Abnehmspritzen, Kriminelle

Warum Abnehmspritzen Kriminelle anlocken

20.05.2025 - 05:00:40

Um an die begehrten Abnehmspritzen zu kommen, fĂ€lschen manche Menschen Rezepte. Dies wird immer mehr zum Thema fĂŒr Polizei, Apotheken und Krankenkassen. Und fĂŒr Konsumenten kann es gefĂ€hrlich werden.

  • Inzwischen sind verschiedene PrĂ€parate auf dem Markt. (Archivbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa

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  • Der Wirkstoff Semaglutid signalisiert dem Gehirn, dass etwas gegessen wurde und es ein SĂ€ttigungsempfinden entwickeln könne. (Symbolbild) - Foto: Roberto Pfeil/dpa

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  • Bei den gefĂ€lschten Rezepten handelt es sich um solche in Papierform. (Symbolbild) - Foto: picture alliance / dpa

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Inzwischen sind verschiedene PrÀparate auf dem Markt. (Archivbild) - Foto: Jens Kalaene/dpaDer Wirkstoff Semaglutid signalisiert dem Gehirn, dass etwas gegessen wurde und es ein SÀttigungsempfinden entwickeln könne. (Symbolbild) - Foto: Roberto Pfeil/dpaBei den gefÀlschten Rezepten handelt es sich um solche in Papierform. (Symbolbild) - Foto: picture alliance / dpa

Abnehmspritzen sind zu regelrechten Lifestyle-Produkten geworden. Auch Promis pushen die Nachfrage. So hat sich etwa der SpaceX- und Tesla-Chef Elon Musk öffentlich dazu bekannt, sie zu nutzen. Zwischenzeitlich gab es LieferengpĂ€sse. Der Hype ruft Kriminelle auf den Plan. Das fĂ€ngt schon bei gefĂ€lschten Rezepten an. Ein Überblick:

Was sagen die Ermittler?

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in den vergangenen beiden Jahren ein Anstieg der FÀlle von RezeptfÀlschungen beobachtet, mit denen Menschen an gewichtsreduzierend wirkende Arzneimittel kommen wollten. Eine genaue Statistik dazu gibt es laut einem Sprecher aber nicht. 

Im Sicherheitsbericht 2024 des Innenministeriums Baden-WĂŒrttemberg ist das PhĂ€nomen ebenfalls ohne konkrete Zahlen beschrieben. «Bei den ermittelten TatverdĂ€chtigen handelt es sich oftmals um reisende und ĂŒberregional agierende TĂ€tergruppierungen mit osteuropĂ€ischer Herkunft», heißt es dort.

Auch der GKV-Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen berichtete davon, dass in den vergangenen beiden Jahren vor allem die Zahl professionell gefÀlschter Papierrezepte drastisch zugenommen habe.

Was wird gefÀlscht?

Bei den gefÀlschten Rezepten geht es nach EinschÀtzung von Thomas Preis, PrÀsident der Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbÀnde (ABDA), um solche in Papierform. Die seien inzwischen so gut zu fÀlschen, dass Apothekerinnen und Apotheker kaum eine Chance hÀtten, dies zu entlarven. «Da geht es manchmal um Arztadressen oder Angaben von Versicherten, die es gar nicht gibt», sagt Preis im GesprÀch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Sind E-Rezepte eine fÀlschungssichere Lösung?

«FĂ€lschungen von E-Rezepten kennen wir bisher nicht», sagt der Apotheker. Beim GKV heißt es zumindest, eine konsequente Nutzung des E-Rezeptes dĂŒrfte FĂ€lschungen in Zukunft deutlich erschweren.

Welche GrĂŒnde gibt es fĂŒr den Anstieg?

Dass FĂ€lschungen fĂŒr Produkte wie «Ozempic» und «Wegovy» zunehmen, erklĂ€rt Preis damit, dass «Berichte in der Laienpresse oder Werbung durch Influencer» die Nachfrage nach diesen PrĂ€paraten fördern. «Das macht es dann verfĂŒhrerisch fĂŒr Kriminelle.» 

Aus Sicht des BKA ist davon auszugehen, «dass die gesteigerte Nachfrage, der eingeschrÀnkte Patientenkreis sowie der höhere Preis dieser Arzneimittel ebenfalls eine wesentliche Rolle spielen».

