Typ-2-Diabetes, Kombiniertes

Typ-2-Diabetes: Kombiniertes Training und Diät führen bei 54 Prozent zur Remission

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehr Muskelverfettung geht mit Stoffwechselrisiken einher; ein 24-wöchiges Programm erzielte bei 54 Prozent Diabetes-Remission.
Ein minimalistischer, leerer Fitnessraum mit Hantelablagen und Bodenbelag bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen zunehmend den Einfluss der Körperzusammensetzung auf das Risiko kardiometabolischer Erkrankungen. Aktuelle Berichte zeigen, dass eine höhere fettfreie Muskelmasse und eine geringe Verfettung des Muskelgewebes wesentlich dazu beitragen können, Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes vorzubeugen oder den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Muskelqualität und kardiometabolische Parameter

Welche Bedeutung die Beschaffenheit der Muskulatur für die Gesundheit hat, belegt eine Untersuchung im Rahmen der deutschen NAKO-Bevölkerungsstudie, die im Fachjournal Radiology veröffentlicht wurde. Forscher analysierten mittels Ganzkörper-MRT und Deep-Learning-Verfahren die Daten von 11.348 Personen ohne Vorerkrankungen mit einem medianen Alter von 43 Jahren und einem Männeranteil von 56,9 Prozent.

Die Auswertung ergab, dass ein höherer Anteil an intermuskulärem Fettgewebe (IMAT) mit kardiometabolischen Auffälligkeiten verknüpft ist: Die statistische Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck lag um rund 67 Prozent höher, für atherogene Fettstoffwechselstörungen um rund 82 Prozent, zudem bestand ein Zusammenhang mit einer gestörten Blutzuckerkontrolle.

Umgekehrt wiesen Männer mit einer höheren fettfreien Muskelmasse günstigere Werte auf. Bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit für eine gestörte Blutzuckerkontrolle um rund 49 Prozent, für Fettstoffwechselstörungen um rund 51 Prozent und für Bluthochdruck um rund 66 Prozent geringer.

Bei Frauen trat dieser protektive Zusammenhang in der Untersuchung nicht in dieser Form auf. Risikofaktoren traten insgesamt besonders gehäuft bei Personen mit hohem IMAT und geringer fettfreier Muskelmasse auf.

Remission von Typ-2-Diabetes durch kombinierte Interventionen

Dass der gezielte Erhalt von Muskelgewebe bei gleichzeitiger Fettreduktion bestehende Stoffwechselstörungen umkehren kann, demonstrierte ein Forschungsteam der Universität Leicester um Professor Tom Yates und der McGill University um Professor Kaberi Dasgupta.

Ihre im Fachjournal The Lancet Regional Health – Americas publizierte und auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes vorgestellte Studie untersuchte 96 Erwachsene im Alter von 18 bis 45 Jahren mit früh einsetzendem Typ-2-Diabetes und Adipositas, die kein Insulin spritzten.

Ein 24-wöchiges Programm sah in den ersten zwölf Wochen eine strikte Diät mit 800 bis 900 Kilokalorien pro Tag kombiniert mit strukturiertem Kraft- und Ausdauertraining vor, gefolgt von einer Phase zur Gewichtserhaltung.

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Nach 24 Wochen erreichten 54 Prozent der Teilnehmenden in der Interventionsgruppe eine Remission des Diabetes – definiert als ein HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent für mindestens drei Monate ohne Medikamente –, verglichen mit lediglich 4 Prozent in der Standardversorgung. Die Wahrscheinlichkeit einer Remission war damit rund 21-mal höher.

Die Probanden verloren im Schnitt 7,5 bis 8,4 Kilogramm mehr Gewicht als die Kontrollgruppe, gezielt an Bauch und Oberschenkeln. Die Muskelmasse blieb laut MRT-Messungen erhalten, die Muskelverfettung ging zurück und die Greifkraft sowie die Herzstruktur verbesserten sich.

Gefahren der sarkopenischen Adipositas

Ein gleichzeitiger Mangel an Muskelmasse bei bestehendem Übergewicht birgt erhebliche Stoffwechselrisiken. Eine Langzeitanalyse der Curtin University an fast 480.000 Erwachsenen über 14 Jahre, publiziert in Diabetes Care, untersuchte die Auswirkungen von sarkopenischer Adipositas.

Die Kombination aus hohem Körperfett und schlechter Muskelgesundheit steigerte das Typ-2-Diabetes-Risiko um mehr als das 3,5-Fache im Vergleich zu einer gesunden Körperzusammensetzung. Das Risiko lag damit 19 Prozent höher als bei alleiniger Adipositas und 91 Prozent höher als bei alleiniger Sarkopenie.

Innerhalb eines Jahrzehnts entwickelten fast 15 Prozent der Betroffenen mit sarkopenischer Adipositas einen Diabetes, gegenüber rund 11 Prozent bei alleiniger Adipositas und 3 Prozent bei Personen ohne diese Merkmale. Der Zusammenhang zeigte sich besonders ausgeprägt bei Frauen und Personen unter 60 Jahren.

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Biologische Mechanismen durch Muskelbotenstoffe

Die Vermittlung dieser Schutzeffekte beruht maßgeblich auf Myokinen. Wie Fachleute der Sportmedizin darlegen, schütten die Muskelfasern bei körperlicher Aktivität Hunderte dieser Botenstoffe aus, darunter Interleukin-6, Laktat und Succinat. Interleukin-6 reguliert unter anderem die Insulinsensitivität sowie die Insulinproduktion und wirkt Entzündungsprozessen entgegen.

Da unterschiedliche Trainingsreize verschiedene Myokin-Muster anregen, empfehlen Fachgesellschaften wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft eine regelmäßige Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining, um Muskulatur aufzubauen und Stoffwechselfunktionen stabil zu halten.

Mehr zum Thema bei Deutsches Ärzteblatt: „Typ-2-Diabetes mit frühem Beginn: 50 Prozent Remissionsrate durch strukturierte Diät und Bewegung – News“

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