US-Bankenaufsicht OCC: 40 Krypto-Firmen beantragen nationale Lizenzen
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-amerikanische Bankenaufsichtsbehörde Office of the Comptroller of the Currency (OCC) bereitet den Boden für eine stärkere Integration von Digital-Asset-Firmen in das nationale Finanzsystem. Wie Comptroller Jonathan V. Gould bekannt gab, ist die Behörde wieder offen für die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus dem Bereich digitaler Vermögenswerte. Ziel ist es, diesen Firmen einen klaren Pfad zur Erlangung nationaler Banklizenzen zu ebnen und damit den regulatorischen Rahmen in den Vereinigten Staaten zu vereinheitlichen.
Ende des Lizenz-Flickenteppichs angestrebt
Bisher müssen sich viele Kryptounternehmen durch ein komplexes Geflecht aus einzelnen staatlichen Lizenzen arbeiten, um ihre Dienste landesweit anbieten zu können. Die Initiative der OCC zielt darauf ab, diese Struktur durch nationale Charter zu ersetzen. Ein solcher Bundescharter würde eine zentrale Aufsicht auf nationaler Ebene ermöglichen und den Instituten mehr Rechtssicherheit bieten. Gould erläuterte diesen strategischen Kurs bereits während einer Fachkonferenz im Dezember des vergangenen Jahres und unterstrich nun die Bereitschaft der Behörde, die entsprechenden Prozesse wieder zu forcieren.
Obwohl die Behörde die Vergabe neuer Bankcharter aktiv fördern will, stehen die finalen Regelwerke hierfür noch aus. Die OCC betonte jedoch, dass digitale Finanzdienstleister als geeignete Kandidaten für diese nationalen Lizenzen angesehen werden. Besonders im Fokus stehen dabei sogenannte Trust-Bank-Charters. Diese Genehmigungen erlauben den Instituten Tätigkeiten in den Bereichen Verwahrung, Settlement sowie treuhänderische Dienste. Ein klassisches Einlagengeschäft für Privatkunden (Retail Banking) ist im Rahmen dieser spezifischen Trust-Lizenzen jedoch nicht vorgesehen.
Hohe Nachfrage und beschleunigte Verfahren
Das Interesse der Branche an einer nationalen Regulierung ist messbar. Laut Angaben der Behörde sind in den vergangenen 18 Monaten insgesamt 40 De-novo-Anträge bei der OCC eingegangen. Um den Anforderungen der dynamischen Technologiebranche gerecht zu werden, strebt die Aufsicht an, Entscheidungen über Lizenzanträge innerhalb eines Zeitraums von 120 Tagen zu treffen.
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Ein entscheidender Vorteil der nationalen Lizenzierung ist neben der einheitlichen Aufsicht der direkte Zugang zum Zahlungssystem der Federal Reserve. Dies würde die operativen Abläufe für Digital-Asset-Firmen signifikant effizienter gestalten. Aktuell befinden sich bereits namhafte Branchenakteure wie Circle und Ripple im laufenden Prozess, um entsprechende Qualifikationen zu erreichen.
Fokus auf Tokenisierung und regulatorische Reformen
Hintergrund der verstärkten Bemühungen ist auch das enorme Wachstum bei der Tokenisierung realer Vermögenswerte. Branchenanalysen zufolge hat das Volumen in diesem Sektor mittlerweile die Marke von 20 Mrd. US-Dollar überschritten. Die OCC sieht in der Schaffung stabiler Bankstrukturen eine notwendige Reaktion auf diese Marktentwicklung.
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Begleitend zur Öffnung der OCC lobte Gould zudem die Reformen bei der Einlagensicherung FDIC, die den Weg für Digital-Asset-Firmen im regulatorischen Umfeld unterstützen. Gleichzeitig stellte die Behörde klar, dass trotz der neuen Offenheit keine automatischen Genehmigungen erteilt werden. Jeder Antrag werde einer individuellen Prüfung unterzogen, um sicherzustellen, dass die strengen Anforderungen an nationale Bankinstitute erfüllt werden. Eine Bevorzugung gegenüber traditionellen Instituten sei nicht vorgesehen, vielmehr gehe es um eine faire Eingliederung innovativer Finanzdienstleister in den bestehenden Rechtsrahmen.
