Mobilfunk-Auktion: Behörde prĂŒft langfristigen Verzicht
01.10.2023 - 06:24:31 | dpa.de
Damit das Handynetz in Deutschland auf lange Sicht deutlich besser wird, erwĂ€gt die Bundesnetzagentur einen weitreichenden Verzicht auf eine milliardenschwere Frequenzauktion. Mitte September hatte die Behörde vorgeschlagen, bisherige Mobilfunk-Nutzungsrechte um fĂŒnf Jahre zu verlĂ€ngern.
Die Betreiber wĂŒrden finanziell entlastet, weil sie nur niedrige GebĂŒhren zahlen mĂŒssten. Im Gegenzug sollen Deutsche Telekom, Vodafone und TelefĂłnica (O2) zu neuen Ausbauauflagen verpflichtet werden. Nun sagte Behördenchef Klaus MĂŒller der dpa: «Wir werden auch eine VerlĂ€ngerung um acht Jahre offen prĂŒfen.» Eine Entscheidung soll 2024 fallen.
In Bezug auf die acht Jahre sagte der frĂŒhere VerbraucherschĂŒtzer und GrĂŒnenpolitiker: «Klar ist aber: Mit der Dauer der VerlĂ€ngerung könnten unsere Anforderungen an die Verbesserung der VersorgungsqualitĂ€t steigen.» Konkreter wurde er nicht.
Deutschlands Handynetze besser geworden
Im Mobilfunk gibt es unterschiedliche FrequenzbĂ€nder, die bisher zeitversetzt versteigert werden. Sie haben verschiedene Funktionen - die niedrigen BĂ€nder sind mit einer groĂen Reichweite gut fĂŒr das Land und die hohen sind gut fĂŒr StĂ€dte, wo viele Smartphonenutzer in den Funkzellen sind und enorme Datenmengen brauchen. Ende 2025 laufen die nĂ€chsten Lizenzen aus, danach enden die nĂ€chsten Nutzungsrechte im Jahr 2030 und danach die nĂ€chsten im Jahr 2033.
WĂŒrden die Nutzungsrechte um bis zu acht Jahre verlĂ€ngert, könnten diese drei Lizenzpakete gut zusammen versteigert werden. «Das wĂŒrde die Auslauffristen eines GroĂteils des im Einsatz befindlichen Mobilfunkspektrums harmonisieren», sagt ein O2-Sprecher.
Deutschlands Handynetze sind in den vergangenen Jahren besser geworden, die Anbieter haben Milliardensummen in Antennenstandorte gesteckt. Mancherorts hapert es aber noch, vor allem auf dem Land. Hier dringt MĂŒller auf Besserungen. Mitte September schlug er eine Ausbaupflicht vor, der zufolge die Netzbetreiber bis Ende 2028 in dĂŒnn besiedelten Gebieten mindestens 98 Prozent der Haushalte mit einer Downloadrate von 100 Megabit pro Sekunde erreichen. Bisher gibt es so eine speziell auf das Land zugeschnittene Regel nicht, sie wĂŒrde die Situation in Dörfern und Ortschaften verbessern.
Handyverbindungen an StraĂen verbessern
Allerdings wĂŒrden nur rund 300.000 Haushalte von so einer Ausbaupflicht profitieren, wie aus Zahlen der Bundesnetzagentur hervorgeht: Diese Haushalte haben in den dĂŒnn besiedelten Gegenden, wo weniger als 100 Menschen pro Quadratkilometer wohnen, bisher gar kein 100-Mbit-Netz oder nur Netz von einem oder zwei der drei Anbieter. Wer Pech hat und beim falschen Anbieter ist, hat kein gutes Netz. FĂŒr solche Pechvögel könnte es auf dem Land kĂŒnftig besser werden, weil jeder Anbieter fast ĂŒberall sein muss - vorausgesetzt, der Vorschlag der Netzagentur wird umgesetzt.
AuĂerdem will die Behörde die Handyverbindungen an StraĂen verbessern. Bisher liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, dem zufolge jeder Netzbetreiber bis Ende 2028 alle BundesstraĂen mit 100 Mbit versorgt haben muss. Sollten die Nutzungsrechte sogar um acht Jahre verlĂ€ngert werden, könnte auch eine schĂ€rfere Auflage fĂŒr LandstraĂen erlassen werden.
Aus der Politik und von etablierten Netzbetreibern kommt Zustimmung zur Acht-Jahre-Ăberlegung - das ĂŒberrascht nicht, da die Telekom, Vodafone und O2 davon profitieren wĂŒrden. So eine VerlĂ€ngerung stĂ€rke «die Planungssicherheit und damit die Investitionsmöglichkeiten fĂŒr die ausbauenden Anbieter», sagt der O2-Sprecher.
Impulse fĂŒr den Wettbewerb
FĂŒr den Neueinsteiger unter den Netzbetreibern, 1&1 aus Montabaur, wĂ€re das hingegen Gegenwind - er hĂ€tte noch lange nur recht wenig eigenes Spektrum und könnte nicht zukaufen. Er hĂ€tte aber zumindest Zugang zum 5G-Netz von Vodafone, wofĂŒr er gewissermaĂen Miete zahlt. Eine 1&1-Sprecherin betonte, dass eine Entscheidung der Netzagentur «die Bedarfe aller vier Netzbetreiber fair berĂŒcksichtigen» mĂŒsse.
VerbraucherschĂŒtzer versprechen sich von 1&1 Impulse fĂŒr den Wettbewerb. «Konkurrenz unter den Anbietern durch einen weiteren Netzbetreiber kann zu besseren Angeboten fĂŒr die Endkundinnen und Endkunden fĂŒhren», sagt Felix Flosbach von der Verbraucherzentrale NRW und warnt davor, dass 1&1 durch die Entscheidung der Netzagentur zusĂ€tzlich unter Druck gesetzt wird. «Ein möglicher Kampf der bestehenden Netzbetreiber gegen einen neuen Netzbetreiber darf nicht zum Nachteil der Verbraucherinnen und Verbraucher fĂŒhren.»
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes SchĂ€tzl hĂ€lt die Acht-Jahre-VerlĂ€ngerung fĂŒr sinnvoll. Zugleich betont er, dass die Ausbaupflichten dann deutlich verschĂ€rft werden sollten. Der Liberale Reinhard Houben will sicherstellen, dass die Mobilfunker die Summen, die sie durch den Verzicht auf eine Auktion einsparen, auch wirklich in ihre Netze investieren. Daher seien «harte Auflagen» nötig, die klar und von Dritten nachprĂŒfbar seien. «Die Mobilfunknetzbetreiber mĂŒssen die Versorgungsverpflichtungen fĂŒr den lĂ€ndlichen Raum und fĂŒr Verkehrswege nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der RealitĂ€t erfĂŒllen.»
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