Toyota, NVIDIA

Toyota, NVIDIA und SoftServe: Simulation spart bis zu 50 Prozent Aufwand

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Strukturierte Kennzahlen, digitale Werkzeuge und Prozessverbesserungen unterstĂŒtzen ProduktivitĂ€t, QualitĂ€t und verlĂ€ssliche AblĂ€ufe.
Moderne, aufgerĂ€umte Industriehalle mit prĂ€zisen Fertigungsmaschinen bei natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die Optimierung von ProduktionsablÀufen steht in produzierenden Unternehmen dauerhaft im Fokus. Martin Schmauder beschreibt Lean Production als einen Ansatz, der auf den sparsamen und zeiteffizienten Einsatz der zentralen Produktionsfaktoren abzielt: Betriebsmittel, Personal, Werkstoffe sowie Planung und Organisation.

Im Mittelpunkt dieses Konzepts steht die konsequente Vermeidung von Verschwendung ĂŒber einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, um sĂ€mtliche betrieblichen AktivitĂ€ten nachhaltig zu optimieren.

Zielkonflikte im Magischen Dreieck langfristig auflösen

In der industriellen Fertigung sowie im Dienstleistungssektor verdeutlicht das traditionell aus dem Projektmanagement stammende sogenannte Magische Dreieck das SpannungsverhÀltnis zwischen Kosten, benötigter Zeit und erzielbarer QualitÀt.

Kurzfristig betrachtet fĂŒhrt dieser Zielkonflikt meist zu Zielabweichungen: Straffere Zeitvorgaben lassen sich oft nur durch steigende Kosten oder QualitĂ€tseinbußen einhalten. Umgekehrt gehen Kosteneinsparungen hĂ€ufig zu Lasten der QualitĂ€t oder erfordern eine lĂ€ngere Bearbeitungsdauer.

Verdeutlicht wird dies etwa am Beispiel eines Herstellers von Holzlöffeln: Schafft dieser 30 Löffel in hoher QualitĂ€t innerhalb von 10 Tagen, erfordert eine VerkĂŒrzung auf 5 Tage mindestens 3 AushilfskrĂ€fte.

In der Folge steigen die Kosten auf mehr als das Doppelte, wĂ€hrend gleichzeitig der Ausschuss zunimmt. Langfristig lĂ€sst sich dieses Dilemma jedoch durch Prozess- und Technologieverbesserungen ĂŒberwinden.

Der systematische Abbau von Ineffizienzen, modernere Werkzeuge, alternative Materialien, neue Fertigungstechnologien sowie das Streichen ĂŒberflĂŒssiger Arbeitsschritte ermöglichen es, Produkte in kĂŒrzester Zeit, mit langfristiger QualitĂ€t und bei minimalen Kosten herzustellen. Verschwendung in Form von BestĂ€nden, StillstĂ€nden oder unnötigen Materialbewegungen wird dabei minimiert.

FĂŒnf Schritte und die Risiken isolierter Kennzahlen

FĂŒr eine zĂŒgige Steigerung der ProduktivitĂ€t in der Fertigung greifen Betriebe auf strukturierte MaßnahmenplĂ€ne zurĂŒck. FachbeitrĂ€ge nennen hierbei fĂŒnf aufeinander aufbauende Schritte:
1. Die Leistung kontinuierlich messen, etwa anhand von PlanerfĂŒllung, Stundennorm, Stillstandszeiten und Maschinenauslastung.
2. Die QualitĂ€tsausbeute ĂŒber Ausschussraten, Nacharbeiten und Standardabweichungen erfassen.
3. Abweichungen gezielt analysieren, da hĂ€ufig 20% der Ursachen fĂŒr rund 80% der Probleme verantwortlich sind.
4. BeschĂ€ftigte regelmĂ€ĂŸig ĂŒber visuelle Methoden und Shopfloor-Management mit den Zielen vertraut machen.
5. Korrekturmaßnahmen nach dem Regelkreis des PDCA-Zyklus umsetzen.

