Griechenland: Gewaltiges Spinnennetz in Höhle entdeckt
07.11.2025 - 10:39:08In einer entlegenen Höhle an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien haben Forscher den nach eigenen Angaben bislang gröĂten bekannten Spinnennetz-Komplex der Welt aufgespĂŒrt. Wie das internationale Team im Fachjournal «Subterranean Biology» berichtet, bedeckt das Netz eine FlĂ€che von rund 106 Quadratmetern und beherbergt mehr als 111.000 Spinnen.Â
Das gewaltige Geflecht zieht sich entlang von FelswĂ€nden eines Gangs der sogenannten Schwefelhöhle und besteht aus zahllosen trichterförmigen Teilstrukturen. Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich um eine Art Netz-Mosaik, das von zwei unterschiedlichen Spinnenarten gemeinsam errichtet wurde â ein bisher nicht beobachtetes Verhalten.
Zwei ArtenÂ
Die Kolonie setzt sich zusammen aus etwa 69.000 Exemplaren der weit verbreiteten und auch in Mitteleuropa vorkommenden Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica) und 42.000 weiteren der Art Prinerigone vagans, die zur Familie der Baldachinspinnen zÀhlt. Beide Arten sind normalerweise EinzelgÀnger und werden meist in der NÀhe menschlicher Siedlungen gefunden.
Erstautor IstvĂĄn UrĂĄk von der Sapientia-UniversitĂ€t im rumĂ€nischen SfĂąntu Gheorghe vermutet, dass die extremen Bedingungen in der dunklen, sehr schwefelhaltigen Umgebung das ungewöhnliche Zusammenleben begĂŒnstigen.
Anpassung an die Dunkelheit
In der Höhle, deren Eingang auf der griechischen Seite der Grenze liegt, herrscht dauerhaft Dunkelheit. Schwefelhaltiges Wasser strömt mit einer Temperatur von ganzjĂ€hrig etwa 26 Grad Celsius durch die gesamte Hauptpassage der Höhle. Die Spinnen fangen in ihrem Netz MĂŒcken, die sich von mikrobiellen Biofilmen ernĂ€hren, die etwa an den HöhlenwĂ€nden wachsen.
Genetische Analysen zeigen, dass die Spinnen in der Höhle von ihren Artverwandten andernorts deutlich abweichen â sowohl im Erbgut als auch in der Zusammensetzung ihres Mikrobioms. Die Forscher sprechen von einem möglichen Anpassungsprozess an die unterirdische Umgebung. Das Team hofft, die empfindliche Kolonie schĂŒtzen zu können, obwohl die Höhle in einem grenzĂŒberschreitenden Gebiet liegt, wie der griechische Rundfunk (ERT) berichtete.


