Urheberrechtsklage, US-Verleger

Urheberrechtsklage: 35 US-Verleger verklagen OpenAI und Microsoft

29.06.2026 - 23:46:25 | boerse-global.de

Eine neue Klage von 35 US-Verlagen wirft OpenAI und Microsoft systematischen Diebstahl von Zeitungsinhalten für KI-Training vor.

35 US-Verleger verklagen OpenAI und Microsoft wegen Urheberrechtsverletzung
Urheberrechtsklage - Leiterplatte mit Silhouetten von Richterhammer und Waage, Symbol für digitale Urheberrechtsklagen 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Klage wurde am 24. Juni 2026 beim Bundesgericht für den Südbezirk von New York eingereicht. Der Vorwurf: Systematischer Diebstahl urheberrechtlich geschützter Inhalte zur KI-Trainingszwecken.

Die Kläger, darunter Richner Communications, die Arkansas Democrat-Gazette und WEHCO Newspapers, werfen den Unternehmen vor, Hunderttausende Artikel ohne Erlaubnis oder Vergütung abgesaugt zu haben. Dabei sollen die Konzerne sogar Bezahlschranken umgangen haben. Es ist bereits der 26. Urheberrechtsfall gegen OpenAI.

Systematischer Datenklau mit Ansage

Die 55-seitige Klageschrift schildert detailliert, wie OpenAI und Microsoft Inhalte von Lokalzeitungen für ihre KI-Modelle ChatGPT und Copilot nutzten. Besonders brisant: Die Unternehmen sollen systematisch Copyright-Informationen wie Autorennamen, Titel und Veröffentlichungsdetails entfernt haben – ein klarer Verstoß gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA).

Die Verleger sehen dadurch ihre Werbe- und Abonnement-Einnahmen massiv gefährdet. „Das ist eine existenzielle Bedrohung für den Lokaljournalismus", erklärte der frühere New Jersey Attorney General Matthew Platkin, der die Kläger vertritt. Die Forderung: Finanzielle Entschädigung plus eine dauerhafte Unterlassungsverfügung – ohne Lizenzvereinbarung darf kein weiteres geistiges Eigentum verwendet werden.

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Microsofts Supercomputer im Visier

Doch damit nicht genug: Am 25. Juni 2026 reichte auch die New York Times eine ergänzende Klage in ihrem eigenen Verfahren gegen die beiden Tech-Giganten ein. Der neue Vorwurf wiegt schwer: Microsoft soll nicht bloß Dienstleister gewesen sein, sondern aktiver Mittäter.

Die Beweise sind beeindruckend: Microsoft stellte demnach eine spezielle Supercomputer-Infrastruktur mit 285.000 CPU-Kernen und 10.000 GPUs bereit – maßgeschneidert für das massenhafte Absaugen und Verarbeiten von Daten. „Das macht Microsoft zum Komplizen beim systematischen Einverleiben geschützter Medieninhalte", heißt es in der Klageschrift.

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Die Verteidigung der KI-Branche

OpenAI hält weiter an der Fair-Use-Doktrin fest. Unternehmenssprecher Drew Pusateri betont, die Modelle würden mit öffentlich zugänglichen Daten trainiert. Man suche den Dialog mit Kreativen. CEO Sam Altman räumte allerdings ein, dass der Zugang zu urheberrechtlich geschütztem Material für moderne KI-Modelle „herausfordernd" sei.

Unterdessen schaltet sich auch Google in die Gebatte ein. In einem am 25. Juni veröffentlichten Positionspapier schlägt der Konzern vor, KI-Training auf öffentliche Webdaten als Fair Use zu betrachten. Urheberrechtsfragen sollten erst bei der Ausgabe – also wenn KI Inhalte generiert – geprüft werden, nicht beim Training. Zudem schlägt Google eine branchenfinanzierte Regulierungsbehörde namens FARO vor, die die Entwicklung von Frontier-KI überwachen soll.

Die Gerichte stehen vor einer grundsätzlichen Frage: Wo hört die faire Nutzung legaler Quellen auf, und wo beginnt der Missbrauch durch Piraterie oder das unerlaubte Absaugen von Bezahlinhalten? Die Antwort könnte die Zukunft der KI-Industrie und des Journalismus gleichermaßen prägen.

de | wissenschaft | 69655805 |