Typ-1-Diabetes, Finerenon

Typ-1-Diabetes: Finerenon senkt eGFR bei 242 Erwachsenen zunächst leicht

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Empfehlungen verbinden Herz- und Nierentherapie; Analysen zeigen Finerenons Wirkung und einen reversiblen eGFR-RĂĽckgang bei Typ-1-Diabetes.
Ein Stethoskop liegt auf einem hellen Schreibtisch in einer medizinischen Praxis, im Hintergrund schemenhaft anatomische Darstellungen von Herz und Nieren. Illustration mit AI erstellt.

Fachpublikationen widmen sich verstärkt der gemeinsamen Behandlung von Herz- und Nierenfunktionsstörungen bei chronischen Krankheitsbildern. Neue Leitlinien sowie jüngste Studiendaten zu Wirkstoffen wie Finerenon verändern den therapeutischen Ansatz in der Kardiologie und Nephrologie grundlegend.

Im Mittelpunkt steht dabei das Verständnis, dass Funktionsverluste beider Organsysteme eng miteinander verknüpft sind und folglich gemeinsam therapiert werden müssen.

Integrierter Ansatz der kardiologischen Fachgesellschaften

Die European Society of Cardiology hat in Zusammenarbeit mit der European Renal Association erstmals Leitlinien erarbeitet, die sich speziell der integrierten Behandlung von Herz- und Nierenerkrankungen widmen.

Als zentrale Begründung für dieses gemeinsame Regelwerk gilt der Umstand, dass eine chronische Nierenerkrankung das Fortschreiten kardiovaskulärer Erkrankungen beschleunigt und dieser Prozess auch in umgekehrter Richtung wirksam ist, wie Task-Force-Vorsitzender Kevin Damman hervorhob.

Aus diesem Grund empfehlen die Leitlinien ein konsequentes Screening jedes Patienten mit kardiovaskulären Leiden auf das Vorliegen einer Niereninsuffizienz. Zudem raten die Autoren zum Einsatz validierter Risikoscore-Tools, welche die Nierenfunktion explizit berücksichtigen.

Therapeutisch wird ein früher Einsatz von Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) und SGLT2-Inhibitoren in Kombination mit Statinen empfohlen. Gleichzeitig sei eine regelmäßige Dosisanpassung der Medikation an die jeweilige Nierenfunktion erforderlich.

Das Konzept sieht eine multidisziplinäre Betreuung vor, die Patienten sowie Angehörige aktiv einbindet. William Herrington betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer aktiven Kommunikation zwischen den beteiligten Fachdisziplinen und wies auf den Bedarf an weiterer Forschung hin, um bestehende Evidenzlücken zu schließen.

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Neue Erkenntnisse zum Einsatz von Finerenon

Parallel zu den Leitlinienempfehlungen liefern klinische Untersuchungen neue Erkenntnisse ĂĽber den Nutzen von Finerenon, einem nichtsteroidalen Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten.

In sekundären Analysen der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD zeigte die Substanz eine deutliche Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse wie kardiovaskulärem Tod, nicht tödlichem akutem Myokardinfarkt und Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz.

Für Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Ejektionsfraktion sowie einer linksventrikulären Auswurffraktion von mindestens 40 Prozent läuft derzeit die Studie FINEARTS-HF. Hinsichtlich des Sicherheitsprofils weist Finerenon ein geringeres Hyperkaliämie-Risiko als bisherige Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten auf, was eine langfristige Verabreichung erleichtert.

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Studienergebnisse bei Typ-1-Diabetes

Zusätzliche Daten liefert die in Fachpublikationen vorgestellte FINE-ONE-Analyse an 242 erwachsenen Personen mit Typ-1-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung unter stabiler RAS-Hemmung.

Zu den Einschlusskriterien zählten eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) von 25 bis unter 90 ml/min/1,73 m² sowie ein Urin-Albumin-Kreatinin-Verhältnis (UACR) von 200 bis unter 5000 mg/g.

Unter Finerenon sank die eGFR nach einem Monat akut und reversibel um durchschnittlich 2,78 ml/min/1,73 m² (95%-KI -4,15 bis -1,40), verglichen mit einer Reduktion um 0,78 ml/min/1,73 m² unter Placebo (95%-KI -2,22 bis 0,66).

Die ermittelte Behandlungsdifferenz belief sich auf -1,99 ml/min/1,73 m² (95%-KI -3,97 bis -0,01; p=0,049). Dieser initiale Rückgang erwies sich als gut verträglich und führte zu keinen unerwarteten Sicherheitssignalen.

Zudem korrelierte der Effekt stärker mit einer Reduktion des UACR. Das Fazit der Analyse besagt, dass diese leichte, reversible Absenkung der Filtrationsleistung ein erwarteter pharmakodynamischer Effekt der Substanzklasse ist und keinen Anlass für einen Therapieabbruch darstellt.

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de | wissenschaft | 70441501 |