Eichhörnchen, Ast

Wenn Eichhörnchen vom Ast fallen: Klimawandel schwÀcht Tiere

28.04.2025 - 05:00:40

Trockenheit, Klimawandel und sterile GĂ€rten machen Eichhörnchen das Leben schwer. Eine Auffangstation bei Berlin kĂŒmmert sich um geschwĂ€chte Tiere – tĂ€glich gehen dort Dutzende Notrufe ein.

Als geschickte Kletterer verbringen sie ihre Zeit meist hoch oben in BĂ€umen – doch Eichhörnchen sind aus Sicht von TierschĂŒtzern zunehmenden Gefahren ausgesetzt. «Es ist dramatisch – bei den Hörnchen ist der langsame Beginn des Aussterbens da», sagte die Vorsitzende der Eichhörnchen-Hilfe Berlin/Brandenburg, Tanya Lenn. Es sei zwar nicht so, dass es bald keine Eichhörnchen mehr geben werde. Aber: «Man kann merken, wie es losgeht, wenn eine Tierart mit den Umweltbedingungen, mit dem Klima nicht mehr gut klarkommt.»

Lenn pflegt mit anderen Helfern geschwĂ€chte und kranke Eichhörnchen in einer Auffangstation im brandenburgischen Teltow, nicht weit entfernt vom sĂŒdwestlichen Berliner Stadtrand. Sobald die Tiere aufgepĂ€ppelt sind, werden sie wieder ausgewildert. 

Der Klimawandel mache den Nagetieren zu schaffen, wobei noch viele Fragen offen seien, wie die Biologin Sinah Drenske vom Leibniz-Institut fĂŒr Zoo- und Wildtierforschung in einem Podcast sagt. So sei noch unklar, welche Auswirkungen etwa eine fehlende Winterruhe auf die Eichhörnchen habe. 

Nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung gelten Eichhörnchen in Europa nicht als bedroht. Allerdings könne der Verlust von alten Laub-, Nadel- und MischwĂ€ldern zu einem RĂŒckgang der BestĂ€nde beitragen.

Trockenheit schadet Eichhörnchen

Eichhörnchen leiden wie andere Wildtiere unter anhaltender Trockenheit. Es könne dann vorkommen, dass sie vom Baum stĂŒrzen und dehydriert am Boden liegen, beschreibt Lenn. «Die Situation ist angespannt und ziemlich schlecht.» Lenn appelliert, flache Schalen mit Wasser in den Garten oder auch auf Balkonen aufzustellen. Über die Notlage der Tiere hatte zuvor bereits der «Tagesspiegel» berichtet.

Die Eichhörnchen-SchĂŒtzerin ist zudem auf MĂ€hroboter nicht gut zu sprechen: Es passiere, dass kleine Hörnchen geschreddert wĂŒrden. Vor allem fĂŒr Igel seien die MĂ€hroboter gefĂ€hrlich.

FĂŒr Eichhörnchen stellen hingegen laut Leibniz-Institut fĂŒr Zoo- und Wildtierforschung Katzen die grĂ¶ĂŸte Bedrohung dar. 

«Leute wollen alles so steril wie möglich»

Ohnehin seien viele GĂ€rten und auch Parks nicht mehr so gut geeignet als Lebensraum fĂŒr Eichhörnchen. «Es werden BĂ€ume gefĂ€llt, SteingĂ€rten angelegt. Es muss alles ordentlich und gerade aussehen. Die Leute wollen es so steril wie möglich haben», sagt Lenn. Auch im Garten ausgestreutes sogenanntes Blaukorn - ein DĂŒngemittel - sei giftig fĂŒr Eichhörnchen, Igel und Vögel.

Lenn: Warme Winter beeintrÀchtigen Ruhephase

DarĂŒber hinaus gebe es angesichts des sich verĂ€nderten Klimas recht warme Winter, so dass die Eichhörnchen in ihrer Winterruhe gestört seien. «Hörnchen brauchen Minustemperaturen», erklĂ€rt die Eichhörnchen-Retterin, die seit vielen Jahren in der Auffangstation engagiert ist. Ohne ausreichende Winterruhe steige der Stress fĂŒr die Tiere, die dann anfĂ€lliger fĂŒr Krankheiten seien. 

Die Trockenheit fĂŒhre auch dazu, dass Eichhörnchen im Herbst weniger VorrĂ€te fĂŒr den Winter anlegen könnten. «Die Haselnuss fĂ€llt viel frĂŒher vom Baum, dann ist kaum noch was da im Herbst.» 

Um die 40 Anrufe tÀglich bei Eichhörnchen-Hilfe

TĂ€glich gingen um die 40 Anrufe und mehr bei der Eichhörnchen-Hilfe in Teltow ein - ein Projekt der Organisation Aktion Tier. Manche wollen Beratung, andere Anrufer haben verletzte Tiere entdeckt. Die Auffangstation habe binnen 18 Jahren um die 3.500 Hörnchen aufgenommen, sagt Lenn, die keine Angaben dazu macht, wie viele Tiere dort derzeit gepflegt und versorgt wĂŒrden - die Zahlen schwankten. 

Wie viele Eichhörnchen es in Deutschland oder einzelnen BundeslĂ€ndern gibt, ist schwer zu sagen. Wissenschaftler und NaturschutzverbĂ€nde setzen auf Mitmachaktionen, bei denen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger Sichtungen von Vögeln, Insekten und eben auch Eichhörnchen melden können.

@ dpa.de