen und auf Oberflächen

Ergänzend zu präventiven Maßnahmen gegen Feuchtigkeit werden auch Methoden zur Behandlung bereits vorhandenen Schimmels beschrieben. Für Fugen in der Dusche wird eine Wasserstoffperoxid-Lösung mit einer Konzentration von 3 Prozent genannt, die auf Küchenrolle aufgetragen und 10 bis 15 Minuten einwirken gelassen wird.

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Chlorreiniger bleiche demnach nur die Oberfläche, ohne den Schimmel tiefergehend zu beseitigen. Essig wird als Alternative genannt, sollte jedoch nicht mit Wasserstoffperoxid gemischt werden. Als Zielwert wird auch hier eine Luftfeuchtigkeit von maximal 55 bis 60 Prozent angegeben.

Bei handelsüblichen Schimmelsprays ist laut einer Einordnung Vorsicht geboten: Viele Produkte wirken lediglich fungistatisch, hemmen also nur das Wachstum, ohne den Schimmel abzutöten.

Ein SWR-Test aus dem Jahr 2023 bewertete demnach das Produkt AGO als sehr gut, während Sagrotan bei langfristiger Wirkung als mangelhaft eingestuft wurde. Bei tatsächlichem Befall gelte es daher, vor allem die Ursache – meist überhöhte Luftfeuchtigkeit – zu bekämpfen und diese dauerhaft unter 60 Prozent zu halten.

Für ältere Menschen, deren Immunsystem mitunter empfindlicher auf Keime und Schimmelsporen reagiert, können diese Erkenntnisse zu Toilettenhygiene und Feuchtigkeitsmanagement im Bad eine praktische Orientierung bieten, um das Infektionsrisiko im eigenen Zuhause zu reduzieren.

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de | wissenschaft | 70072024 |