Typ-2-Diabetes, Lebensstilprogramm

Typ-2-Diabetes: Lebensstilprogramm erzielt bei 54 Prozent Remission

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer Studie erreichten 54 Prozent der Intensivgruppe nach 24 Wochen eine Remission ohne blutzuckersenkende Medikamente.
Ein heller, minimalistischer Fitnessraum mit Holzboden und einfallendem Sonnenlicht, der eine ruhige und motivierende Atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Körperliche Aktivität in Kombination mit einer reduzierten Kalorienzufuhr kann bei jungen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes zu einer vollständigen Remission führen.

Auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Diabetesforschung (EASD) im Herbst 2026 vorgestellte Daten verdeutlichen das Potenzial strukturierter Lebensstilprogramme: Bei 50 randomisierten Teilnehmern unter 40 Jahren erreichten 50 Prozent nach einem zwölfwöchigen Trainingsprogramm zusätzlich zu einer kalorienarmen Diät eine Remission der Erkrankung.

Neben einem Gewichtsverlust von rund 7 Kilogramm in zwölf Wochen blieben Muskelmasse und Herz-Kreislauf-Funktion erhalten – Vorteile, die durch reine Diätansätze meist nicht erzielt werden.

Ergebnisse der RESET-for-Remission-Studie

Die Daten ergänzen die Erkenntnisse der RESET-for-Remission-Studie, die von Teams der McGill University, der University of Leicester und der University of Alberta durchgeführt und Anfang Oktober 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health Americas publiziert wurde.

Die Untersuchung umfasste 96 Teilnehmer im Alter von 18 bis 45 Jahren mit frühmanifestem Typ-2-Diabetes und Adipositas, die nicht mit Insulin behandelt wurden. Das mittlere Alter lag bei 38 Jahren, der durchschnittliche Body-Mass-Index (BMI) bei 35,2. Insgesamt 86 Probanden schlossen die Abschlussuntersuchungen ab.

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Das Studienprogramm sah für die Intensivgruppe zunächst zwölf Wochen mit einer Energiezufuhr von 800 bis 900 Kilokalorien pro Tag bei pausierter Medikation vor, kombiniert mit betreutem Kraft- und Ausdauertraining zweimal pro Woche sowie einer eigenständigen Trainingseinheit.

Daran schloss sich eine zwölfwöchige Phase zur Gewichtserhaltung an. Nach 24 Wochen wiesen 27 von 50 Teilnehmern (54 Prozent) der Interventionsgruppe eine Remission auf, definiert als ein HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent über mindestens zwölf Wochen ohne blutzuckersenkende Arzneien.

In der Kontrollgruppe unter Standardversorgung gelang dies lediglich 2 von 46 Personen (4 Prozent). Dies entspricht einer adjustierten Odds Ratio von 21,6 (95-Prozent-Konfidenzintervall 6,2 bis 114,5).

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Das Körpergewicht der Interventionsgruppe sank im Schnitt von 100,7 Kilogramm auf 92,3 Kilogramm (minus 8,4 Kilogramm), verglichen mit einer Reduktion von 103,2 Kilogramm auf 102,0 Kilogramm (minus 1,2 Kilogramm) in der Kontrollgruppe. Der adjustierte Mehrverlust betrug 7,5 Kilogramm, wovon 6,6 Kilogramm auf Fettgewebe entfielen.

Nebenwirkungen wie Obstipation, Kopfschmerzen, Schwindel und Fatigue traten bei 43 von 50 Personen in der Intensivgruppe auf, klangen jedoch vollständig ab; schwerwiegende unerwünschte Ereignisse gab es keine. Die Autoren verweisen allerdings auf das offene Studiendesign und die kurze Nachbeobachtungszeit.

Klinische Kriterien und Risiken eines frühen Krankheitsbeginns

Ein internationaler Konsens definiert die Remission als einen HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent über mindestens drei Monate ohne Einnahme von Antidiabetika. Experten betonen, dass Remission keine dauerhafte Heilung bedeutet; bei einer Rückkehr zu ungünstigen Lebensgewohnheiten kann der Blutzucker erneut steigen.

Patienten sollten blutzuckersenkende Mittel keinesfalls eigenmächtig absetzen und auch nach Erreichen einer Remission regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen.

Ein früher Krankheitsbeginn vor dem 40. Lebensjahr birgt durch die jahrzehntelange Glukoseexposition ein hohes Risiko für mikrovaskuläre Folgeschäden wie Retinopathie, Neuropathie und Nierenerkrankungen.

Typ-2-Diabetes verläuft in frühen Phasen oft symptomlos, weshalb die Diagnose mitunter erst bei bereits vorliegenden Spätfolgen erfolgt. Eine frühe und konsequente Lebensstiländerung mit strukturierter Bewegung gilt daher als zentraler Hebel, um Betroffenen eine langfristige Medikamentenabhängigkeit zu ersparen.

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