Typ-2-Diabetes: CGM verbessert die Zeit im Zielbereich um 21 Prozentpunkte
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 06:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deLaut einem Bericht von Redacción Médica vom 22. Oktober 2026 rückt der bevölkerungsweite Einsatz von kontinuierlichen Glukosesensoren (CGM) zur Eindämmung von Prädiabetes zunehmend in den Fokus gesundheitspolitischer und medizinischer Debatten.
Während die Technologie zur kontinuierlichen Glukosemessung bislang vorrangig bei manifesten Diabetes-Erkrankungen eingesetzt wird, diskutiert die Fachwelt vermehrt über präventive Anwendungen, um Stoffwechselentgleisungen frühzeitig zu erkennen und abzufedern.
Prädiabetes eröffnet Zeitfenster zur Gegensteuerung
Die Dringlichkeit frühzeitiger Maßnahmen unterstreichen aktuelle Erkenntnisse der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Forscher beschrieben sechs unterschiedliche Prädiabetes-Typen, die mit stark variierenden Risiken für die Entstehung von Typ-2-Diabetes und entsprechenden Folgeschäden einhergehen. Laut Prof. Julia Szendrödi von der DDG eröffnet das Stadium des Prädiabetes ein entscheidendes Zeitfenster für eine gezielte Gegensteuerung.
Wie effektiv entsprechende Gegenmaßnahmen sein können, zeigen wissenschaftliche Erhebungen: Laut Prof. Andreas Fritsche senkt eine intensive Lebensstilintervention bei Hochrisiko-Prädiabetes das Leberfett relativ um 37 Prozent, während eine herkömmliche Intervention eine Reduktion um 24 Prozent erzielt.
Teilnehmer, die durch solche Programme Gewicht verloren und wieder normale Blutzuckerwerte erreichten, wiesen zwei Jahre nach der Intervention ein um 73 Prozent geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes auf. Zur individuellen Einschätzung des Erkrankungsrisikos innerhalb von zehn Jahren wird unter anderem der DIfE-Risikotest herangezogen.
Welche volkswirtschaftliche Relevanz der Prävention zukommt, verdeutlichen auch die finanziellen Belastungen des Gesundheitssystems: Die diabetesbezogenen Gesundheitsausgaben in Deutschland wurden für das Jahr 2024 auf geschätzt rund 36 Milliarden Euro beziffert.
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Erweiterte Leitlinien und veränderte Zielgruppen
CGM-Sensoren werden direkt auf der Haut getragen und messen alle paar Minuten die Glukosewerte in der Interzellularflüssigkeit des Unterhautgewebes. Die Messwerte werden im Vergleich zu klassischen Blutmessungen zeitverzögert dargestellt und erfordern regelmäßige Kalibrierungen.
Bislang nutzen überwiegend Menschen mit Typ-1-Diabetes diese Geräte. Fachautoren empfehlen Patienten mit Typ-2-Diabetes jedoch zunehmend, den Einsatz von CGM-Systemen mit dem Hausarzt zu besprechen. Vor diesem Hintergrund äußerte Oser die Hoffnung auf eine Stärkung nationaler Leitlinien sowie eine Ausweitung des Versicherungsschutzes.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in offiziellen Handlungsempfehlungen wider. Die American Diabetes Association erweiterte in ihren Diabetes Care Guidelines für das Jahr 2026 die Empfehlungen für den Einsatz von CGM-Geräten. Diese sollen nun auch für Patienten ohne Insulintherapie in Betracht gezogen werden, wenn sie andere hypoglykämieauslösende Medikamente einnehmen oder ihr Glukosemanagement durch eine kontinuierliche Überwachung verbessert werden kann.
Wang Jingyuan, Vizedirektor am NTU Hospital Cancer Center, hob hervor, dass CGM nicht mehr ausschließlich der Vermeidung von Hypoglykämien diene, sondern auch der Kontrolle von Glukoseschwankungen und der allgemeinen Stabilität des Glukosestoffwechsels zugutekomme.
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Klinische Belege für den Nutzen ohne Insulintherapie
Zusätzlichen Rückhalt erhält die Ausweitung des Anwendungsbereichs durch die CONNECT-Studie des Herstellers DexCom, die am 14. Oktober 2026 online im New England Journal of Medicine publiziert wurde. Die Untersuchung begleitete über einen Zeitraum von 26 Wochen Erwachsene mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie an 22 Hausarztpraxen.
Bei den 145 Patienten der CGM-Gruppe sank der HbA1c-Wert von 8,8 auf 7,2 Prozent, während er bei den 138 Teilnehmern unter Routineversorgung von 8,7 auf 8,0 Prozent zurückging, was einer adjustierten Differenz von -0,9 Prozentpunkten entspricht.
Zudem stieg die Zeit im Zielbereich zwischen 70 und 180 mg/dL unter Verwendung des G7-CGM-Sensors um 21 Prozentpunkte. Die Differenz bei der Zeit unter 54 mg/dL lag bei -0,17 Prozentpunkten und unter 70 mg/dL bei -0,20 Prozentpunkten (P<0,001 für Nichtunterlegenheit; P=0,004 für Überlegenheit).
Studienautor Roy W. Beck vom Jaeb Center empfahl auf Basis dieser Ergebnisse, den Einsatz von CGM bereits zu einem früheren Zeitpunkt in der Therapie des Typ-2-Diabetes in Erwägung zu ziehen. Die Studie wurde von DexCom finanziert.