WofĂŒr werden die Medikamente eigentlich genutzt?

WÀhrend die PrÀparate «Ozempic» und «Mounjaro» in erster Linie zur Behandlung von Diabetes gedacht sind, ist «Wegovy» ein verschreibungspflichtiges Medikament, das beim Abnehmen und Halten von Gewicht helfen soll. Auch die zwei anderen PrÀparate haben diesen Effekt.

Wie wirken die PrÀparate?

Die entscheidenden Wirkstoffe heißen Semaglutid und Tirzepatid. Sie imitieren unter anderem die Wirkung des Darmhormons GLP-1 (Glucagon-like peptide-1): Dem Gehirn wird mitgeteilt, dass gegessen wurde und es ein SĂ€ttigungsempfinden entwickeln könne. Der Appetit wird also gezĂŒgelt.

Welche Vorgaben gibt es fĂŒr solche Medikamente?

In Deutschland sind Diabetes-Medikamente verschreibungs- und folglich apothekenpflichtig, erklĂ€rt das Stuttgarter Innenministerium im Sicherheitsbericht. «Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten.» Bei einer Verordnung mittels Privatrezept zur Behandlung von Adipositas mĂŒssen die Anwenderinnen und Anwender demnach das Medikament selbst bezahlen.

Wer bemerkt, dass es eine FĂ€lschung ist?

Oft falle die FĂ€lschung erst bei einer PrĂŒfung durch die Krankenkassen auf, sagt Preis. Diese wĂŒrden sich hĂ€ufig weigern, die Kosten zu ĂŒbernehmen, wodurch die Apotheken auf den Kosten sitzen blieben. «Das ist ein großer finanzieller Schaden», macht der ABDA-PrĂ€sident deutlich. 

Auch der GKV-Spitzenverband erlÀutert, dass selbst vergleichsweise wenige FÀlle im Ergebnis hohe Schadenssummen verursachten. Das liege daran, dass diese Arzneimittel besonders hochpreisig seien.

Können Apotheken die Herausgabe der Mittel verweigern?

Die Apotheken sind in einem SpannungsverhĂ€ltnis: «Man muss schon schwerwiegende GrĂŒnde haben, um eine Versorgung mit Arzneimitteln zu verweigern», sagt Preis. «Bei Hunderten eingelösten Rezepten pro Tag mĂŒssten die Mitarbeitenden hier sehr schnell abwĂ€gen und entscheiden.»

Gibt es Gefahren?

Preis warnt davor, rezeptpflichtige AbnehmprĂ€parate ohne Begleitung von Ärzten oder Apothekern einzunehmen - was bei gefĂ€lschten Rezepten in der Regel aber der Fall sei. «Eine Eigentherapie ist gefĂ€hrlich», warnt er. 

Gleiches gelte fĂŒr Mittel auf dem Schwarzmarkt, deren Dosierung oft nicht stimme. Manchmal enthielten sie auch gar keinen Wirkstoff, gesundheitsschĂ€dliche Dosierungen oder andere, bedenkliche Stoffe. 

Werden auch Medikamente selbst gefÀlscht?

Ja, das passiert auch. Im baden-wĂŒrttembergischen Sicherheitsbericht wird der Kauf von 199 Packungen «Ozempic» durch einen Freiburger GroßhĂ€ndler geschildert. «AuffĂ€llig dabei: Die gelieferten Ozempic-Stifte weisen alle die identische Seriennummer auf.» Das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) habe die Überwachungsbehörde in Karlsruhe informiert. 

Diese bestĂ€tigte demnach, dass es sich um umetikettierte Insulin-Stifte handele. Ferner habe sie festgestellt, dass der Arzneistoff Semaglutid in diesen Proben nicht vorhanden war. Das Insulin wiederum könne zu einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung bei Nutzerinnen und Nutzern fĂŒhren. 

Die gefĂ€lschten Produkte tauchten den Angaben zufolge auch in Großbritannien und Österreich auf. Bei den Ermittlungen hĂ€tten sich BezĂŒge nach Nordrhein-Westfalen und Bayern sowie ins inner- und außereuropĂ€ische Ausland ergeben.

@ dpa.de