Typ-2-Diabetes, ADAEASD-Leitlinien

Typ-2-Diabetes: Neue ADA/ EASD-Leitlinien rücken Metformin als Pflichtstart ab

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Leitlinien für 2026 setzen stärker auf Organ- und Gewichtsschutz; mehrere Wirkstoffklassen kommen früh infrage.

Typ-2-Diabetes: ADA und EASD rücken von Metformin als Pflichtstart ab
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einer Untersuchungsliege und medizinischen Instrumenten. Illustration mit AI erstellt.

Die Leitlinien für das Management von Typ-2-Diabetes erfahren eine grundlegende Neuausrichtung. In dem gemeinsamen Konsensuspapier der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) für das Jahr 2026 rückt die strikte Festlegung auf Metformin als zwingenden ersten Behandlungsschritt in den Hintergrund.

Stattdessen sehen die Empfehlungen vor, dass SGLT2-Hemmer oder GLP-1-basierte Therapien einschließlich Tirzepatid bei den meisten Patienten potenziell bereits unmittelbar ab der Diagnose eingesetzt werden können – und zwar unabhängig von Metformin und dem HbA1c-Ausgangswert.

Das Dokument, das in den Fachzeitschriften Diabetologia und Diabetes Care publiziert und von Davies und Buse auf dem EASD-Jahreskongress 2026 in Mailand vorgestellt wurde, stellt die erste Aktualisierung der gemeinsamen Empfehlungen seit 2022 dar, wie Berichte von Anfang Oktober 2026 darlegen.

Abkehr von rein glykämischen Zielwerten

Im Mittelpunkt der aktualisierten Strategie steht eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten. Das Therapieziel ist nicht mehr vorrangig auf den HbA1c-Wert zentriert, sondern gleichermaßen auf das Körpergewicht sowie den Schutz von Herz, Niere und Leber ausgerichtet.

Gewichtsziele werden den glykämischen Zielen nun gleichgestellt. Für den Blutzucker wird meist ein HbA1c-Zielkorridor von 6,5 bis 7 Prozent oder niedriger angestrebt; bei einer Diagnose vor dem 40. Lebensjahr ist ein Zielwert von höchstens 6,5 Prozent möglich.

Liegen bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Nierenerkrankungen oder eine Herzinsuffizienz vor, kann die Kombination aus einem SGLT2-Hemmer und einem GLP-1-Rezeptoragonisten frühzeitig und unabhängig vom HbA1c-Wert verordnet werden.

SGLT2-Hemmer bilden dabei das Fundament zur Protektion bei Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung, während GLP-1-Präparate zur Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse, zum Nierenschutz und zur Gewichtsreduktion beitragen. Bei einer albuminurischen Nierenerkrankung (UACR über 3 mg/mmol beziehungsweise über 30 mg/g) wird zudem Finerenon empfohlen.

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Organspezifische Schwerpunkte und Studienlage

Die Empfehlungen stützen sich auf mehrere große klinische Endpunktstudien. In der Studie SURPASS-CVOT erwies sich Tirzepatid hinsichtlich kardiovaskulärer Hauptereignisse im Vergleich zu Dulaglutid als nicht unterlegen. Die SOUL-Studie belegte, dass orales Semaglutid in einer Dosierung von 14 mg schwere kardiovaskuläre Ereignisse in einer Hochrisikogruppe um 14 Prozent senkt.

Die FLOW-Studie zeigte zudem, dass Semaglutid in einer Dosis von 1 mg pro Woche das Nierenrisiko um 24 Prozent sowie die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 29 Prozent bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung reduziert.

Für adipositasbedingte Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) empfiehlt das Gremium Semaglutid oder Tirzepatid; Finerenon wird ebenfalls bei HFpEF sowie bei HFmrEF aufgeführt. Neu aufgenommen wurde zudem ein Screening auf die metabolische Fettlebererkrankung MASLD mit Überweisung bei einer Fibrose ab Stadium F2. Bei MASLD und MASH bildet Gewichtsverlust die therapeutische Basis, wobei Semaglutid die stärkste Datenlage aufweist.

Begleitfaktoren, Muskelmasse und nationale Unterschiede

Der Konsensus hebt zugleich hervor, dass 25 bis 40 Prozent des Gewichtsverlusts unter einer GLP-1-Therapie aus Magermasse stammen können. Daher gilt ein Gewichtsverlust von über 10 Prozent unter gezieltem Muskelerhalt durch Eiweißzufuhr und Krafttraining als Ziel. Empfohlen werden wöchentlich mindestens 150 Minuten aerobe Bewegung plus Krafttraining an zwei bis drei Tagen.

Basalinsulin soll meist erst nach GLP-1-Präparaten zum Einsatz kommen, während der Einsatz kontinuierlicher Glukosemessung mit einem Zielwert von über 70 Prozent im Bereich von 70 bis 180 mg/dL erwogen wird. Bei gebrechlichen Patienten wird ein Absetzen von Sulfonylharnstoffen angeraten.

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Als Blutdruckziel gilt ein Wert von unter 130/80 mmHg, bei hohem Risiko systolisch unter 120 mmHg, ergänzt durch Statine ab einem Alter von 40 Jahren. Eine traditionell schrittweise Therapie bleibt bei niedrigem Risiko, moderatem Übergewicht und fehlenden Organschäden weiterhin vertretbar.

Konsensus-Mitautor Prof. Peter Rossing vom Steno Diabetes Center Copenhagen wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Metformin aus dänischer Sicht für viele Patienten die Erstwahl bleibe und die internationalen Leitlinien die dänischen Empfehlungen sowie Erstattungsregeln nicht unmittelbar verändern.

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