Trump erklärt Künstliche Intelligenz zum Feind und will „Superintelligenz“ durchsetzen
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 18:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
US-Präsident Donald Trump will den etablierten Begriff Künstliche Intelligenz durch „Superintelligenz“ ersetzen und bezeichnet jeden, der weiterhin von Künstlicher Intelligenz spricht, als „DER FEIND“.
Trump setzt auf neuen Begriff
Trump verkündete seine Forderung auf seiner Online-Plattform Truth Social. Seine Bezeichnung sei „hoch akzeptiert“ und genauer, schrieb der Präsident.
Trump versucht bereits seit Wochen, „Superintelligenz“ an die Stelle von Künstlicher Intelligenz zu setzen. Er begründet dies unter anderem damit, dass das Wort „künstlich“ beziehungsweise „artificial“ die Technologie unecht erscheinen lasse.
Unternehmen bleiben beim etablierten Namen
Tech-Milliardär Elon Musk kündigte nach Trumps Vorstoß an, seine KI-Firma SpaceXAI in SpaceXSI umbenennen zu wollen. Auch in einer Ende September im Weißen Haus unterzeichneten Sicherheits-Selbstverpflichtung großer KI-Unternehmen wurde der Begriff „Superintelligenz“ verwendet.
OpenAI und Anthropic verwenden weiter KI
Die Branchenschwergewichte OpenAI und Anthropic nutzen dagegen weiterhin den bekannten Begriff Artificial Intelligence, kurz AI. Selbst auf Truth Social ist neben Trumps Beitrag weiterhin ein Link zur hauseigenen Suchfunktion „Truth Search AI“ zu sehen.
Vom politischen Schlagwort zum Branchenbegriff
Die Umbenennung ist zunächst vor allem ein politischer und kommunikativer Vorstoß. „Künstliche Intelligenz“ ist international als Sammelbegriff für Verfahren etabliert, die etwa Texte erzeugen, Bilder analysieren, Prognosen erstellen oder Entscheidungen unterstützen. „Superintelligenz“ bezeichnet dagegen üblicherweise eine hypothetische oder künftig erwartete Form, die menschliche Fähigkeiten in vielen Bereichen übertreffen könnte. Die Begriffe sind daher nicht deckungsgleich.
Trump verbindet mit dem neuen Ausdruck eine Aufwertung der Technologie. Seine Kritik am Wort „artificial“ zielt darauf, den Eindruck des Unechten oder bloß Nachgebildeten zurückzudrängen. Zugleich verschiebt sich die Debatte damit von konkreten Anwendungen und Risiken hin zu einer Zukunftserzählung über besonders leistungsfähige Systeme.
Folgen für Unternehmen und Öffentlichkeit
Für Unternehmen würde ein solcher Sprachwechsel zunächst vor allem Marken, Produktnamen und öffentliche Kommunikation betreffen. Dass nach Trumps Vorstoß verstärkt slowenische „.si“-Internetadressen registriert wurden, zeigt, wie schnell politische Begriffe kommerzielle Erwartungen auslösen können. Der Vorgang verändert jedoch nicht automatisch die technischen Eigenschaften der Systeme.
In der politischen Diskussion bleibt entscheidend, welche Regeln für Datenschutz, Urheberrecht, Sicherheit und Haftung gelten. Auch deutsche Sicherheits- und Wirtschaftsvertreter betonen, dass die gegenwärtigen Herausforderungen vor allem in Cyberkriminalität, schlecht abgesicherten Anwendungen und der Abhängigkeit von ausländischen Anbietern liegen. Der Streit um die Bezeichnung lenkt davon nicht ab, dass Regulierung und technologische Souveränität die konkreten Kernfragen bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Trumps „Superintelligenz“-Rebranding lässt .si-Domainverkäufe in die Höhe schnellen“ (06.10.2026)
Der Bericht bestätige Trumps Vorstoß und stelle die wirtschaftlichen Nebenwirkungen des neuen Begriffs in den Mittelpunkt. Er berichte von stark gestiegenen Registrierungen slowenischer „.si“-Domains und hebe hervor, dass der Großteil der Käufer offenbar auf einen möglichen Branding-Effekt spekuliere; die tatsächliche Übernahme des Begriffs durch die Branche bleibe damit offen.
n-tv: „„Extrem angespannte Lage“: KI-Weltuntergang fällt derzeit aus, aber Bundesregierung warnt“ (07.10.2026)
Der Artikel ordne den Begriff „Superintelligenz“ in die internationale Debatte über mögliche extreme KI-Risiken ein. Zugleich betone er, deutsche Sicherheits- und Wirtschaftsvertreter sähen die unmittelbaren Gefahren vor allem bei Cyberangriffen, Kriminalität und unsicheren Anwendungen; damit setze der Bericht einen deutlich sachbezogeneren Schwerpunkt als Trumps sprachpolitische Kampagne.
Beide Beiträge bestätigten den Bedeutungsgewinn des neuen Schlagworts, legten den Fokus jedoch unterschiedlich: auf einen digitalen Spekulationsboom beziehungsweise auf Sicherheits- und Standortfragen. Offen bleibe, ob „Superintelligenz“ über Trumps politisches Umfeld hinaus zu einem dauerhaft verwendeten Branchenbegriff werde.
