UniversitÀt Hohenheim: Ballaststoffe und Fasten verÀndern das Darmmilieu
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 10:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen aus den Jahren 2025 und 2026 weisen auf eine enge Verbindung zwischen einer bakteriellen Fehlbesiedlung des DĂŒnndarms (SIBO) und dem Reizdarmsyndrom hin. Bei einem Teil der Betroffenen steht das Reizdarmsyndrom unmittelbar im Zusammenhang mit einer solchen Fehlbesiedlung.
Gleichzeitig verdeutlichen wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Umweltfaktoren und Substanzen wie Medikamente, Schwermetalle, Pestizide sowie chemische Toxine das mikrobielle Gleichgewicht und das gesamte Darmmilieu empfindlich beeinflussen können.
Differenzierte Betrachtung von Darmflora und Probiotika
Das Reizdarmsyndrom wird medizinisch in verschiedene Subtypen unterteilt: verstopfungsdominant, durchfalldominant, gemischt oder unklassifiziert. Liegt bei Patientinnen und Patienten tatsĂ€chlich eine bakterielle Fehlbesiedlung im DĂŒnndarm vor, kann eine unbedachte Zufuhr von BakterienstĂ€mmen problematisch sein. In solchen FĂ€llen besteht das Risiko, dass die Fermentationslast im Verdauungstrakt zusĂ€tzlich steigt.
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Probiotische PrĂ€parate sind daher nicht fĂŒr alle Betroffenen gleichermaĂen geeignet. Da probiotische BakterienstĂ€mme hochgradig stammspezifisch sind und individuell unterschiedlich wirken, können sie im Einzelfall Beschwerden wie BlĂ€hungen, VöllegefĂŒhl oder KrĂ€mpfe verstĂ€rken.
Einige Erzeugnisse enthalten zudem PrĂ€biotika, deren bakterielle VergĂ€rung zu einer gesteigerten Gasbildung fĂŒhren kann. Hinzu kommt, dass sich zugefĂŒhrte Probiotika laut Studien in der Regel nicht dauerhaft im Darm ansiedeln.
Gleichzeitig bleiben probiotische AnsĂ€tze in der medizinischen und pharmazeutischen Beratung relevant, etwa im Kontext der Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse, ĂŒber die Nervensystem und Gastrointestinaltrakt miteinander kommunizieren.
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Fachleute raten daher bei Reizdarmsymptomen von einem unkritischen Ausprobieren ab und empfehlen stattdessen ein individualisiertes Vorgehen: Ein kombiniertes ErnĂ€hrungs- und Symptomtagebuch, eine Low-FODMAP-ErnĂ€hrung, gezieltes Stressmanagement sowie eine sorgfĂ€ltige Ă€rztliche AbklĂ€rung bieten eine verlĂ€sslichere Grundlage fĂŒr therapeutische Schritte.
Additive TherapieansÀtze und Mikrobiom-Dynamik
In der therapeutischen Praxis gewinnen zudem additive MaĂnahmen an Bedeutung. Als ergĂ€nzender Ansatz bei Darmerkrankungen wird unter anderem PMA-Zeolith, ein aufbereitetes Vulkanmineral, herangezogen.
Der Stoff kann unerwĂŒnschte Substanzen im Magen-Darm-Trakt binden und deren Ausscheidung unterstĂŒtzen. In klinischen Untersuchungen bei Reizdarmpatienten zeigten sich messbare Effekte bei der Linderung von Beschwerden, der Stabilisierung der Darmbarriere sowie bei entzĂŒndungsassoziierten Parametern.
Dass neben der bakteriellen Zusammensetzung auch quantitative Prozesse eine zentrale Rolle spielen, belegt eine Studie der UniversitĂ€t Hohenheim. Die dortigen Fachgebiete fĂŒr Mikrobiom, Angewandte Bioinformatik sowie ErnĂ€hrungsmedizin und PrĂ€vention untersuchten Merkmale wie Dichte, Zellzahl und Vermehrungsrate der Mikroorganismen. Dabei zeigte sich, dass eine ballaststoffreiche ErnĂ€hrung und Intervallfasten trotz abweichender Bakterienzusammensetzung zu vergleichbaren Effekten fĂŒhrten: Die Darmpassage verkĂŒrzte sich, die mikrobielle Dichte im Stuhl sank und EntzĂŒndungsmarker im Darm gingen zurĂŒck. Eine fettreiche ErnĂ€hrung bewirkte hingegen lĂ€ngere Transitzeiten sowie eine höhere mikrobielle Dichte.
