Tropischer Urwald von FlÀche der Schweiz in 2022 zerstört
27.06.2023 - 08:05:44Weltweit sind im vergangenen Jahr einem Bericht zufolge rund 4,1 Millionen Hektar tropischer Urwald zerstört worden. Damit ist Wald mit einer FlĂ€che der Schweiz verloren gegangen, zu einem kleineren Teil durch BrĂ€nde, hauptsĂ€chlich aber durch andere GrĂŒnde wie zum Beispiel Abholzung.
Umgerechnet sind pro Minute BaumbestĂ€nde von einer GröĂe von elf FuĂballfeldern verschwunden, wie aus einer neuen Berechnung des World Resources Institute (WRI) in Washington hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurde.
WÀlder «unsere Lebensgrundlage»
Die GesamtflĂ€che des binnen eines Jahres zerstörten tropischen Urwaldes war laut Bericht in den vergangenen 20 Jahren nur 2016, 2017 und 2020 gröĂer. So seien im vergangenen Jahr zehn Prozent mehr tropischer Urwald zerstört worden als 2021, damals waren es rund 3,75 Millionen Hektar. «Es sind nicht nur die WĂ€lder, die die Menschheit in Rekordzeit zerstört, es ist unsere Lebensgrundlage», sagte Susanne Winter, Programmleiterin Wald bei der Naturschutzorganisation WWF Deutschland.
Besonders stark sei weiterhin der tropische Wald in Brasilien und in der Demokratischen Republik Kongo betroffen, hieĂ es vom WRI in Washington.
Rund 729.000 Quadratkilometer wurden im brasilianischen Amazonasgebiet nach Angaben des Nationalen Instituts fĂŒr Weltraumforschung (Inpe) bis zum Jahr 2020 insgesamt bereits abgeholzt, was 17 Prozent des Ăkosystems entspricht. Das brasilianische Amazonasgebiet gilt als wichtiger CO2-Speicher, erstreckt sich ĂŒber neun Bundesstaaten und entspricht flĂ€chenmĂ€Ăig der GröĂe Westeuropas. Es hat eine wichtige Funktion im internationalen Kampf gegen den Klimawandel.
Nach einem frĂŒheren RĂŒckgang waren Abholzung und BrĂ€nde in der Amtszeit des im Oktober abgewĂ€hlten rechten PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro wieder sehr stark angestiegen. Bolsonaro sah die Region vor allem als ungenutztes wirtschaftliches Potenzial und wollte weitere FlĂ€chen fĂŒr Landwirtschaft und Bergbau erschlieĂen lassen. Die Umwelt- und Kontrollbehörden wurden geschwĂ€cht.
Bolsonaros Nachfolger, der Linkspolitiker Luiz InĂĄcio Lula da Silva, galt in seinen frĂŒheren beiden Amtszeiten (Anfang 2003 - Ende 2010) zwar nicht als GrĂŒner, hat nun aber versprochen, den Umwelt- und Klimaschutz zu stĂ€rken. So ging die Polizei zuletzt mit einem GroĂeinsatz gegen illegale Goldsucher in indigenen Gebieten vor. Allerdings schloss Lula auch eine umstrittene Ălbohrung nahe der MĂŒndung des Amazonas-Flusses in den Atlantik nicht aus.
Der Regenwald des Kongobeckens ist akut bedroht
Nach dem Amazonas-Regenwald ist das Kongobecken das gröĂte verbliebene tropische Waldgebiet - und eines der auĂergewöhnlichsten Ăkosysteme der Welt. Die «Lunge Afrikas» erstreckt sich von der Demokratischen Republik Kongo auch in die angrenzenden LĂ€nder Gabun, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Ăquatorialguinea und die Republik Kongo. Laut WWF gibt es im Kongobecken rund 10.000 Arten tropischer Pflanzen, von denen knapp ein Drittel nur in dieser Region vorkommen.
Dank dieser vielfĂ€ltigen, dichten Vegetation gehört der Regenwald des Kongobeckens zu den wichtigsten Kohlenstoffsenken weltweit. Das heiĂt, der Wald entzieht der AtmosphĂ€re Kohlenstoffdioxid - laut Wissenschaftlern der UniversitĂ€t Leeds jĂ€hrlich 1,5 Milliarden Tonnen. Gleichzeitig werden im Kongobecken groĂe Mengen an Erdöl und Erdgas vermutet. Das will die kongolesische Regierung kĂŒnftig fördern und hat im vergangenen Jahr trotz Protesten von Natur- und KlimaschĂŒtzern entsprechende Projekte ausgeschrieben.
In Ghana, Bolivien und Angola habe der Verlust des Waldes am stÀrksten zugenommen, hieà es vom WRI. Unter anderem Indonesien und Malaysia dagegen hÀtten den Verlust ihrer WÀlder auf niedrigem Niveau halten können.
Mit Hilfe der Plattform Global Forest Watch beobachten zahlreiche Naturschutzorganisationen unter Leitung des WRI seit 2014 unter anderem mit Satellitentechnik VerÀnderungen von Waldlandschaften weltweit. Das WRI erstellte den darauf basierenden Report jÀhrlich gemeinsam mit Forschenden der UniversitÀt Maryland.
Urwald, also vom Menschen weitgehend unberĂŒhrter Naturwald, hat eine groĂe Bedeutung bei der Erhaltung von BiodiversitĂ€t und ist bei der Speicherung von Kohlendioxid - kurz CO2 - besonders wichtig. Durch die 2022 zerstörte FlĂ€che seien 2,7 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt worden, rechneten die Autoren der Studie vor. Dies entspreche ungefĂ€hr den jĂ€hrlichen Emissionen durch fossile Brennstoffe in Indien. «Mitten in der BiodiversitĂ€ts- und Klimakrise können wir uns das schlichtweg nicht leisten», sagte Winter vom WWF Deutschland.


