Unisoc-LĂŒcke: Videoanruf ermöglicht vollstĂ€ndige Kernel-Kontrolle
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 00:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsexperten von SSD Secure Disclosure haben eine kritische, zweistufige Exploit-Kette in der Modem-Firmware des Halbleiterherstellers Unisoc identifiziert.
Die Schwachstelle ermöglicht es Angreifern, ĂŒber einen manipulierten Videoanruf ĂŒber LTE (VoLTE) die vollstĂ€ndige Kontrolle ĂŒber den Android-Kernel betroffener MobilgerĂ€ten zu erlangen. Da bisher kein offizieller Patch des Herstellers vorliegt, stufen Beobachter die Situation als erhebliches Sicherheitsrisiko fĂŒr Millionen von Nutzern ein.
Die technische Analyse der Forscher zeigt auf, dass der Angriff auf der Ebene der Modem-Software ansetzt. Durch den Empfang eines speziell prĂ€parierten VoLTE-Videoanrufs kann zunĂ€chst Schadcode auf der Modem-Ebene ausgefĂŒhrt werden.
In einem zweiten Schritt gelingt es dem Exploit, diese Berechtigungen auf die Kernel-Ebene des Android-Betriebssystems auszuweiten. Diese Eskalation erlaubt den Zugriff auf tiefgreifende Systemfunktionen und Nutzerdaten. Die Schwachstelle wird unter der Klassifizierung CWE-1189 gefĂŒhrt, eine spezifische Kennung (CVE) wurde bislang nicht vergeben.
Betroffene ChipsÀtze und EndgerÀte
Die SicherheitslĂŒcke betrifft eine Reihe weit verbreiteter ChipsĂ€tze des chinesischen Herstellers. Explizit genannt werden die Modelle T606, T612 und T7250. Diese Prozessoren finden sich in zahlreichen Budget- und Mittelklasse-Smartphones bekannter Marken.
Zu den betroffenen GerÀten gehören unter anderem das Motorola E13, das Realme C33 sowie das Xiaomi Redmi A5. ZusÀtzliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch der Chipsatz T616 von der Schwachstelle betroffen ist.
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Die Brisanz der Entdeckung wird durch die Marktstellung von Unisoc unterstrichen. Laut Daten von Counterpoint Research hielt das Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Anteil von 14 Prozent am globalen Smartphone-Chip-Markt. Damit sind potenziell Millionen von GerĂ€ten weltweit verwundbar, insbesondere in Segmenten, in denen preisgĂŒnstige Hardware dominiert.
Voraussetzungen fĂŒr einen Angriff
Trotz der Schwere der LĂŒcke ist die DurchfĂŒhrung eines Angriffs an spezifische Bedingungen geknĂŒpft. Ein potenzieller Angreifer benötigt laut den Sicherheitsforschern Zugriff auf eine private 4G-Netzinfrastruktur, um den schĂ€dlichen Datenstrom zu initiieren. Zudem ist die Interaktion des Nutzers erforderlich: Der manipulierte Videoanruf muss vom Opfer aktiv entgegengenommen werden, damit die Exploit-Kette ausgelöst werden kann.
Bisherige Sicherheitsvorkehrungen der GerĂ€tehersteller scheinen nicht auszureichen, um die LĂŒcke zu schlieĂen. So wies das untersuchte Xiaomi Redmi A5 einen Sicherheitspatch-Stand vom Anfang des Jahres 2026 auf, wĂ€hrend das Motorola E13 auf dem Stand vom Februar 2025 war. Beide GerĂ€te blieben in Tests fĂŒr den Exploit anfĂ€llig.
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Fehlende Reaktion des Herstellers
Besorgniserregend bewerten Experten den Umstand, dass Unisoc bislang nicht auf die Kontaktversuche der Sicherheitsforscher reagiert hat. Es gibt derzeit weder eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens noch verfĂŒgbare Software-Aktualisierungen oder Umgehungslösungen (Mitigations), um das Risiko zu minimieren.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Hardware des Herstellers in den Fokus von Sicherheitsanalysen rĂŒckt. Bereits im November des vergangenen Jahres hatten Forscher von Kaspersky eine Ă€hnliche Problematik beim Chipsatz UIS7862A dokumentiert.
Die aktuelle Entdeckung verdeutlicht jedoch eine neue QualitĂ€t der Bedrohung durch die direkte Eskalation vom Modem- in den Betriebssystem-Kernel. Solange kein Patch zur VerfĂŒgung steht, bleibt die SicherheitslĂŒcke eine offene Flanke fĂŒr Nutzer der betroffenen ChipsĂ€tze.
