Typ-2-Diabetes: Lebensstilprogramm erzielt 54 Prozent Remission nach 24 Wochen
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 11:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Berichte verdeutlichen, dass ein signifikanter Anteil der Bevölkerung durch ungünstige Ernährungsgewohnheiten gesundheitlich gefährdet ist. Gleichzeitig belegen aktuelle wissenschaftliche Auswertungen, dass gezielte Lebensstiländerungen in Kombination mit medikamentösen Therapien das kardiovaskuläre Risiko bei Diabetikern massiv senken können.
Hohe Remissionsraten durch strukturierte Programme
Anfang Oktober 2026 vorgestellte Ergebnisse der randomisierten klinischen Studie RESET for Remission, publiziert in The Lancet Regional Health Americas und präsentiert auf dem EASD-Kongress in Mailand, demonstrieren das Potenzial intensiver Lebensstilinterventionen.
Bei Teilnehmenden mit Adipositas und frühem, nicht insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes erzielte ein strukturiertes Programm aus Kalorienrestriktion und Bewegung nach 24 Wochen eine Remissionsrate von 54 Prozent.
Die Teilnehmenden tranken täglich mindestens zwei Liter kalorienfreie Flüssigkeit und erhielten bei Bedarf ein Ballaststoff-Laxans. In den Wochen 13 bis 24 folgten eine Ernährung zum Gewichtserhalt sowie eigenständiges Training.
Gegenüber der Kontrollgruppe ergab sich ein adjustierter Unterschied beim Gewichtsverlust von 7,5 Kilogramm, wovon 6,6 Kilogramm auf Fettmasse entfielen. Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Demnach lebten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2022 weltweit über 830 Millionen Menschen mit Diabetes.
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Ebenfalls auf dem 62. EASD-Kongress stellte Qiuyu Feng aus Leiden fest, dass moderate bis intensive körperliche Aktivität das Typ-2-Diabetes-Risiko in jedem Alter senkt. Während der relative Nutzen bei jüngeren Erwachsenen größer ausfällt, ist der absolute Präventionsnutzen bei älteren Personen sowie Menschen mit Prädiabetes am höchsten. Die WHO empfiehlt dafür mindestens 150 Minuten moderate bis intensive Bewegung pro Woche.
Kardiologische Leitlinien und Blutdruckkontrolle
Eng verknüpft mit dem Glukosestoffwechsel ist das Gefäßsystem. Die European Society of Cardiology ordnete in ihrer Leitlinie aus dem Jahr 2024 Blutdruckwerte bis 120/70 mmHg als normal und Werte von 120 bis 139 zu 70 bis 89 mmHg als erhöht ein. Ab 140/90 mmHg liegt eine Hypertonie vor. Bei erhöhten Werten ohne Begleiterkrankungen empfiehlt die Leitlinie zunächst Lebensstiländerungen.
Liegen Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Nierenschäden vor, erfolgt die medikamentöse Behandlung entweder umgehend oder nach drei Monaten; ab 140/90 mmHg greift in der Regel eine sofortige Medikation mit Wirkstoffen wie Diuretika, Kalziumantagonisten, Betablockern, ACE-Hemmern oder Sartanen.
Die Relevanz dieser Maßnahmen unterstreichen statistische Erhebungen: Laut Statistik Austria waren im Jahr 2025 in Österreich 33,4 Prozent aller Todesfälle – insgesamt 29.300 Verstorbene – auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Bei 23.081 von 87.902 Toten war essenzielle Hypertonie auf dem Totenschein vermerkt.
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Kardiologin Julia Mascherbauer vom Universitätsklinikum St. Pölten betonte in diesem Kontext, dass zehn Stunden moderate Bewegung pro Woche das Herzinfarktrisiko um über 30 Prozent senken, während 150 Minuten intensiverer Sport denselben Effekt erzielen. Zudem empfiehlt Mascherbauer ab dem 50. Lebensjahr gezieltes Krafttraining, da bis zum 70. Lebensjahr ein Drittel der Muskelmasse verloren gehe.
Ernährungsfaktoren und bestehende Vorsorgelücken
Ernährungsmuster bleiben ein wesentlicher Hebel zur Risikoreduktion. In Deutschland nehmen Männer im Schnitt täglich 78 Gramm und Frauen 61 Gramm freien Zucker auf; in der Spitze liegt der Konsum bei bis zu 100 Gramm.
Die WHO empfiehlt maximal 50 Gramm und rät zu weniger als 25 Gramm pro Tag. Ernährungsforscher Stefan Kabisch von der Charité Berlin verwies Ende 2025 darauf, dass hoher Zuckerkonsum eine relevante Ursache für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes ist.
Trotz dieser Risiken bestehen Wissenslücken in der Bevölkerung. Eine Umfrage des Instituts Bilendi im Auftrag von Amgen aus dem August 2026 ergab, dass 77 Prozent der Deutschen ihren LDL-Cholesterinwert nicht kennen und der Wert bei 27 Prozent noch nie bestimmt wurde. Zwar wissen 86 Prozent, dass dauerhaft erhöhtes LDL das Herzinfarktrisiko steigert, doch nur 21 Prozent stufen es als einen der drei wichtigsten Faktoren ein.
