Ultrahochverarbeitete, Lebensmittel

Ultrahochverarbeitete Lebensmittel: 40 Prozent mehr stille HirnschÀden

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hoher UPF-Konsum ging mit mehr vaskulÀren HirnlÀsionen und stÀrkeren Insulinreaktionen einher; ein ursÀchlicher Zusammenhang ist nicht belegt.
Frische, unverarbeitete Lebensmittel wie GemĂŒse und Getreide auf einer hölzernen Unterlage als Symbol fĂŒr gesunde ErnĂ€hrung. Illustration mit AI erstellt.

Ultrahochverarbeitete Lebensmittel stehen schon lĂ€nger im Verdacht, chronische Erkrankungen zu fördern. Eine Untersuchung der McMaster University und des Population Health Research Institute (PHRI), die im Fachjournal JAMA Network Open erschien und ĂŒber die Mitte Oktober 2026 berichtet wurde, liefert nun neue Einblicke in mögliche Auswirkungen auf die Gehirngesundheit.

Anhand von MRT-Gehirnscans bei fast 9.000 Kanadiern im Alter von 35 bis 69 Jahren ohne vorbestehende Herzerkrankungen zeigte sich: Personen mit dem höchsten Konsum an ultrahochverarbeiteten Nahrungsmitteln (UPF) wiesen eine um 40 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit fĂŒr stille HirnschĂ€den in Form vaskulĂ€rer LĂ€sionen auf als jene mit dem niedrigsten Konsum.

Geschlechtsspezifische Unterschiede und Körperfettverteilung

In der Gruppe mit dem höchsten UPF-Verzehr zeigten 11,3 Prozent der Teilnehmenden Anzeichen vaskulĂ€rer HirnlĂ€sionen, wĂ€hrend es in der Gruppe mit dem niedrigsten Verzehr 8,1 Prozent waren. Bei Frauen war die Wahrscheinlichkeit fĂŒr derartige stille HirnschĂ€den fast doppelt so hoch wie bei MĂ€nnern.

Der Anteil ultrahochverarbeiteter Produkte an den tÀglichen Portionen lag bei den Höchstkonsumenten im Schnitt bei 45 Prozent, verglichen mit 16 Prozent in der niedrigsten Gruppe und einem Gesamtdurchschnitt von 25 Prozent. Vollwertige Lebensmittel machten bei Personen mit hohem Verzehr 41 Prozent der Portionen aus, bei geringem Konsum hingegen 68 Prozent.

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Zudem wiesen Probanden mit dem höchsten UPF-Konsum mehr Körper- und Bauchfett auf. Ihr Körperfettanteil lag um 1,7 Prozentpunkte höher und das viszerale Fettvolumen war im Mittel um 5,7 Milliliter grĂ¶ĂŸer. Beim Leberfettanteil ergab sich hingegen kein signifikanter Unterschied.

Die Erhebung ist Teil einer auf zehn Jahre angelegten kanadischen Studie, die ZusammenhĂ€nge zwischen verarbeiteter Nahrung, Körperfett, Stoffwechsel sowie dem Risiko fĂŒr Schlaganfall und Demenz erforscht. UnterstĂŒtzt wird die Arbeit von den Canadian Institutes of Health Research, der Heart and Stroke Foundation of Canada sowie der Canadian Partnership Against Cancer.

Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, lÀsst sich daraus keine KausalitÀt ableiten. Bei kognitiven Tests wie MoCA und DSST traten keine signifikanten Assoziationen auf. Zudem zeigte sich der Zusammenhang nicht mehr als statistisch signifikant, wenn der Verzehr als Kalorienanteil statt als Portionsanteil berechnet wurde.

Stoffwechselreaktionen und physiologische Mechanismen

Mögliche physiologische Mechanismen hinter den Effekten verarbeiteter Produkte beleuchtete eine randomisierte Crossover-Studie in Nature Metabolism an 57 gesunden, normalgewichtigen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren.

Bei 32 Teilnehmenden, die an zwei Tagen Mahlzeiten mit rund 300 Kilokalorien und nahezu identischen NĂ€hrwerten bei einer Essenszeit von zehn Minuten erhielten, fiel der Insulinspiegel nach der UPF-Mahlzeit signifikant höher aus – konkret nach 40, 60, 90 und 120 Minuten sowie ĂŒber den dreistĂŒndigen Verlauf hinweg.

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Die Blutzuckerreaktion blieb dabei vergleichbar. Funktionelle MRT-Untersuchungen bei 52 Probanden ergaben zudem, dass die verÀnderte Stoffwechselreaktion mit abweichender AktivitÀt im Belohnungssystem des Gehirns beim Betrachten von Lebensmittelbildern korrelierte.

Seitens der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN) hob PrĂ€sidentin Prof. Dr. Daniela Berg hervor, dass der Verarbeitungsgrad physiologisch relevant sei, wenngleich die Untersuchung keine neurologischen Erkrankungen beweise. Gestörte Insulinsignale und Insulinresistenz gelten in der Forschung als potenzielle Faktoren bei kognitivem Abbau und Demenz.

Einordnung ĂŒber Lebensmittelgruppen

In der Forschung werden Lebensmittel hĂ€ufig nach der NOVA-Klassifikation in vier Verarbeitungsstufen eingeteilt. Beobachtungsstudien bringen einen hohen UPF-Konsum mit Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs sowie einer höheren Gesamtsterblichkeit in Verbindung.

Bei einer differenzierten Betrachtung einzelner Produktkategorien zeigte sich dieser Zusammenhang vor allem fĂŒr verarbeitetes Fleisch und zuckerhaltige ErfrischungsgetrĂ€nke, nicht jedoch fĂŒr hochverarbeitete Brot- und Getreideprodukte.

Zur allgemeinen PrĂ€vention empfiehlt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung tĂ€glich mindestens fĂŒnf Portionen Obst und GemĂŒse, den Verzehr von Vollkornprodukten und pflanzlichen Ölen sowie den tĂ€glichen Konsum von Milch und Milchprodukten.

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