Tokenisierte, Wertpapiere

Tokenisierte Wertpapiere: Binance bStocks erreicht Milliarde in 30 Tagen

05.07.2026 - 00:21:18 | boerse-global.de

Neue EU-Regeln zwingen Trade Republic zur Umstellung, während tokenisierte Wertpapiere bei Binance boomen und Banken auf Krypto setzen.

Digitale Vermögensverwaltung: Trade Republic und Binance im Wandel
Tokenisierte - Digitales Interface mit Finanzdiagrammen und -grafiken, Hände interagieren mit holografischem Bildschirm in modernem Finanzumfeld. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Große Investmentplattformen reagieren auf neue EU-Regulierungen und die wachsende Nachfrage nach tokenisierten Wertpapieren mit innovativen Technologien und erweiterten Anlageklassen.

Trade Republic stellt Geschäftsmodell nach EU-Vorgabe neu auf

Der Berliner Neobroker Trade Republic hat Anfang Juli sein Handelsmodell grundlegend umgestellt. Grund ist das EU-weite Verbot von Zahlungen für Auftragsflüsse (Payment for Order Flow, PFOF), das am 1. Juli 2026 in Kraft trat. Das Unternehmen, das rund 150 Milliarden Euro für über zehn Millionen Kunden verwaltet, bietet nun Zugang zu 30 globalen Börsenplätzen.

Die neue Preisstruktur sieht zwei Varianten vor: Die „Bestpreis-Order" nutzt einen Algorithmus, der Kurse über verschiedene Handelsplätze wie Xetra, Euronext und Nasdaq vergleicht – für eine Gebühr von einem Euro pro Trade. Die „Direktpreis-Order" erlaubt Anlegern die gezielte Auswahl bestimmter Handelsplätze, kostet dafür aber zwei Euro. Für aktive Trader gibt es zudem ein kostenloses webbasiertes Terminal mit professionellen Charting-Tools.

Das Unternehmen peilt eine Verdopplung seiner deutschen Kundenzahl auf zehn Millionen Anleger an – bei gleichzeitiger Beibehaltung kostenloser ETF-Sparpläne.

Tokenisierte Wertpapiere erreichen Milliarden-Marke

Während sich traditionelle Handelsmodelle an neue Regularien anpassen, boomt der Markt für tokenisierte Vermögenswerte. Die Kryptobörse Binance meldet für ihre Plattform bStocks, die tokenisierte Versionen von US-Aktien und ETFs anbietet, bereits über eine Milliarde US-Dollar verwaltetes Vermögen – nur 30 Tage nach dem Start am 1. Juni 2026. Das Handelsvolumen liegt bei über drei Milliarden Dollar, mit einem Schwerpunkt auf Nutzern aus Schwellenländern.

Besonders auffällig: Rund 71 Prozent der Aktienbestände entfallen auf den Technologiesektor, fast die Hälfte des Volumens fließt in Halbleiterunternehmen. Die Plattform, die kürzlich tokenisierte Aktien von Microsoft, Meta und Palantir aufnahm, strebt bis Jahresende ein verwaltetes Vermögen von zehn Milliarden Dollar an.

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Auch etablierte Finanzinstitute steigen in den Tokenisierungsmarkt ein. Die US-Großbank Citi launchte Mitte Juni einen Blockchain-basierten Marktplatz für tokenisierte Hinterlegungsscheine, die Unternehmensbeteiligungen an Privatfirmen abbilden. Die Plattform, entwickelt mit der SIX Digital Exchange, richtet sich zunächst an institutionelle und vermögende Privatanleger. Der Schritt kommt nicht von ungefähr: Die Nachfrage nach Privatmarkt-Investments lag zuvor bei über 70 Milliarden Dollar.

Banken öffnen sich für Krypto und Privatmärkte

Traditionelle Bankengruppen rüsten sich für den Einstieg in digitale Vermögenswerte. Die Sparkassen, die 50 Millionen Kunden betreuen, planen für den Sommer 2026 den Handel mit Bitcoin und Ether über ihre Banking-Apps. Die DZ Bank hatte bereits im Dezember 2025 die regulatorische Genehmigung unter der EU-Verordnung für Kryptomärkte (MiCA) für ihre eigene Digital-Asset-Plattform erhalten.

BlackRock, der weltgrößte Vermögensverwalter, hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2030 sollen 400 Milliarden Dollar für Privatmärkte eingesammelt werden – mit Tokenisierung als zentralem Baustein. Der tokenisierte Staatsanleihenfonds BUIDL des Unternehmens erreichte Mitte 2026 schätzungsweise zwei bis 2,5 Milliarden Dollar verwaltetes Vermögen. BlackRock erwartet, dass Privatmärkte und Technologieservices langfristig mehr als 20 Prozent der Einnahmen ausmachen werden.

Globale Konsolidierung und grenzüberschreitende Investments

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Auch regionale Plattformen expandieren durch strategische Übernahmen und internationale Rollouts. Robinhood launchte eine neue Blockchain-Ebene mit Aktien-Token in über 120 Ländern und bietet in Europa Perpetual Futures für Rohstoffe und Währungen an. Das Unternehmen bedient inzwischen 28 Millionen Kunden in 38 Ländern.

Im Fintech-Sektor übernahm LemFi die britische Investmentplattform Wealth8, um über das grenzüberschreitende Zahlungsgeschäft hinaus in die Vermögensverwaltung einzusteigen. eToro beteiligte sich mit 12,5 Millionen Dollar an der On-Chain-Börse Extended – nachdem der Broker im April 2026 die Wallet-Plattform Zengo für rund 70 Millionen Dollar übernommen hatte. In Südamerika sicherte sich die Plattform Zeom 2,75 Millionen Dollar Startkapital, um in Brasilien globale Investmentkonten anzubieten – mit Einstiegsbeträgen ab umgerechnet rund acht Euro.

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