Typ-2-Diabetes: 80 Prozent erhalten trotz Risiken keine passende Therapie
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Behandlung von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und steatotischer Lebererkrankung vollzieht sich ein grundlegender Wandel. FachbeitrÀge heben hervor, dass Inkretinanaloga, SGLT2-Hemmer und Statine aus der modernen Versorgung betroffener Patienten nicht mehr wegzudenken sind.
Zwar liegen fĂŒr fortgeschrittene Stadien wie die Leberzirrhose bislang nur begrenzte Daten vor, Fachleute betonen jedoch, dass diese Substanzen Personen mit Lebererkrankungen keineswegs vorenthalten werden sollten.
MASLD als kardiometabolische Systemerkrankung
Die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) ist definiert als Nachweis einer Steatosis hepatis mittels Bildgebung oder Biopsie in Kombination mit mindestens einem kardiometabolischen Risikofaktor. Der Krankheitsverlauf birgt erhebliche Risiken: Die Erkrankung kann ĂŒber die entzĂŒndliche Form MASH und fortschreitende Fibrosierung bis hin zum hepatozellulĂ€ren Karzinom voranschreiten.
Parallel dazu rĂŒckt auch das ADA/EASD-Konsensus-Update das Krankheitsbild des Typ-2-Diabetes in ein neues Licht. Die Erkrankung wird darin als komplexe, vorwiegend adipositasgetriebene Systemerkrankung beschrieben, womit sich der Schwerpunkt weg von der reinen HyperglykĂ€mie hin zu einem deutlich frĂŒheren Einsatz organprotektiver Therapien verschiebt.
Empfohlen wird ein strukturiertes Screening ab Diagnosestellung auf Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz, MASLD, obstruktive Schlafapnoe sowie Parodontal-, psychische und geschlechtsspezifische Gesundheit. Erstmals wird dabei auch die chronische niedriggradige Inflammation als ergÀnzendes, potenziell modifizierbares Therapieziel adressiert.
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Klinische Evidenz und Nutzen von Inkretintherapien
Mehrere Untersuchungen untermauern den Nutzen moderner Wirkstoffklassen bei hepatischen und metabolischen Indikationen. Eine retrospektive Kohortenstudie des Houston Methodist Research Institute bei Erwachsenen ab 65 Jahren mit MASLD, basierend auf einem Propensity-Score-Matching mit 43.930 Patienten pro Kohorte, zeigte unter der Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten ein verringertes Risiko fĂŒr hepatische Dekompensation mit einer Hazard Ratio von 0,72 sowie eine reduzierte MortalitĂ€t mit einer Hazard Ratio von 0,55. Auch das Risiko fĂŒr Hospitalisierungen sank geringfĂŒgig auf eine Hazard Ratio von 0,95, wĂ€hrend eine Reduktion schwerer kardiovaskulĂ€rer Ereignisse in dieser Auswertung nicht verzeichnet wurde.
Zugleich zeigten sich spezifische Nebenwirkungsprofile: Osteoporose ohne Fraktur sowie Retinopathien traten in der beobachteten Gruppe hÀufiger auf, und gastrointestinale Ereignisse wurden vermehrt als Erstereignis dokumentiert.
Hinsichtlich Pankreatitis, Sarkopenie oder Frakturen zeigten sich hingegen keine signifikanten Unterschiede. Ein Expertenkonsens zu Typ-2-Diabetes mit MASLD hebt hervor, dass GLP-1-Injektionen neben der Senkung des Blutzuckers und des Gewichts gezielt den Leberstoffwechsel verbessern sollen.
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Neuere WirkstoffansĂ€tze wie der duale Agonist Mazdutid wurden in klinischen PrĂŒfungen wie den Studien DREAMS-1 und GLORY-1 bewertet. Fachleute weisen darauf hin, dass Therapien individuell nach Blutzucker, Leberfunktion und KomorbiditĂ€ten Ă€rztlich gesteuert werden mĂŒssen.
Leitlinienempfehlungen und bestehende VersorgungslĂŒcken
Trotz klarer Leitlinienempfehlungen klafft in der Versorgungspraxis weiterhin eine deutliche LĂŒcke. So verwies eine US-Studie darauf, dass bei fast sieben Millionen Patienten mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulĂ€rer oder renaler Begleiterkrankung rund 80 Prozent der fĂŒr eine leitliniengerechte kardiorenale Therapie geeigneten Personen kein entsprechendes Rezept aufwiesen.
Eine europĂ€ische Untersuchung bei Facharzt-Ambulanzpatienten ergab, dass von den fĂŒr eine renoprotektive Behandlung qualifizierten Patienten lediglich jeweils 42 Prozent SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptoragonisten erhielten, wĂ€hrend nichtsteroidale Mineralokortikoidrezeptorantagonisten nur bei 7 Prozent eingesetzt wurden.
Neue Fachleitlinien wie die gemeinsame Richtlinie von ESC und ERA betonen daher strukturierte Screening- und Interventionskonzepte. Unter dem Akronym âSTAMP on CKDâ fordern Experten die konsequente NierenfunktionsprĂŒfung mittels eGFR und Albuminurie sowie den frĂŒhzeitigen Einsatz protektiver Substanzen, um kardiorenale und metabolische FolgeschĂ€den frĂŒhzeitig abzufedern.
