Typ-2-Diabetes, Remission

Typ-2-Diabetes: 54 Prozent Remission nach 24 Wochen mit Diät und Training

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach 24 Wochen erreichten 54 Prozent der Interventionsgruppe eine Diabetesremission; zugleich sank ihr Gewicht im Mittel um 8,4 Kilogramm.
Ein minimalistisch gestalteter Küchentisch mit frischem Gemüse und einem Glas Wasser in natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine Kombination aus stark kalorienreduzierter Kost und strukturiertem Bewegungstraining kann bei jungen Erwachsenen mit Adipositas zu einer vollständigen Remission des Typ-2-Diabetes führen. Dies belegen die Ergebnisse der RESET-for-Remission-Studie, die von Forschenden der McGill University und der University of Leicester geleitet, auf dem Kongress der European Association for the Study of Diabetes in Mailand präsentiert und im Fachjournal The Lancet Regional Health – Americas publiziert wurde.

Nach 24 Wochen erreichten 27 von 50 Teilnehmenden (54 %) in der Interventionsgruppe eine Remission, verglichen mit lediglich 2 von 46 Personen (4 %) unter üblicher medizinischer Versorgung.

Deutlicher Gewichtsverlust und Reduktion von Organfett

Als Remission definierten die Forschenden einen Blutzuckerwert unterhalb der diagnostischen Schwelle (HbA1c von unter 6,5 % beziehungsweise 48 mmol/mol) über einen Zeitraum von mindestens 12 Wochen ohne den Einsatz von Diabetesmedikamenten. An der Studie nahmen 96 Erwachsene im Alter von 18 bis 45 Jahren teil, deren mittleres Alter bei 38 Jahren lag.

Das Teilnehmerfeld wies einen durchschnittlichen Body-Mass-Index von 35,2 auf und erhielt keine Insulintherapie. Die Untersuchung fand an drei Zentren in England und Kanada statt – konkret in Leicester, Montréal und Edmonton. 86 von 96 Teilnehmenden (90 %) schlossen die Abschlussuntersuchung ab.

Das Interventionsprogramm umfasste in den Wochen 1 bis 12 eine Zufuhr von 800 bis 900 Kilokalorien pro Tag, beginnend mit einem zweiwöchigen Mahlzeitenersatz und dem anschließenden schrittweisen Übergang zu einer normalen Mahlzeit.

Flankiert wurde dies von aerobem Training und Krafttraining, das zweimal wöchentlich supervidiert und einmal wöchentlich selbstständig absolviert wurde. Die Wochen 13 bis 24 sahen eine Erhaltungsernährung sowie rein selbstständiges Training vor.

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Die Interventionsgruppe erzielte einen mittleren Gewichtsverlust von 8,4 Kilogramm (von durchschnittlich 100,7 Kilogramm auf 92,3 Kilogramm), während die Kontrollgruppe lediglich 1,2 Kilogramm verlor.

Die adjustierte Differenz lag bei 7,5 Kilogramm, wovon 6,6 Kilogramm auf Fettgewebe entfielen. Magnetresonanztomografien zeigten einen Verlust von mehr als 9 % Leberfett und mehr als 24 % viszeralem Fett bei unverändertem Muskelvolumen.

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Die Fitness verbesserte sich relativ zum Körpergewicht um 10 %. Nebenwirkungen traten bei 43 von 50 Teilnehmenden auf (Kontrollgruppe: 6 von 46); berichtet wurden vor allem Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel und Fatigue, schwere unerwünschte Ereignisse blieben aus.

Forschungsfragen und Abgrenzung zu medikamentösen Ansätzen

Die Studienleitung unter Dr. Kaberi Dasgupta (McGill) und Prof. Tom Yates (Leicester) – finanziert durch den UK Medical Research Council, die Canadian Institutes of Health Research sowie die John R. McConnell Foundation – wies auf Einschränkungen hin. Es lasse sich nicht differenzieren, welcher Anteil des Erfolgs auf Bewegung und welcher auf die Ernährung zurückgehe. Zudem müsse die Dauer der Remission weiter überprüft werden. Eine solch restriktive Diät solle zudem keinesfalls ohne ärztliche Begleitung erfolgen.

Parallel zu Lebensstilinterventionen spielen medikamentöse Therapien eine wachsende Rolle im Gewichtsmanagement. Nach Angaben von Dr. med. Annic Baumgartner vom Kantonsspital Aarau senken GLP-1-Rezeptor-Agonisten die Nahrungsaufnahme um 20 bis 40 % und ermöglichen Gewichtsreduktionen von 10 bis 15 % unter Semaglutid sowie 15 bis 20 % unter Tirzepatid.

In der Schweiz erhielten 2025 rund 46.000 Menschen entsprechende Präparate über die Krankenkassenabrechnung. Fachleute verweisen jedoch auch auf Aspekte wie Magenentleerungsverzögerungen oder Mikronährstoffmängel.

Zudem betont Prof. Matthias Blüher von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft und der Universität Leipzig, dass nach dem Absetzen von GLP-1-Therapien häufig Gewichtszunahmen drohen, weshalb Lebensstilprogramme als langfristiges Fundament zentral bleiben.

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