Umfrage: 73,6% der Firmen wollen weiche Faktoren messbar machen
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Debatte um die Bemessung von Mitarbeiterleistung in deutschen Unternehmen und Institutionen verschiebt sich zunehmend in Richtung immaterieller Kriterien. Während traditionell primär messbare Kennzahlen und ökonomische Ergebnisse im Vordergrund standen, gewinnen sogenannte weiche Faktoren in der operativen Praxis an Gewicht.
Eine detaillierte Untersuchung der berufundfamilie Service GmbH, die im Zeitraum vom 13. März bis zum 24. April 2026 durchgeführt wurde, liefert hierzu neue Erkenntnisse über die Priorisierung innerhalb auditierter Organisationen.
Gleichgewicht zwischen harten und weichen Faktoren
Die Ergebnisse der Erhebung, an der insgesamt 91 auditierte Organisationen teilnahmen, verdeutlichen eine knappe Verschiebung der Prioritäten. Bei der Leistungsbemessung liegen weiche Faktoren mit einem Anteil von 29,5 % mittlerweile geringfügig vor den klassischen harten Faktoren, die von 28,4 % der Befragten als primäre Maßstabsgrundlage genannt wurden.
Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass soziale Kompetenzen, Teamdynamik und die individuelle Belastbarkeit in der modernen Arbeitswelt einen Stellenwert erreicht haben, der dem von reinem Output oder Umsatzkennzahlen ebenbürtig ist.
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Besonders auffällig ist jedoch die Tendenz zur Ausgewogenheit: Ein signifikanter Anteil von 42 % der befragten Organisationen gibt an, sowohl harte als auch weiche Faktoren bei der Beurteilung von Leistung identisch zu gewichten. Dies lässt darauf schließen, dass ein Großteil der Arbeitgeber ein hybrides Modell verfolgt, das die methodische Messbarkeit mit den zwischenmenschlichen Aspekten der Arbeitsleistung verknüpft.
Der Wunsch nach besserer Quantifizierbarkeit
Obwohl weiche Faktoren in der subjektiven Wahrnehmung der Leistungsbemessung an Bedeutung gewonnen haben, besteht in den Organisationen ein hohes Bedürfnis nach methodischer Präzision.
Laut der Untersuchung sprechen sich 73,6 % der befragten Organisationen für eine bessere Quantifizierbarkeit weicher Faktoren aus. Dieser hohe Wert illustriert die Herausforderung, vor der viele Personalabteilungen stehen: Die Anerkennung von Faktoren wie Kommunikationsfähigkeit oder Führungskultur ist zwar vorhanden, es mangelt jedoch oft an standardisierten Metriken, um diese Leistungen objektiv und vergleichbar zu erfassen.
Die Forderung nach einer Quantifizierung zeigt zudem, dass Organisationen bestrebt sind, weiche Faktoren aus der Sphäre des Vagen zu lösen und sie als festen, belastbaren Bestandteil in die Leistungs- und Vergütungssysteme zu integrieren. Damit könnte der Übergang von einer rein ergebnisorientierten hin zu einer verhaltensorientierten Leistungskultur weiter institutionalisiert werden.
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Vereinbarkeit und Leistungsdiskussion
Ein weiterer Aspekt der Untersuchung betrifft den Zusammenhang zwischen der Nutzung von Vereinbarkeitsangeboten und der betriebsinternen Leistungsdebatte. In der Vergangenheit herrschte oft die Befürchtung, dass die Inanspruchnahme von Work-Life-Balance-Maßnahmen – etwa flexible Arbeitszeiten oder Remote-Optionen – als Zeichen mangelnden Engagements gewertet werden könnte.
Die Daten der berufundfamilie Service GmbH aus dem Frühjahr 2026 zeichnen hier jedoch ein anderes Bild: 49,5 % der Befragten sehen keine negative Leistungsdiskussion, die durch die Nutzung solcher Angebote ausgelöst würde. Dies deutet auf eine fortschreitende Akzeptanz von Vereinbarkeitsmodellen hin, die zunehmend als Bestandteil einer modernen Arbeitsorganisation und weniger als Leistungsdefizit wahrgenommen werden.
Dennoch bleibt die andere Hälfte der Organisationen ein field für weitere kulturelle Entwicklungen, da hier offenbar noch keine vollständige Entkopplung von Präsenz und Leistungsbewertung stattgefunden hat.
Zusammenfassend belegen die Ergebnisse der im April 2026 abgeschlossenen Umfrage eine Transformation der Leistungskultur. Die knappe Führung der weichen Faktoren gegenüber harten Kennzahlen markiert einen Wendepunkt, während der starke Ruf nach Messbarkeit den nächsten Entwicklungsschritt in der Personalstrategie definiert.
