USP15-Varianten, Mutation

USP15-Varianten: Mutation stört Autophagie und Neubildung von Nervenzellen

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 04:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

PrĂ€klinische Studien verknĂŒpfen gestörte Zellreinigung mit Tau-Aggregaten, beeintrĂ€chtigter Neurogenese und verĂ€nderter Proteinstruktur.

Alzheimer-Forschung: Autophagie und Proteinabbau im Fokus neuer Studien
Mikroskopische Aufnahme von zellulÀren Proteinstrukturen und biologischen Netzwerken in einem Laborumfeld. Illustration mit AI erstellt.

In der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen rĂŒckt der Abbau fehlerhafter Proteine zunehmend in das Zentrum wissenschaftlicher Analysen. Ein fehlerhafter Ablauf der Autophagie – jenes zellulĂ€ren Recyclingsystems, das toxische Ablagerungen beseitigt – wird vermehrt als ein frĂŒher Auslöser pathologischer VerĂ€nderungen bei Morbus Alzheimer und verwandten Erkrankungen diskutiert. Aktuelle Veröffentlichungen beleuchten die komplexen Wechselwirkungen zwischen zellulĂ€rer MĂŒllabfuhr, Gliazellen und Proteinaggregaten.

FrĂŒhe Defizite vor der Ablagerung von Amyloid und Tau

In einer peer-reviewten Fachpublikation in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) wird dargelegt, dass Störungen der Autophagie den klassischen Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung vorausgehen könnten. Dem vorgeschlagenen Modell zufolge beeintrĂ€chtigt Amyloid-? die Bindung von Tau an Mikrotubuli, was in der Folge zu einer InstabilitĂ€t der Mikrotubuli sowie zur Tau-Aggregation fĂŒhrt.

Vor diesem Hintergrund wird auch an pharmakologischen AnsĂ€tzen gearbeitet: Der Wirkstoffkandidat Blarcamesine des Unternehmens Anavex soll ĂŒber den Rezeptor SIGMAR1 die Autophagie wiederherstellen. Ein klinischer Nutzen fĂŒr Betroffene ist durch diesen mechanistischen Befund jedoch nicht belegt.

Astrozyten und die Rolle von BAG3 in der Proteostase

Neben Neuronen spielen auch StĂŒtzzellen des Gehirns eine tragende Rolle bei der Beseitigung von Proteinansammlungen. Eine in PNAS erschienene Untersuchung beschreibt, dass das Protein BAG3 maßgeblich die Proteostase in Astrozyten steuert. Ein Verlust von BAG3 fĂŒhrte in den Experimenten zu einer verminderten Autophagie, reduzierte die Funktion von Lysosomen sowie des Proteasoms und verĂ€nderte ĂŒber VPS35 die Retromer-AktivitĂ€t.

Wurden solche BAG3-defizienten Astrozyten zusammen mit Neuronen kultiviert, die Mutationen in APP/PSEN1 trugen, verarbeiteten die Gliazellen Amyloid-? signifikant schlechter. Die Erkenntnisse aus iPSC-Modellen, Omics-Analysen und menschlichem Hirngewebe machen BAG3 zwar zu einem potenziellen Ansatzpunkt fĂŒr kĂŒnftige Therapien, eine klinische Wirksamkeit am Menschen wurde bislang jedoch nicht demonstriert.

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Genetische Varianten von USP15 stören die Neurogenese

Einen weiteren Mechanismus identifizierten Fachleute laut dem Journal of Clinical Investigation (JCI) im Zusammenhang mit dem Gen USP15. Bei Betroffenen wurden drei de-novo-Varianten unklarer Bedeutung festgestellt: p.Gly223Asp, p.Gly889Glu und p.Met978Val.

In einem Knock-in-Mausmodell mit der Mutation p.Met978Val fĂŒhrte eine abnorme Anreicherung von USP15 im Zytoplasma zu Funktionsstörungen bei der Selbterneuerung und Differenzierung neuraler VorlĂ€uferzellen. Infolgedessen sank der neuronale Output und die Seitenventrikel vergrĂ¶ĂŸerten sich.

Die Forschenden stellten fest, dass USP15 den Autophagieprozess ĂŒber das Protein ATG16L1 beeintrĂ€chtigte. Gelang es im Modell, das Gleichgewicht der Ubiquitinierung wiederherzustellen, normalisierten sich sowohl die Autophagie als auch die Neubildung von Nervenzellen.

Strukturelle Vielfalt durch verÀnderte Ubiquitin-Muster

Dass Fehler im zellulĂ€ren Abbausystem auch die Gestalt toxischer Aggregate direkt beeinflussen, zeigt eine in Nature Structural & Molecular Biology veröffentlichte Studie. Die Analyse von Tau-Filamenten aus dem Gehirngewebe von Patienten mit Alzheimer sowie mit vakuolĂ€rer Tauopathie ergab im Mausgehirn unterschiedliche Pathologiemuster. Bei der vakuolĂ€ren Tauopathie wiesen die Forschenden fĂŒnf eigenstĂ€ndige Filamenttypen nach.

Ausschlaggebend fĂŒr die Formierung war unter anderem die rĂ€umliche Anordnung von Polyubiquitin-Ketten: Eine Verschiebung dieser Positionen verĂ€nderte bei einigen Filamenten die KontaktflĂ€chen zwischen den Protofilamenten und ließ bislang nicht beobachtete Strukturen entstehen.

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Die Summe der prÀklinischen Befunde verdeutlicht, dass Störungen des zellulÀren Recyclings nicht nur eine Folge, sondern ein zentraler Treiber pathologischer Kaskaden im Gehirn sein können.

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