Typ-2-Diabetes bei jungen Menschen: ADHS-PrÀvalenz mehr als doppelt so hoch
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Forschungsergebnisse deuten auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung und dem Auftreten neurodivergenter Störungen hin. Eine umfassende Datenanalyse, die im Rahmen der EASD-Jahrestagung in Mailand thematisiert wurde, zeigt, dass insbesondere bei jungen Patienten mit Typ-2-Diabetes eine deutlich höhere PrÀvalenz von Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitÀtsstörungen (ADHS) und Autismus festzustellen ist.
Datenanalyse ĂŒber zwei Jahrzehnte
Grundlage der Erkenntnisse ist die sogenannte TriNetX-US-Auswertung. Diese groĂflĂ€chige Untersuchung stĂŒtzt sich auf einen Datensatz von insgesamt ĂŒber sechs Millionen Teilnehmern.
Laut Berichten vom 26. September 2026 umfasste die Erhebung konkret 4,2 Millionen Personen, bei denen im Zeitraum zwischen MĂ€rz 2006 und MĂ€rz 2026 neu ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde. Diese Gruppe wurde einer Kontrollgruppe von 17,1 Millionen Personen ohne Diabetes-Diagnose gegenĂŒbergestellt.
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FĂŒr die detaillierte Auswertung wurden 3,4 Millionen gematchte Paare gebildet, wobei die Teilnehmenden ein Alter von unter 80 Jahren aufwiesen. Die ĂŒber einen Zeitraum von zwanzig Jahren gesammelten Daten ermöglichen eine differenzierte Betrachtung der HĂ€ufigkeit von neurodivergenten Störungen in AbhĂ€ngigkeit vom Alter zum Zeitpunkt der Diabetes-Diagnose.
Markante HĂ€ufung bei Diagnosen im frĂŒhen Lebensalter
Die statistischen Auswertungen verdeutlichen, dass das Risiko fĂŒr neurodivergente Störungen besonders stark ausgeprĂ€gt ist, wenn die Diagnose Typ-2-Diabetes bereits in jungen Jahren gestellt wird. Den vorliegenden Daten zufolge lag die PrĂ€valenz von ADHS bei Patienten, die vor ihrem 20. Lebensjahr erkrankten, bei 14,4 Prozent. In der Vergleichsgruppe ohne Diabetes betrug dieser Wert lediglich 6,9 Prozent.
Ein Ă€hnliches Bild zeigt sich bei Autismus-Spektrum-Störungen. In der Gruppe der unter 20-JĂ€hrigen mit Typ-2-Diabetes wurde eine PrĂ€valenz von 5,72 Prozent ermittelt, wĂ€hrend der Anteil in der Kontrollgruppe bei 1,79 Prozent lag. DarĂŒber hinaus wurde beobachtet, dass Dyslexie (Lese-Rechtschreib-Störung) bei Patienten mit Typ-2-Diabetes insgesamt etwa doppelt so hĂ€ufig auftrat wie bei Personen ohne diese Stoffwechselerkrankung.
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Ergebnisse in höheren Alterssegmenten und methodische Grenzen
Mit zunehmendem Alter bei der Diabetes-Diagnose scheint der statistische Zusammenhang zwischen der Stoffwechselstörung und neurodivergenten Befunden schwĂ€cher zu werden. Bei Patienten, die erst im Alter zwischen 70 und 79 Jahren die Diagnose Typ-2-Diabetes erhielten, lag die ADHS-Rate bei 0,25 Prozent gegenĂŒber 0,18 Prozent in der Kontrollgruppe.
Auch bei Autismus wurde in dieser Altersgruppe zwar eine 1,24-mal höhere HÀufigkeit festgestellt, die absoluten Werte blieben jedoch in beiden untersuchten Gruppen unter der Marke von 0,01 Prozent.
Trotz der groĂen Datenmenge weisen Forscher auf die methodischen Grenzen der Untersuchung hin. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die zwar Korrelationen aufzeigt, jedoch keinen direkten KausalitĂ€tsnachweis erbringt.
Die Daten belegen demnach nicht zwangslĂ€ufig eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen der Diabetes-Erkrankung und der Entwicklung neurodivergenter Störungen. Die Ergebnisse liefern jedoch wichtige Anhaltspunkte fĂŒr die klinische Ăberwachung und das Management von jungen Patienten mit chronischen Stoffwechselerkrankungen.