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Gleichzeitig warnen Branchenanalysen vor einer isolierten Optimierung einzelner Kennzahlen. In komplexen Umgebungen wie der Batteriezellfertigung kann die bloße Maximierung der Anlagengeschwindigkeit oder das einseitige DrĂŒcken von Anschaffungskosten das Gesamtsystem destabilisieren. Die Folgen sind EngpĂ€sse, ĂŒbermĂ€ĂŸiger Umlaufbestand, höherer Ausschuss und Lieferverzögerungen.

Stattdessen wird empfohlen, fĂŒnf kriterien zu steuern: den risikobereinigten Wert ĂŒber die wirtschaftliche Lebensdauer, einen an Finanzberichtszyklen ausgerichteten Durchsatz, die ganzheitliche Bestandsoptimierung ĂŒber Rohstoffe, Umlaufbestand und Fertigwaren, das Management aller variablen und fixen Kosten sowie eine verlĂ€ssliche AuftragserfĂŒllung bei schwankender Nachfrage.

Zur Messung technischer Einheiten dient unter anderem die GesamtanlageneffektivitĂ€t (OEE). Bei Spezialanlagen wie einem Shrink-Sleeve-Applikator wird die VerfĂŒgbarkeit aus dem VerhĂ€ltnis von tatsĂ€chlicher Laufzeit zu geplanter Produktionszeit ermittelt, wĂ€hrend Leistungs- und QualitĂ€tsgrade den Ausschuss und Taktverluste abbilden.

Typische Verlustquellen wie Rollenwechsel, Schnittfehler oder Wartezeiten an nachgelagerten Tunneln erfordern dabei eine getrennte Erfassung der einzelnen Stationen.

Digitale Werkzeuge und Anwendungsfelder in der Industrie

In der Praxis unterstĂŒtzen zunehmend digitale Systeme die Umsetzung von Lean-Prinzipien. Ein deutscher HausgerĂ€tehersteller mit Kleinserien- und Variantenfertigung fĂŒr Staubsauger, KĂŒchengerĂ€te, BĂŒgeleisen und Wasseraufbereiter begegnete hĂ€ufigen AusfĂ€llen, Linienstopps und verzögerter Störungsbearbeitung mit neuen Softwarelösungen.

Durch den Einsatz eines Event-Lean-Management-Kollaborationssystems zur digitalen Erfassung von VorfÀllen und eines speziellen Instandhaltungsmoduls konnten AusfÀlle verringert und die Lebensdauer der Anlagen verlÀngert werden.

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Auch die Simulation vor der eigentlichen Inbetriebnahme gewinnt an Bedeutung. Toyota Material Handling Europe entwickelte gemeinsam mit NVIDIA und SoftServe eine Simulationsumgebung fĂŒr autonome Flurförderzeuge. Entwicklungschef Johan RosĂ©n erklĂ€rte, dass die virtuelle Inbetriebnahme vor der EinfĂŒhrung im Feld die QualitĂ€t sichere und Verschwendung vermeide.

Das Unternehmen strebt damit bis zu 50% weniger Inbetriebnahmeaufwand und eine um bis zu 40% kĂŒrzere Zeitspanne bis zur Marktreife an. Durch synthetische Daten konnte zudem die optische Palettenerkennung um mehr als 70% verbessert werden.

Die Anwendbarkeit der Methodik beschrĂ€nkt sich lĂ€ngst nicht mehr auf traditionelle Werkhallen. Die Beseitigung von Verschwendung zur reinen Wertschöpfung wird mittlerweile auch in Dienstleistungsbereichen, der Logistik sowie in der akademischen Ausbildung von QualitĂ€tsmanagement-FachkrĂ€ften herangezogen, um ArbeitsflĂŒsse transparent, kundenorientiert und fehlersicher auszugestalten.

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