Typ-2-Diabetes, Operation

Typ-2-Diabetes: Operation führt bei 58 Prozent zur Remission statt 3 Prozent

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der ARMMS-T2D-Studie erreichten 58 Prozent der Operierten eine Remission, gegenüber drei Prozent in der Kontrollgruppe.
Ein leerer, klinischer Behandlungsraum mit medizinischer Ausrüstung in einer hellen, professionellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Eine metabolisch-bariatrische Operation kann bei Typ-2-Diabetes zu einer deutlich höheren Remissionsrate führen als rein medikamentöse Therapien und Lebensstiländerungen. Dies zeigt die am 20. Oktober 2026 im Fachjournal Diabetes Care veröffentlichte ARMMS-T2D-Studie, an der unter anderem Dr. John P. Kirwan von der University of Oklahoma beteiligt war. In der Untersuchung erreichten 58 Prozent der operierten Patienten eine Remission, verglichen mit lediglich drei Prozent in der Kontrollgruppe.

Ergebnisse der ARMMS-T2D-Studie

Die Untersuchung des ARMMS-T2D-Studienteams gilt als bisher größte und längste Arbeit zur metabolischen Chirurgie bei Typ-2-Diabetes. Insgesamt wurden 262 Personen mit Typ-2-Diabetes analysiert, von denen 68 Prozent weiblich waren; das mittlere Alter lag bei 49,9 Jahren.

Die mediane Nachbeobachtungszeit belief sich auf elf Jahre und reichte bis zu maximal 14 Jahre. 166 Probanden unterzogen sich einer metabolisch-bariatrischen Operation, während 96 Teilnehmer eine medikamentöse Therapie in Kombination mit Lebensstilinterventionen erhielten.

Als Remission definierten die Wissenschaftler einen HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent ohne die Gabe blutzuckersenkender Medikamente. Die 58 Prozent bezogen sich auf das Erreichen einer Remission im Verlauf des Nachbeobachtungszeitraums und nicht auf einen durchgehenden Zustand über die vollen 14 Jahre.

Zu den maßgeblichen Prädiktoren für eine Remission gehörten eine kürzere Diabetesdauer vor dem Eingriff, das Fehlen einer Insulintherapie, eine geringere Anzahl an Medikamentenklassen sowie ein größerer Gewichtsverlust innerhalb des ersten Jahres nach dem Eingriff.

Umgekehrt erhöhten eine längere Krankheitsdauer und mehr Medikamentenklassen das Risiko für einen Rückfall. Kirwan sprach sich vor diesem Hintergrund dafür aus, chirurgische Eingriffe frühzeitig im Behandlungsverlauf vorzusehen, anstatt sie erst als Ultima Ratio in Betracht zu ziehen.

Chirurgische Ergebnisse nach unzureichender medikamentöser Therapie

Ergänzende Daten zur Wirksamkeit chirurgischer Maßnahmen veröffentlichte die Cleveland Clinic am 3. November 2026 im Fachjournal Annals of Surgery. Unter Leitung von Dr. Ali Aminian untersuchte das Team 4.929 Erwachsene mit Adipositas, die zwischen 2018 und 2024 an Kliniken in Ohio operiert worden waren und ein medianes Ausgangsgewicht von 273 bis 287 Pfund aufwiesen.

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Die Untersuchung erfasste gezielt Patienten, die GLP-1-Medikamente wegen Nebenwirkungen abgesetzt oder darunter nur unzureichend Gewicht verloren hatten, und verglich sie mit Patienten ohne GLP-1-Vorbehandlung.

Der adjustierte Gesamtgewichtsverlust nach zwei Jahren lag bei 23 bis 26 Prozent bei 61 Patienten mit GLP-1-Abbruch infolge von Unverträglichkeiten. Bei 207 Personen mit zuvor unzureichender Gewichtsabnahme unter GLP-1 betrug er 18 bis 33 Prozent und bei 4.661 therapienaiven Patienten 24 bis 33 Prozent. Dabei spiegelte der jeweils niedrigere Wert eine Schlauchmagen-Operation wider, während der höhere Wert nach einem Magenbypass erzielt wurde.

Unter der vorangegangenen Medikation mit GLP-1-Präparaten wie Semaglutid oder Tirzepatid hatte der Gewichtsverlust in dieser Gruppe über zwei Jahre maximal zwei Prozent betragen. Als Limitationen verwiesen die Autoren auf das reine Beobachtungsdesign, kleine Fallzahlen in den Medikamentengruppen und das auf zwei Jahre begrenzte Follow-up.

Trotz dieser Effekte sank die Quote bariatrischer Eingriffe bei US-Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 11,6 Prozent auf 3,7 Prozent, während im dritten Quartal 2025 rund 24 Prozent der geeigneten Erwachsenen in den USA ein GLP-1-Rezept erhielten, verglichen mit 0,09 Prozent mit bariatrischer Operation.

Klinische Praxis und Indikationskriterien

In der klinischen Praxis gelten die laparoskopische Sleeve-Gastrektomie und der laparoskopische Magenbypass als Standardverfahren. Dr. Ke Chuanfeng vom Ersten Krankenhaus der Universität Guangzhou verwies darauf, dass der Schlauchmagen in China rund 70 Prozent der Eingriffe ausmache und Vorteile bei neu aufgetretenem Diabetes sowie Grenzwert-Blutzucker biete.

Der Bypass sei hingegen wirksamer bei längerer Krankheitsdauer und Insulinpflicht. Zu den Kriterien für einen Eingriff zählen dort eine Krankheitsdauer von maximal 15 Jahren, ein C-Peptid-Wert von mindestens der Hälfte des unteren Normwerts, ein Alter von 16 bis 65 Jahren, ein Body-Mass-Index ab 27,5 nach asiatischem Standard (europäisch ab 30) sowie ein Bauchumfang von mindestens 90 Zentimetern bei Männern und 85 Zentimetern bei Frauen.

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Auf einer Kardiologie-Fortbildung in Bad Wörishofen mit 130 teilnehmenden Ärzten betonte Prof. Thomas Hüttl, dass bariatrische Operationen einen Gewichtsverlust von bis zu 35 Prozent des Ausgangsgewichts ermöglichen und Typ-2-Diabetes dadurch deutlich verbessert werden oder ganz verschwinden könne.

Allgemein werde eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10 Prozent binnen 6 bis 12 Monaten als therapeutischer Erfolg gewertet. Zwar führten moderne Abnehmspritzen zu Verlusten von bis zu 20 Prozent des Körpergewichts, bargen jedoch ohne begleitendes Krafttraining die Gefahr eines relevanten Muskelabbaus.

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